Kommentar: Die unauffällige Abschaffung des Bargelds

Bestrebungen, das Bargeld abzuschaffen, gibt es EU-weit seit Jahren. Die Coronakrise spielt den Befürwortern jetzt in die Hände: Bargeld soll derzeit schließlich aufgrund der hohen Keimbelastung vermieden werden. Das verstehen die Österreicher natürlich und geben brav ihren Bankomatkartencode an den Supermarktkassen an denselben Tasten ein, die schon unzählige Menschen vor ihnen gedrückt haben. Das Supermarktpersonal scannt Produkt um Produkt der verschiedenen Kunden mit denselben Handschuhen – ein wahres Hop-on-hop-off für Viren. Hinterfragt werden diese Übertragungsketten bislang nicht. Doch die bösartigen Euroscheine und -münzen müssen mit aller Gewalt vermieden werden – und die Bürger verzichten bereitwillig auf ein weiteres Stück Privatsphäre, obwohl zahlreiche Ärzte und Experten darauf hingewiesen haben, dass das Ansteckungsrisiko über Bargeld definitiv sehr gering sei.

Bitte nicht falsch verstehen: Jede Maßnahme, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, ist zumindest einen Versuch wert und mag sich als durchaus sinnvoll herausstellen. Dennoch wird man manchmal das Gefühl nicht los, dass im Zuge der Krise auch andere Interessen verfolgt werden. Selbst jene, die nach wie vor ihr Bargeld am liebsten daheim im Kopfkissen lagern, sind nun mehr oder weniger dazu gezwungen, ihre Bankomat- und Kreditkarten zu zücken, sofern sie von Lieferserviceboten, Supermarktkunden etc. nicht mit teils verächtlichen, teils angsterfüllten Blicken gemustert werden wollen. Einige davon werden sich durch die Krise vermutlich an die bargeldlose Zahlung gewöhnen, viele andere werden aus Angst vor einer erneuten Pandemie vielleicht in Zukunft gänzlich auf Bargeld verzichten – der Mensch ist wieder ein Stück gläserner geworden, und das völlig freiwillig.

Author: Patrick Deutsch , 07.04.2020