Harald Preuner: „Gut durch die erste Phase gekommen“

weekend.at: Herr Bürgermeister, sind Sie erleichtert, dass die Festspiele nun doch in einer - wenn auch reduzierten Form - stattfinden können?

Harald Preuner: Selbstverständlich. Die Festspiele sind aus unserer Stadt nicht wegzudenken, kulturell aber auch wirtschaftlich, im Besonderen natürlich für die derzeit hart getroffene Hotellerie. Natürlich ist es sehr schade, dass das ursprünglich geplante Programm so nicht stattfinden wird und auf das nächste Jahr verschoben wird, trotzdem bin ich sehr froh über diese Lösung.

weekend.at: Welchen Weg wird die Stadt ausgabenseitig in den kommenden Monaten beschreiten? Was geschieht, um den für heuer zu erwartenden Verlust von 52 Millionen Euro zu kompensieren?

Harald Preuner: Vereinbarte Projekte werden, sofern aufgrund der Unterbrechung durch den Shutdown nicht verunmöglicht, natürlich weiter vorangetrieben. Nach der Investitionsklausur am 4. Mai mussten Vorhaben, die aufgrund massiven Zeitverlustes heuer in der Form nicht mehr umsetzbar sind, in die Folgejahre verschoben werden. Wir hoffen inständig auf Unterstützungen seitens des Bundes, da durch Kurzarbeit den Städten und Gemeinden die Einnahmen, bedingt durch den Wegfall der Kommunalsteuer, massiv wegbrechen werden. Auf der anderen Seite tun wir alles für ein rasches Wiederhochfahren der Wirtschaft, da nur dadurch gewährleistet ist, dass sich das Land einnahmenseitig konsolidiert.

weekend.at: Die Salzburg AG ist im Besitz von Stadt und Land. Was spricht dagegen, in Krisenzeiten die Dividende an die Eigentümer auf 100 Prozent zu erhöhen und die Managerboni auszusetzen?

Harald Preuner: Grundsätzlich spricht nichts dagegen, die Dividende zur Gänze auszuschütten. Die Boni sind aber Bestandteile der Dienstverträge der Vorstände und können nicht so ohne weiteres ausgesetzt werden.

weekend.at: Kein Mensch kann sagen, wann der internationale Tourismus wieder in Gang kommt. Ist die Ansage, man werde in Zukunft ausschließlich auf den Qualitätstourismus setzen, Busse aussperren, die Besucher nur stundenweise in die Stadt bringen, nicht verfrüht?

Harald Preuner: Das Thema „Overtourism“ hat sich natürlich erst einmal erledigt und vielen Menschen ist in den vergangenen beiden Monaten klar geworden, welchen Stellenwert der Fremdenverkehr für unsere Wirtschaft hat. Stadt und Land Salzburg nehmen auch Geld in die Hand, um Salzburgs touristisches Angebot zu bewerben. Wir bekennen uns im Tourismusleitbild 2025 zu „mehr Klasse statt Masse“. Bustouristen wollen wir nicht pauschal aussperren, mit unserer Reisebuslogistik ist es uns vielmehr gelungen, die ankommenden Busse besser zu verteilen und gegebenenfalls auch zu reduzieren. Bei uns sind Busse willkommen, die Übernachtungsgäste bringen, die Fremdenführer buchen, die Restaurantreservierungen, Museumsbesuche oder ähnliches geplant haben. Am Ende des Tages braucht es aber auch eine Akzeptanz in der Bevölkerung und die war in den vergangenen Jahren hinsichtlich der Reisebusse am Kippen. So etwas kann ich nicht ignorieren.

weekend.at: Welche Vorkehrungen gibt es vonseiten der Stadt gegen eine zweite Corona-Welle?

Harald Preuner: Der Krisenstab des Magistrats hatte, neben der sehr disziplinierten und verständnisvollen Bevölkerung, großen Anteil daran, dass die Stadt Salzburg so gut durch die erste Phase der Corona-Krise gekommen ist. Die Mitarbeiter an vorderster Front waren seit Ende Februar im Dauereinsatz, führten 20.000 Telefonate, ermittelten Infektionsketten und stellten über 1.000 Bescheide aus. Die haben sich wirklich bewährt, da bin ich auch als Bürgermeister sehr stolz auf das, was unsere Leute in dieser Ausnahmesituation geleistet haben. Dieses hervorragend eingespielte Team unter Führung des Einsatzstabs kann im Falle einer zweiten Welle jederzeit wieder in den Krisenmodus schalten.

weekend.at: Eine Frage jenseits des Dauerthemas Corona – was sollte Ihrer Meinung nach mit dem Grundstück des ehemaligen Kurhauses geschehen?

Harald Preuner: In einem ersten Schritt wird die Tiefgarage durch eine eigene Aus- und Einfahrt aufgeschlossen. Aktuell laufen intensive Verhandlungen mit der Uni Mozarteum, die dort einen Erweiterungsbau realisieren möchte. Die Stadt verhandelt gerade mit der Universität einen Baurechtsvertrag, da die Uni das Grundstück zwar nicht kaufen, aber im Baurecht langfristig nutzen will.

weekend.at: Welche Vorstellung löste der NEOS-Vorschlag, das gerade eröffnete Hallenbad jetzt zu verkaufen, bei Ihnen aus?

Harald Preuner: Ich freue mich über jeden Diskussionsbeitrag meiner Kollegen. Öffentliche Bäder sind bekanntermaßen kaum gewinnbringend zu führen. Wenn die NEOS einen privaten Investor finden, der sicherstellt, dass die Eintrittspreise sozial verträglich und für Familien erschwinglich bleiben, dann sollen sie sich bitte melden.

weekend.at: Wo werden Sie und Ihre Gattin heuer den Urlaub verbringen?

Harald Preuner: Fix geplant haben wir Wandern und Radeln in Saalbach, ansonsten ist bei uns zu Hause Garteln angesagt. Für weitere Planungen wollen wir noch die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate abwarten.

weekend.at: Vielen Dank für das Gespräch!

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Facts: Budgetloch

In den vergangenen Jahren konnte bei einem Haushalt von rund 560 bis 600 Mio. Euro immer ein Plus erwirtschaftet werden. Laut ersten Berechnungen verliert die Stadt heuer durch die Corona-Krise rund 54 Mio. Euro. Mit gezielten Förderungen will die Stadt die Wirtschaft und den Tourismus wieder auf die Sprünge helfen. So wird derzeit alles unternommen, um mögliche Ersatztermine für den Kongresstourismus zu bekommen.

Autor: Simone Reitmeier , 10.06.2020