Eine Extraportion Glitzer

Das Corona-Virus bringt ja bekanntlich nicht nur für uns „Normalos“ zahlreiche Beschränkungen mit sich, auch die Promis haben mit der derzeitigen Situation zu kämpfen. Doch wenn eine weiß, wie man aus den dicksten Zitronen picksüße Limonade macht, dann ist das Katy Perry. Und so drehte die Kalifornierin das Video zu ihrer neuen Single „Daisies“ eben ohne großes Tamtam, beinahe ungeschminkt und auf einem 8-mm-Film. Das Ergebnis lässt Fans und Kritiker gleichermaßen jubeln: Ganz natürlich zeigt sich Katy darin mit ihrem wunderschönen Babybauch. Aber sie wäre wohl nicht sie selbst, wenn sie nicht auch hier eine kleine Stichelei gegen das prüde Amerika und ihr konservatives Elternhaus einbauen würde: Nackt präsentiert sie sich unter einem tosenden Wasserfall. Für die meisten von uns nicht weiter verwerflich, für ihre Eltern wohl ein Skandal unter vielen.

Teenage Dreams. Denn was viele nicht wissen: Die Sängerin – mit bürgerlichem Namen Katheryn Hudson – wuchs in einem streng-konservativen Elternhaus auf. Als Tochter eines christlichen Predigerpaares war ihre Kindheit alles andere als unbeschwert. Fernsehen, Bücher oder CDs gab es ganz einfach nicht. Vor allem als Teenie machte ihr diese Lebensweise sehr zu schaffen. Katys Ausgleich: die Musik. Lange Zeit sang die Schülerin im Gospelchor und war dabei so talentiert, dass sie ihren ersten Plattenvertrag erhielt. Kommerziell erfolgreich wurde das Album zwar nicht, in der christlichen Musikszene fand die Platte jedoch breiteren Anklang. Der Ehrgeiz der Schülerin war geweckt.

California Gurls. Bei Freundinnen kam sie schließlich erstmals mit Popmusik in Kontakt. Und eines war klar: Ihre Eltern konnten sie nicht ewig von der Außenwelt abschirmen. Langsam begann der Teenager die Traditionen ihrer Familie zu hinterfragen und aus den gewohnten Mustern auszubrechen. Sie warf die Schule hin und arbeitete unter ihrem Künstlernamen Katy Perry weiter. Dieser Schritt war nötig geworden, da sie ständig mit der Schauspielerin Kate Hudson verwechselt wurde. Für ihre zweite Platte, „One of the boys“, arbeitete sie gleich mit mehreren namhaften Produzenten zusammen. Und das Album schlug ein wie die sprichwörtliche Bombe: Neben dem Song „Ur so gay“ (in dem Katy mit ihrem Ex-Freund abrechnete) waren auch die Hits „I kissed a girl“ und „Hot’n’Cold“ vertreten. Songs, die ihr international zum Durchbruch verhalfen.

Ein echtes Firework. Songs, die in konservativen Kreisen aber auch auf viel Kritik stießen. Nicht auszudenken, dass die brave Pastorentochter auf einmal von ihren sexuellen Fantasien erzählt. Ihrem Erfolg tat das aber keinen Abbruch: Mit ihren schrill-bunten Kostümen und ihrer fröhlichen Art singt sich Katy seitdem in die Herzen des Publikums. Ihr gelingt außerdem, wovon viele Künstler nur träumen: Sie wird zu einer echten Werbeikone. Parfums, Schmuck, Make-up – der Name „Katy Perry“ wird zu einem Erfolgsprodukt. Designkooperationen mit H&M oder dem Luxuslabel Moschino bringen zusätzlich gutes Geld. Doch während sich die ganze Welt in das California Girl verliebt, bleibt das Verhältnis zu ihren Eltern angespannt.

Never really over. Dazu trägt wohl auch das turbulente Liebesleben der Sängerin bei: 2010 ehelicht sie den Komiker und Schauspieler Russel Brand, der nur selten ein Blatt vor den Mund nimmt. Die Ehe hielt allerdings nur zwei Jahre – die Scheidung ist für Maurice und Mary Hudson eine Provokation par excellence. Es folgt eine Beziehung mit dem Sänger John ­Mayer, bevor Katy 2016 schließlich Orlando Bloom kennenlernt. Nach einer On-off-Liaison passiert 2019 das, womit eigentlich niemand mehr rechnet: Das Paar gibt seine Verlobung bekannt. Nun ist also der Nachwuchs auf dem Weg, Katy scheint endlich angekommen zu sein. Und es scheint, als ob die Sängerin sich auch ihrer Familie wieder annähert. Zu wünschen wäre es ihr auf alle Fälle. l

Autor: Elisabeth Stolzer , 10.06.2020