Raus aus der Gewaltspirale

Jede fünfte Kärntnerin ist von Gewalt betroffen. Die zwei absolut unsichersten Orte für Mädchen und Frauen sind die eigene Familie und die Partnerschaft. Der Bezirk Hermagor sticht in dieser traurigen Statistik besonders hervor. Kärntens Frauenbeauftragte Martina Gabriel kennt die Hintergründe: „Gewalt gegen Frauen und Mädchen - ob in körperlicher, sexueller, psychischer oder ökonomischer Form - ist prinzipiell auf patriarchalische Strukturen zurückzuführen.“ Selbst in Mitten unserer modernen, aufgeklärten und fortschrittlichen Gesellschaft müssen zahlreiche Frauen unfassbares Leid, meist still, ertragen. Von ständigen Kränkungen, Minderung des Selbstwertgefühls über finanzielle Abhängigkeiten bis hin zu Vergewaltigung, Handgreiflichkeiten und sogar Mord. Allein in Österreich wurden heuer 18 Frauenleben von Männern ausgelöscht. „Die Zahlen bestätigen, dass wir Institutionen brauchen, die aufklären und helfen. Auch wenn die Zahlen ein schlechtes Bild von der Gesellschaft machen: Sie sagen die Wahrheit, die wir nicht verleugnen dürfen“, appelliert Gabriel.

#metoo

Etwas lauter geworden ist es seit dem Start der #metoo-Bewegung vor rund zwei Jahren. Weltweit folgten Millionen Frauen dem Aufruf und erzählten von sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz, Belästigung, Gewalt und Diskriminierung. „Aufgrund dessen kamen auch 70-jährige Frauen in die Frauenberatung Belladonna und haben erstmalig erzählt, was sie im Leben durchmachen mussten. Für die Betroffenen ist es irrsinnig befreiend, wenn sie sich den Schmerz von der Seele reden können, auch wenn juristisch nichts mehr getan werden kann“, so Gabriel.

Aktionen

Das Frauenreferat, die Frauenberatungen, die Klagenfurter Frauenplattform, die Frauenhäuser und andere Organisationen wollen für dieses Tabu-Thema sensibilisieren, Angehörigen und Freunden die Augen öffnen und Betroffenen so früh wie möglich helfen, der Gewaltspirale zu entkommen. Die Initiative „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ ist nur eine der vielen Aktionen. Je drei Filmabende finden im Volkskino Klagenfurt und im Filmstudio Villach statt. „Das Frauenreferat bringt das Thema auf die Leinwand. Gleichzeitig sind verschiedene Organisationen wie die Frauenberatungsstelle Belladonna oder die Caritas Männerberatung vor Ort, um ihre Arbeit vorzustellen.“ Weiters soll mit kostenlosen Kursen das Selbstvertrauen der Frauen gestärkt werden.

Gute Ausbildung

Das wichtigste Fundament für Frauen ist eine gute Ausbildung, die sie finanziell unabhängig macht. Gabriel: „Nach wie vor entscheiden sich viele Mädchen für die schlecht bezahlten Berufe Frisörin, Sekretärin oder Verkäuferin. Und wenn Frisörin der Traumberuf ist, dann sollte das Ziel die Selbständigkeit, also ein eigener Salon, sein.“

Kinder

Wie sehr Gewalt unser Leben von Kindesbeinen an bestimmt, zeigen auch die Zahlen, die Sozialreferentin Beate Prettner präsentiert: „Mitten unter uns wird Gewalt ausgeübt - oft unterschwellig, verbal, dann zuschlagend, misshandelnd. Bis zu 25 Prozent der sechs- bis 14-jährigen Kinder leiden unter einem gewaltbelasteten Erziehungsstil. In Kärnten wären das rund 22.800 Kinder." Das Gewaltverbot in der Erziehung ist seit 30 Jahren gesetzlich festgeschrieben - darüber wissen aber laut einer Umfrage mehr als die Hälfte der Kärntner nicht Bescheid. Eine Werbeoffensive mit prominenten Unterstützern soll das Bewusstsein dafür schärfen.

Hilfe

Im Gewaltschutzzentrum Kärnten wurden in den vergangenen 20 Jahren 13.390 Gewaltopfer beraten. Auf www.frauen.ktn.gv.at finden Sie detaillierte Infos zu den Angeboten, Kursen, Workshops und Vorträgen des Frauenreferats sowie weiterführende Links zu anderen Beratungsstellen und Frauenhäusern.

Tags

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 28.11.2019