Graz wächst weiter

Autofreie Zonen, Ausbau der Öffis und Bauprojekte an jeder Ecke: Im Moment tut sich einiges in der Landeshauptstadt. Und das nicht ohne Grund: Die Landesstatistik sagt bis zum Jahr 2060 einen Bevölkerungszuwachs um bis zu 27 Prozent voraus. Rasches Handeln ist also erforderlich, um für die neuen Bewohner Lebens- und Arbeitsraum zu schaffen. Graz ist mit diesen Herausforderungen jedoch nicht allein. Weltweit wächst die städtische Bevölkerung derzeit um zwei Bürger pro Sekunde. Mehr als die Hälfte davon lebt bereits in Städten. Während ländliche Regionen einen Bevölkerungsrückgang erleben, kann man den Städten förmlich beim Wachsen zusehen. Dieser Megatrend zu Urbanisierung stellt die Verantwortlichen vor große planerische und soziale Herausforderungen.

Big City Life. Aber was braucht es eigentlich, damit viele Menschen auf wenig Raum gut leben können? Auf der einen Seite eine gute Infrastruktur: Kinderbetreuung und Schulplätze, Mobilität mit entsprechenden Verkehrsnetzen und Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV), aber auch Freizeit- und Kultureinrichtungen müssen ausreichend vorhanden sein. In Graz werden aktuell gerade eine Erweiterung der innerstädtischen Fußgängerzone sowie zusätzliche Maßnahmen der Verkehrsberuhigung diskutiert. Denn auf der anderen Seite soll im städtischen Raum auch nicht zu viel „Grün“ verschwinden. Wohnanlagen mit Spielplätzen, Grünflächen und Parks machen ebenso einen Teil der Lebensqualität aus und müssen bereits bei der Planung neuer Projekte mitgeplant werden. Am Immobilienmarkt spielt zudem der gesellschaftliche Wandel eine Rolle: Single-Haushalte sind so gefragt wie nie zuvor.

Ausbau notwendig. Eine weitere Problematik, mit der auch die steirische Landeshauptstadt zu kämpfen hat: Der öffentliche Verkehr wird nicht nur von der stadt­eigenen Bevölkerung genutzt, sondern auch von Bewohnern der umliegenden Gemeinden. So bewegen sich in den meisten österreichischen Landeshauptstädten untertags doppelt so viele Menschen, als dort wohnen. Um die steigenden Pendlerzahlen bewältigen zu können, braucht es laut Experten einen verstärkten Umstieg vom privaten Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel sowie einen massiven Ausbau des ÖPNV in den Städten und Stadtregionen. Auch Straßen und Anbindungen müssen verstärkt ausgebaut werden, um Staubildungen zu vermeiden. Schon jetzt haben so gut wie alle Landeshauptstädte zu Stoßzeiten ein Stauproblem; der steigende Zuzug wird dies noch weiter verschlimmern.

Immobilienmarkt stabil. Durch die Urbanisierung steigt natürlich auch die Nachfrage nach geeignetem Wohnraum. Der aktuelle Immobilienpreisspiegel gibt Auskunft über die Situation in der Steiermark. Fachgruppenobmann Gerald Gollenz erklärt: „Während es im Wohnbau zu marginalen Preiserhöhungen gekommen ist, sind im Gewerbe mit einigen Ausnahmen die Preise stabil geblieben bzw. sogar etwas gefallen. Sowohl bei den Eigentumswohnungen Erstbezug als auch bei gebrauchten Wohnungen gibt es eine Steigerung quer durch das gesamte Bundesland, wobei natürlich die Preise in Graz und Graz Umgebung am höchsten sind, am billigsten wohnt man auch weiterhin in den Bezirken Murau und Murtal. Bei den Preisen für Einfamilien- und Reihenhäusern sehen wir moderate Anstiege ebenso wie leichte Rückgänge, dies in den Bezirken GU, Weiz und Südoststeiermark. Beide Kategorien steigen aber sehr moderat“, so Gollenz. Bei den Mietwohnungen kann der Experte hingegen keine großen Sprünge erkennen. „Die Höhe der Mieten befindet sich steiermarkweit auf einem guten und auch leistbaren Niveau.“ Speziell in Graz und Umgebung werden neue Projekte den Markt jedoch auch weiterhin beeinflussen. Wie sich die Corona-Krise auswirkt, muss man allerdings noch weiter abwarten.

Autor: Elisabeth Stolzer , 02.07.2020