Fenstersturz einen Riegel vorschieben

Mit dem Einsetzen der sommerlichen Temperaturen steigt auch das Risiko für Unfälle. Und hier eine ganz besondere Art: Fensterstürze. Diese zählen zu den schwersten Unfällen bei (Klein-)Kindern. Laut Experten fällt in Österreich alle drei Wochen ein Kind aus einem unzureichend gesicherten Fenster. Bis zu drei Kinder sterben jährlich an den erlittenen Verletzungen. Besonders betroffen, etwa 68 Prozent, sind Kinder unter fünf Jahren. Bei einem Sturz ab dem dritten Stockwerk liegt die Überlebenschance bei lediglich 50 Prozent. Laut einer Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit passieren sechs von zehn dieser schrecklichen Unfälle in Mehrparteienhäusern im urbanen Raum. Und: In den meisten Fällen waren die Kinder nicht alleine zu Hause.

Neugierde

Auch Günter Fasching, Primar der Kinder- und Jugendchirurgie am Klinikum Klagenfurt und Vizepräsident des Vereins „Große schützen Kleine“ kennt die oft unterschätzte Gefahr: „Kinder haben einen Forscherdrang. Sie machen schnelle Fortschritte, und so kann es sein, dass der Nachwuchs innerhalb weniger Tage lernt, einen Stuhl ans Fenster zu schieben und das Fenster zu öffnen. Alle paar Monate sollte man daher überlegen, ob der Wohnraum noch kindersicher ist.“ Natürlich wäre es von Vorteil, gleich beim Bau oder beim Einrichten des Wohnraums daran zu denken und entsprechende Sicherungen an den Fenstern anzubringen. „Aber man kann auch ganz einfach und preiswert nachrüsten. Es gibt beispielsweise verschließbare Fenstergriffe, die nur mit Schlüssel und bestimmten Handgriffen zu öffnen sind“, erklärt Fasching.

Verpflichtend

Der Experte hat einen Vorschlag, wie man die schrecklichen Unfälle verhindern kann. „Man könnte die Fenstersicherungen in der Bauordnung festschreiben, so wie man es auch mit den Brandmeldern gemacht hat. Das wäre die beste Lösung und würde viel Leid ersparen.“ Der Bedrohung einen Riegel vorschieben möchten auch heimische Versicherer wie etwa die Kärntner Landesversicherung, die kürzlich kostenlose Sicherheits-Fensterhandgriffe verteilt hat. Erhältlich sind diese aber auch in Baumärkten und Möbelhäusern.

Facts

  • Kinder bekommen aufgrund ihres Körperbaus leichter Übergewicht: Weil der Kopf verhältnismäßig größer und schwerer ist als der Rest des Körpers, ist das Hinauslehnen beim Fenster für sie besonders gefährlich.
  • Fliegengitter sind kein geeigneter Schutz: Fensterriegel oder mit Schlüssel absperrbare Fenstergriffe schon.
  • Beim Fall auf harten Untergrund wie Stein- oder Prakettboden muss auch beim Fall aus geringer Höhe (Spielgeräte, Wickeltisch, Stockbett) mit schweren Verletzungen gerechnet werden: Ein ungebremster Sturz aus zwei Metern Höhe direkt auf den Kopf kann schon tödlich sein.
  • Im Jahr 2011 sind in Kärnten 21 Kinder aus dem Fenster gefallen, acht davon starben.

Tipps

  • Lassen Sie Kinder beim Lüften eines Raumes nie aus den Augen und nehmen Sie sie mit, wenn Sie den Raum verlassen.
  • Stellen Sie keine Sessel, Tische, Betten und Ähnliches in die Nähe von Fenstern oder Balkontüren – Kinder nutzen diese geschickt als Kletterhilfe.
  • Vergessen Sie beim Fensterreinigen nicht darauf, Ihr Kind von offenen Fenstern fernzuhalten.
  • Keine Anreize auf Fensterbretter oder Balkonbrüstungen ablegen.
Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 09.06.2016