Franz Glabischnig: Bauer mit Sinn...

weekend: Sie sind das neue Werbegesicht der Hirter Brauerei. Wie kam es dazu?
Glabischnig: Das habe ich mich auch gefragt. Aber letztlich haben uns unsere Leidenschaften für das Echte, das Regionale zusammenge­ führt. Dazu kommt ja, dass wir kleinen Betriebe zusam­menhalten müssen.

weekend: Zusammenhalten gegen...?
Glabischnig: ...gegen die glo­balen Player, gegen die wir ohnehin keine Chance auf dem Weltmarkt haben. Klei­ne Molkereien, Berglandwir­te und auch Brauereien tun sich extrem schwer, die Ni­schenproduktion ist unsere einzige Chance. Deswegen müssen sich die Bauern wie­der auf ihre Wurzeln zurück­besinnen, zu ihrer Verant­wortung zurückkehren. Der Bauer hat seine Spur verlas­sen. Man darf ihm aber kei­nen Vorwurf machen, er ist vom Preisdruck abhängig ge­worden.

weekend:Nischenproduktion ist aber mit Risiko und finanzieller Investition verbunden.
Glabischnig:Ja, aber man hat dann alles selbst in der Hand und ist nicht von den Kon­zernen abhängig. Wir produ­zieren auf höchstem Niveau, das zeigen wir nicht nur in unserer vor drei Jahren ge­gründeten Kaslab‘n Nockber­ge. Wir geben den Weg vor und animieren so andere dazu, sich zusammenzureißen. Wieso soll ein Konsu­ment noch auf eine Alm es­sen gehen, wenn er dort die gleichen Produkte bekommt wie im Supermarkt?

weekend: Apropos Alm. Der Wandertourismus boomt - viele Bauern sind ja wenig begeistert davon?
Glabischnig: Es stimmt, mo­mentan läuft‘s nicht beson­ders gut. Der Mensch hat sich zu einem Egoisten zurück­entwickelt. Jeder gegen jeden und jeder für sich allein. Aber: Die Natur gehört uns allen, wir haben alle Platz in der Natur. Doch der Bauer muss es regeln. Er kann aber nicht sagen ‚Nein, nicht über meinen Grund.‘ Wir müssen Kompromisse finden, auf die Wünsche und Bedürfnisse al­ler eingehen, auf Augenhöhe miteinander reden.

weekend:Sie glauben an die Macht der Jugend?
Glabischnig:Die Jugend denkt anders, diese Generation ist viel sensibler. Greta Thun­berg ­ das ist die neue Gene­ration. Sie halten der Welt den Spiegel vor und dann wird es für die Großen eng. Ich gebe den Großen noch 20 Jahre, dann ist Schluss. Die können nämlich nur durch Wachstum überleben, ewiges Wachstum ist in der Natur aber nicht vorgesehen. Das Naturgesetz sieht Wachstum und Zerfall vor.

weekend: Es fällt auf, dass gerade die Oberkärntner vom Mut zur Innovation getrieben sind. Wieso?
Glabischnig: Die Gunstlagen wie etwa das Klagenfurter Becken, Villach und St. Veit mussten sich ja nie besonders anstrengen, die Böden waren super. Das verleitet jedoch dazu, sich hängen zu lassen. Das Lesach-­ und das Mölltal mussten hingegen immer schon ums Überleben kämp­fen. Das ist ihre Natur.

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 03.10.2019