Brücken bauen zwischen den Generationen

Drei Generationen unter einem Dach - was vor zwei Jahrzehnten noch völlig normal war, ist heutzutage kaum in den Kärntner Haushalten zu finden. Der Begriff „Generationenkonflikt“ fällt hier sehr schnell, ist aber kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Konflikte zwischen Eltern, Kindern und Enkelkindern hat es immer schon gegeben. Ursula Luschnig von der Lebensberatung der Caritas Kärnten: „Man hat immer ein idyllisches Bild vor Augen, wenn man an ,früher‘ denkt. Doch so idyllisch war es eigentlich gar nicht. Denn Zwist zwischen den Älteren und den Jüngeren hat es immer schon gegeben. Früher war man oft aus finanziellen Gründen auf den gemeinsamen Haushalt angewiesen und ist Streitigkeiten aus dem Weg gegangen. Heute sind die Jungen finanziell eigenständig – und das erlaubt natürlich mehr Kritik.“

Annäherung

Bemühungen, das Verständnis zwischen den Generationen herzustellen, gibt es viele. Sei es von oöffentlicher Hand mittels Initiativen wie „Wohnen für Hilfe“ (siehe unten) oder dank privater Betreiber wie Otto Scheiflinger, der mit seinem Generationenpark im Klagenfurter Stadtteil Welzenegg eine Brücke zwischen den Generationen baut. Dort haben ein Pflegezentrum, eine Seniorentagesstätte und ein Kindergarten Platz unter einem Dach gefunden. Gemeinsam wird gekocht, getanzt, gemalt, gespielt. Scheiflinger: „Alle profitieren davon. Die Bewohner können ihre Koch- und Backkünste aus dem Erinnerungsschatz hervorholen und gemeinsam mit den Kindern Spezialitäten herstellen. Außerdem können sie das Großeltern-Sein ausleben.“ Als Tradition etabliert hat sich die Guten Morgen-Runde der Kindergartenkinder durchs Haus inklusive Guten Morgen-Ständchen für die Senioren.

Stimmig

Regelmäßige Ausflüge in die anderen Seniorenstätten in Waidmannsdorf und St. Martin gehören dazu. Ein Generationenchor aus Bewohnern, Mitarbeitern, Kindern und Angeörigen umrahmt hauseigene Veranstaltungen und hat auch schon eine CD herausgebracht. Generationenübergreifende Projekte wie dieses Vorzeigebeispiel liegen Scheiflinger sehr am Herzen, sind aber nicht überall erwünscht.

Verkauft

Auch mit dem ehemaligen KTZ-Haus am Viktringer Ring hatte Scheiflinger große Pläne, die jedoch nicht mehr umgesetzt werden. Inzwischen wurde das Gebäude verkauft. Sein Herzensprojekt wird nun wohl in einem anderen Bundesland realisiert ...

Im Gespräch

Wie äußern sich Generationenkonflikte?
Innerhalb der Familie äußern sich Generationenkonflikte meist, wenn die Kinder in die Pubertät kommen, sie wollen sich abgrenzen, glauben, nicht verstanden zu werden. Oft stören auch „Aufträge“ und Wertvorstellungen der Eltern an ihre Kinder, die nicht erfüllt werden und im Weg stehen. Der klassische Fall: wenn Eltern und Kinder eine gemeinsame Landwirtschaft oder Firma führen und die Kinder neue, moderne Wege gehen wollen. Die Älteren haben dann das Gefühl, dass ihre bisherige Arbeit nicht wertgeschätzt wird.

Was raten Sie Menschen, die Konflikte mit ihren Eltern oder Kindern haben?
Sich Hilfe zu suchen. Der Blick von außen kann ihnen oft die Augen öffnen. Aber das geht nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, sich an einen Tisch zu setzen.

Aber wieso hat es vor Jahrzehnten funktioniert und wieso funktioniert es jetzt nicht mehr?

Funktioniert hat es wirklich sehr selten. Früher hat man aufgrund der finanziellen Abhängigkeit mehr „ausgehalten“. Heute ist das nicht mehr notwendig. Heute kann man sich Kritik an den Eltern einfach leisten, weil man eigenständig ist. Außerdem gibt es ja diese Großfamilien wie früher heutzutage gar nicht mehr.

Wohnen für Hilfe

Eine neue Form des generationenübergreifenden Wohnens ist mit dem Studienjahr 2016/2017 gestartet. Studierende bezahlen ihren Wohnraum im Haus oder in der Wohnung eines älteren Menschen nicht "cash", sondern mit Hilfeleistungen wie Schneeschaufeln, Gartenarbeit, Einkäufe erledigen, Unterstützung im Haushalt, Spaziergänge oder Einschulung in die digitale Welt. Weitere Infos gibt es unter www.genial.ktn.gv.at

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 17.02.2017