Kommentar: Die führerlose Führerpartei

Seit Ibiza fährt die FPÖ mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf der Verliererstraße. Ziel- ort: Bedeutungslosigkeit. So, wie man das Siegen als Normalität empfand, ist man jetzt drauf und dran, Wahlniederlagen, wie jene bei den Gemeinderatswahlen, mit einem Schulterzucken hinzunehmen. Was soll ma machen? Ibiza halt. Weißt eh. Ja, Ibiza war natürlich eine Zäsur. Auch, wenn man sich von HC Strache noch so sehr distanziert, letztlich bleibt der angerichtete Schaden an der Partei picken. Zu sehr ist man Führerpartei, als dass man sich von seinem langjährigen Obmann distanzieren könnte. Damit sind wir beim zweiten Grund für den Niedergang der Freiheitlichen. Sowohl Jörg Haider als auch HC Strache waren starke Persönlichkeiten, die der Partei ihren Stempel aufgedrückt haben. Das gelingt Norbert Hofer nicht wirklich. Nach den Präsidentschaftswahlen noch als bessere Alternative für HC gehandelt, verblasst der Neue zusehends. Die Führerpartei kommt unter ihm führerlos daher. Das geht bei der FPÖ gar nicht.

Strategisches Dilemma

Am gefährlichsten für die FPÖ ist allerdings der neue Konservativismus der ÖVP. Sebastian Kurz macht konsequent die Flanke nach rechts dicht, lässt keine Gelegenheit aus, den Freiheitlichen in ihrer Kernkompetenz das Wasser abzugraben. Und das ist für die monothematisch auf das Ausländerthema ausgerichtete Partei Gift. Man reagiert mit noch radikaleren Tönen. Es gilt, die Hoheit an den virtuellen Stammtischen zurück zu erobern. Dabei läuft man Gefahr, den Bogen zu überspannen. Die Bürger dulden keine Radikalismen, sie wollen eine vernünftige, wenn auch restriktive Ausländerpolitik. Und genau das liefert Kurz. Wozu also FPÖ wählen?

Autor: Patrick Deutsch , 02.07.2020