Jetzt mehr denn je: Nein zu Amazon, Ja zu Österreichs Handel

Zahllose Wiener Geschäfte ringen angesichts der angeordneten Corona-Schließungen mit dem Überleben. Aber kampflos aufgeben? Auf keinen Fall. In kürzester Zeit haben sie ihr Sortiment umgestellt, online Bestellungen möglich gemacht, Lieferdienste auf die Beine gestellt. Glaubt man den Reaktionen in den sozialen Medien, müsste das Business der Kleinen geradezu boomen. Viel Applaus gibt es da, jede Menge „Daumen hoch!“ und virtuelles Schulterklopfen. Da kommt wohl nicht nur bei mir der Verdacht auf, es könnte sich um reine Lippenbekenntnisse handeln – ein Like ist schnell vergeben. Und die nächste Bestellung an Amazon ebenso rasch verschickt. Ab kommenden Dienstag können wir alle zeigen, wie ernst wir es mit dem Support der lokalen Wirtschaft meinen. Denn mit dem klugen Beschluss der Bundesregierung, zunächst kleinen Geschäften das Aufsperren zu erlauben, bekommen diese einen (minimalen) Vorsprung.

Wir alle können ein Zeichen setzen.

Erst vor kurzem kündigte Amazon an, in den USA 100.000 zusätzliche Arbeiter für seine Verteilungszentren zu rekrutieren. Der Online-Riese wird also auf jeden Fall als Kriegsgewinnler aus der Covid-Pandemie hervorgehen. Das ist sehr ärgerlich. Nicht nur wegen des fragwürdigen Umgangs mit den eigenen MitarbeiterInnen. Oder wegen der Tricks, mit denen sich der Konzern noch immer Milliarden an Steuern in jenen Ländern erspart, in denen er seine Gewinne erwirtschaftet. Ärgerlich ist der derzeitige Amazon-Siegeszug vor allem wegen des unmittelbaren Effekts auf unsere Unternehmen, und hier besonders auf kleine Geschäfte. Lasst uns in den nächsten Wochen die Boutiquen, Buchläden und Spielwarenläden im Grätzel stürmen – mit Maske und Sicherheitsabstand (Stichwort: Babyelefant). Und unser Geld bei denen lassen, die es jetzt garantiert notwendiger brauchen als Amazon.

Autor: Andrea Schröder , 30.06.2020