Absurde Tricks! Was Aberglaube mit uns macht

Cameron Diaz tut es. Nicolas Cage tut es. Millionen Menschen weltweit tun es - sie alle klopfen dreimal auf Holz, um zu verhindern, dass eine positive Aussage sich ins Gegenteil verkehrt. Jeder zweite Österreicher liest zudem täglich sein Horoskop, kaum einer, der beim Vorüberziehen einer Sternschnuppe nicht schnell einen stillen Wunsch gen Himmel schickt. Aberglaube regiert die Welt eher, als Religion das tut. Auch und gerade in der Glitzerwelt der Stars. Lady Gaga zum Beispiel trägt ihre großen Hüte in erster Linie, um den Teufel fernzuhalten; dass sie damit auch für Aufsehen sorgt, ist ein willkommener Zusatznutzen. Oder Michael Schumacher: Der geht lieber mit einer ungeraden als mit einer geraden Startnummer ins Rennen. Und Bayern-Stürmer Mario Gomez benützt angeblich auf öffentlichen Toiletten immer nur das äußerste linke Pissoir. Kein Zweifel: Wir leben in einer ausgesprochen abergläubischen Welt.

Ursprung

Dass sich Aberglaube selbst in Zeiten wissenschaftlicher Grenzenlosigkeit hartnäckig hält, mutet nur auf den ersten Blick seltsam an. Ulrich Berger, hauptberuflich Wirtschaftswissenschaftler an der WU Wien, beschäftigt sich als Präsident der Gesellschaft für kritisches Denken (GkD) intensiv mit dem Thema Aberglaube. Die Veranlagung dazu, meint er, stecke in unseren Genen. Berger: "Unser Gehirn ist ständig auf der Suche nach Mustern und Zusammenhängen. Wo keine sind, werden sie konstruiert." So wird etwa nach einer gelungenen Prüfung der Pullover, den man zufällig anhatte, plötzlich zum Glücksbringer und infolge bei jeder Prüfung getragen. Julia Offe, Spezialistin für Parawissenschaften, erklärt das Phänomen so: "Auch wenn Rituale nicht immer helfen - das Gehirn sorgt durch selektive Wahrnehmung dafür, dass man sich nur an die wirksamen Momente erinnert."

Alte Symbole

Dieser als Selbstschutz sehr sinnvolle Mechanismus der menschlichen Psyche führt aber auch zu absurden Annahmen des kollektiven Gedächtnisses - dem Aberglauben laut Wikipedia ein Begriff, der "abwertend auf Glaubensformen und religiöse Praktiken angewandt wird, die nicht den eigenen, meist orthodoxen Lehrmeinungen, entsprechen". Sieben Jahre Pech soll zum Beispiel der haben, der einen Spiegel zerbricht. Das lässt sich darauf zurückführen, dass Spiegeln früher enorme Zauberkräfte zugeschrieben wurden (und sie darüber hinaus materiell wertvolle Gegenstände waren). In manchen Gegenden war es üblich, den Spiegel bei einem Todesfall zu verhängen. Ansonsten würde es, so der Aberglaube, bald eine zweite Leiche geben.

Schwarze Unglücksboten

Besonders viele abergläubische Vorstellungen ranken sich auch um schwarze Katzen: Wem eine solche in der Früh über den Weg läuft, sagt man, werde bald Unglück haben. Unglück droht laut Handbuch des deutschen Aberglaubens aber auch, wenn man eine zugelaufene schwarze Katze wegjagt. Dieser Aberglaube gründet sich darauf, dass Katzen früher mit Hexen und dem Teufel assoziiert wurden. Was übrigens nicht nur ihren Augen verschuldet ist, die im Finstern bedrohlich leuchten, sondern auch ihrer Fähigkeit, sich geräuschlos anpirschen zu können. Auch beliebt: Dreimal auf Holz klopfen, damit eine positive Aussage sich nicht ins Negative verkehrt. Möglich ist, dass sich dieser Aberglaube aus einem alten Seefahrerbrauch herleitet: Einst hatte jeder Matrose das Recht, vor dem Anheuern am Mastfuß auf das Holz zu klopfen, um sich ein Bild über den Zustand des Schiffs zu machen. Eine andere Erklärung: Durch das Klopfen auf Holz wollte man früher böse Geister fernhalten, die einem das Glück neiden.

Magisches Kleeblatt

Apropos Glück: Der Glücksbringer schlechthin ist in Mittel- und Südeuropa und den USA schon seit dem 17. Jahrhundert das vierblättrige Kleeblatt. Glück bringt es jedoch nur dann, wenn man es zufällig findet und weiterschenkt. Ein Mädchen, das sich ein vierblättriges Kleeblatt unter den Kopfpolster legt, sieht angeblich im Traum ihren künftigen Geliebten.

Angsthasen

Besonders anfällig für abergläubische Rituale sind oft Menschen, die entweder im Rampenlicht stehen oder sportliche Höchstleistungen bringen müssen. So ist es am Theater wichtig, dass man einander vor dem Auftritt "toi,toi,toi" wünscht (unbedingt dreimal), aber sich nicht dafür bedanken darf. Andreas Hergovich, Professor für Angewandte Psychologie an der Uni Wien hat eine Erklärung dafür, warum besonders Sportler als abergläubisch gelten: "Sportler müssen in ganz kurzer Zeit Bestleistungen erbringen; jede kleine Abweichung, jedes unvorhergesehene Ereignis kann da den Erfolg gefährden." Formel-1-Star David Coulthard soll angeblich bei jedem Rennen immer dieselbe "Glücksunterhose" getragen haben und Fußballprofi David Beckham wertet eine ungerade Zahl an Cola-Dosen im Kühlschrank als schlechtes Omen.

Glücksgeschäfte

Naheliegend, dass der Hang zum Aberglauben auch der Wirtschaft nicht verborgen blieb. Die Geschäftstüchtigkeit von Liebeszauberern, Handlesern und Kartenlegern wird abergläubischen Menschen spätestens dann bewusst, wenn sie die Telefonrechnung eines Mehrwertnummern-Anbieters in der Hand halten. Das Geschäft mit dem Aberglauben boomt aber auch sonst: So bringt alleine der Glücksbringerverkauf zu Silvester dem Handel in Österreich jährlich einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro; jeder Zweite verschenkt kleine Kleeblätter, Fliegenpilze, Rauchfangkehrer usw. Im Gegensatz zu früher, als die meisten abergläubischen Praktiken darauf abzielten, böse Geister, Unheil oder den Teufel fernzuhalten, dienen sie heute meist nur mehr dazu, Gutes - wie etwa Liebe oder Reichtum -herbeizuführen. Julia Offe: "Die Unsicherheit im Leben der Menschen hat zugenommen. Bei der Zukunftsplanung müssen heute vielmehr Variablen in Kauf genommen werden als noch vor 50 Jahren. Deswegen entsteht bei vielen der Wunsch nach Beeinflussung der Zukunft." Es liegt dabei in der Natur des Menschen, Dinge kontrollieren zu wollen, die nicht beeinflussbar sind, vermutet Offe. Ein Glücksbringer, so umstritten dessen positive Wirkung auch sein mag, vermittelt zumindest ein Gefühl der Sicherheit. Wenn´s schon nichts bringt, kann es doch auf keinen Fall schaden.

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Autor: Laura Engelmann, 28.04.2017