Kommentar: Diese bösen, bösen Eliten

Also: Lasst uns die coolen Pannenwesten überwerfen, nach Fuschl fahren und ein paar Red Bull-Firmenautos in Brand stecken. Denn schließlich sind wir ja die Abgehängten. Da muss man schon verstehen, dass uns halt mal die Wut packt. Was wir wollen? Ja, das wissen wir auch nicht so genau – aber mindestens mal das, was dem Didi Mateschitz gehört. Ich denke, nur die wenigsten Kommentatoren hätten für mein Anliegen Verständnis. Geht es aber gegen einen Politiker oder den Staat, empfinden die selben Leute plötzlich Mitleid mit den Randalierern.

Die Schuld gibt man dann den bösen, abgehobenen Eliten, die die Sorgen und Ängste des kleinen Mannes nicht verstehen. Da ist sich die Linke und die Rechte einig. Denn es gehe um mangelnde Chancengleichheit, sagen sie. Ich hingegen bin ein wenig ratlos und frage mich, ob mein Aufstand gegen Didi Mateschitz so einfach zu erklären ist. Hatte ich nicht die selben Chancen wie er? Hat mich irgendjemand davon zurückgehalten, einen Energydrink zu produzieren? Vielleicht war ich ja einfach zu faul, zu bequem, zu wenig risikobereit, um ein solches Unterfangen in Angriff zu nehmen. Natürlich ist es einfacher, sein eigenes Versagen mit dem undurchlässigen System und den rücksichtslosen Eliten zu rechtfertigen. Am Ende bleibt es aber immer das eigene Versagen. Und wir tun gut daran, nicht jeden Krawall als berechtigten Ausbruch der Abgehängten zu verstehen. Manchmal ist es vielleicht nicht mehr, als der Versuch, sein eigenes Versagen zu kompensieren.

Autor: Patrick Deutsch , 13.12.2018