Top ausgestattet

Weekend: Welchen Stellenwert genießt die Ausstattung in modernen Pflegeheimen?
Herbert Maierhofer: Das Wohnambiente zählt zu den sogenannten empathischen Qualitätskriterien, die sich maßgeblich auf das Wohlbefinden der Heimbewohner auswirken. Beispielsweise im Sanitärbereich: Zeitgemäße Pflegebäder erzeugen hier die angenehme Atmosphäre eines Wellnesshotels, während die kahlen, klinisch weißverfliesten Bäder vergangener Tage den Pflegebedürftigen eher Unbehagen bereiten.

Weekend: Was unterscheidet Ihr Unternehmen und sein Angebot von Ihren Mitbewerbern?
Herbert Maierhofer: Uns zeichnet eine individuelle Vision von den Pflegeheimen der Zukunft aus, die wir mittlerweile gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern auf einem einzigartigen Standard europaweit realisieren. Außerdem wird uns von unseren Auftraggebern die Möglichkeit gegeben, bereits in einem sehr frühen Entwicklungsstadium an der Umsetzung der jeweiligen Projekte mitzuwirken. Unsere Kunden verfolgen wiederum ebenfalls die Philosophie, dass auch Pflegeheime als Lebensumgebung einen gewissen Komfort und ein Wohlfühlambiente aufweisen müssen.

Weekend:Welche speziellen Einrichtungselemente kommen auf Stationen für Demenzpatienten zum Einsatz?
Herbert Maierhofer:Da Demenzpatienten sehr sensibel auf Farben reagieren, haben wir z.B. damit begonnen, Bereiche, die für sie eine Gefahr darstellen, mit hellblauen Bodenmarkierungen zu versehen. Diese wecken in den Patienten Assoziationen mit Gewässern und werden daher nicht von ihnen überschritten. Darüber hinaus werden Demenzgänge mit kulissenähnlichen Bauelementen wie einem Bushäuschen, einer Gartenlaube oder einem Heurigen ausgestattet, die zusätzlich mit natürlichen Umgebungsgeräuschen untermalt werden, wodurch sie den Betroffenen als Orientierungspunkte dienen.

Weekend: Was gilt es ausstattungstechnisch zu beachten, wenn ich einen Angehörigen zu Hause pflege?
Herbert Maierhofer: Die häusliche Pflege kann durch eine durchdachte und innovative Ausstattung ebenfalls vereinfacht werden: Das beginnt beim Pflegebett und endet bei den Haltegriffen an neuralgischen Punkten. Sehr oft muss etwa das Badezimmer umgebaut werden, weil man über keine Dusche, sondern nur über eine Badewanne verfügt, die ein Rollstuhlfahrer allerdings nicht mehr benutzen kann. Ferner gewinnt in diesem Zusammenhang das Thema Ambient Assisted Living, zu dem wir gemeinsam mit der FH Kärnten und der Universität Ljubljana forschen, stetig an Bedeutung. Darunter versteht man digitale Technologien wie Sensoren in Betten, die Alarm schlagen, sobald ein demenzkranker Patient das Bett verlässt, oder Magic Mirrors, die unser Gesicht scannen und dabei etwaige gesundheitliche Probleme erkennen.

Weekend: Stichwort Digitalisierung: Wie sehen die Zukunftstrends auf dem Pflegesektor aus?
Herbert Maierhofer: Diesbezüglich möchte ich vorab festhalten, dass mir vor dem Gedanken an Pflegeroboter, wie man sie in Ansätzen bereits aus Japan kennt, graut. Die Technik darf niemals in den Vordergrund rücken, sondern ausschließlich unterstützend im Hintergrund wirken. Im Zentrum der Pflege muss ein Mensch stehen, der den Pflegebedürftigen Zuneigung und Wärme spendet. Es ist jedoch sicher sinnvoll, beispielsweise Monitoring-Technologien zu forcieren, die es etwa über den Einsatz von Sensoren obsolet machen würden, mehrmals pro Tag zu überprüfen, ob ein inkontinenter Patient im Nassen liegt oder regelmäßig das Gewicht eines Adipositaspatienten zu kontrollieren.

Weekend: Welche Kärntner Heimträger zählen zu Ihren Kunden?
Herbert Maierhofer: Wir haben schon mit nahezu allen Pflegeheim-Betreibern, von der Caritas und der Diakonie über die Wie daham …“ – Gruppe bis hin zur Senecura-Gruppe und der AVS, zusammengearbeitet.

Tags

Autor: Stefan Kohlmaier , 28.05.2020