Formel 1: Comeback der Superlative in Österreich

Volle Campingplätze mit fanatischen Holländern, ausgebuchte Hotels und nahezu restlos ausverkaufte Tribünen waren in den letzten Jahren am Red Bull Ring ein gewohntes Bild. Das alles wird es in diesem Jahr in der Obersteiermark zwar nicht geben, aber der Start der Königsklasse sorgt nach dem Stillstand in der Corona-­Krise für einen Impuls für Wirtschaft, Tourismus und Sport. Da die Bilder aus Spielberg in der ganzen Welt zu sehen sein werden, sind auch Rekordquoten und gigantische Werbewerte garantiert. Schließlich werden die Bilder der Rennen in knapp 200 Ländern zu sehen sein und Schätzungen zufolge weit über 100 Millionen Menschen erreichen. Im Vorfeld wurden aber auch Stimmen laut, die der Veranstaltung skeptisch gegenüberstehen. Allen voran Karl Arbesser, der den Rennbetrieb wegen der Lärmbelastung schon seit Jahren kritisch sieht: „Meine Bedenken sind nach wie vor aufrecht. Es muss nur das Allergeringste passieren, damit es hier einen Ausbruch gibt. Man kann ja das Präventionskonzept nicht einsehen. Die Frage, die sich mir stellt, ist, warum das Konzept nicht veröffentlicht wird.“

Unglaubliche Zahlen

Seit der Übernahme durch Liberty Media 2017 verzeichnet die Formel 1 wieder Zugewinne bei den Fernsehzuschauern. Im vergangenen Jahr durfte man sich weltweit über knapp zwei Milliarden Menschen vor den Bildschirmen freuen. Nahezu alle Rennen konnten einen Quotenzuwachs melden. Die beliebtesten Grand Prix mit über 100 Millionen TV-Zuschauern gingen in Deutschland, Italien, Monaco und Brasilien über die Bühne. Zusätzlich sorgt ein verbesserter Social-Media-Auftritt für Reichweite: Plattformübergreifend hat die Formel 1 rund 25 Millionen Follower rund um den Globus.

Rechtepoker

Im ORF, wo das beliebte Kommentatorenduo Ernst Hausleitner und Alexander Wurz durch die Übertragungen führt, verfolgten 2019 im Schnitt 534.000 Zuschauer die Rennen. Die Zukunft ist allerdings noch ungewiss, läuft der Vertrag doch mit Saisonende aus. Bei den Verhandlungen könnte der ORF nämlich zahlungskräftige Konkurrenz bekommen: Unbestätigten Gerüchten zufolge soll der Mateschitz-Sender ServusTV Interesse zeigen. In Deutschland hingegen geht eine Ära zu Ende: RTL stellt nach 30 Jahren die Berichterstattung ein, der Privatsender konnte und wollte mit dem Sky-Angebot nicht mithalten. „Der Wettbewerb um die TV-Rechte hat sich verändert, den Markt teils überhitzt und damit den durchaus ambitionierten, wirtschaftlich dennoch vertretbaren Rahmen verlassen, den wir uns gesteckt haben“, erklärte RTL-Geschäftsführer Jörg Graf in einer Presseaussendung. Das Angebot des Pay-TV-Senders soll doppelt so hoch gewesen sein – dürfte also im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Sicherheit geht vor

Damit die Boliden in der Steiermark ihre Runden drehen können, musste von den Veranstaltern ein umfangreiches Präventionskonzept eingereicht werden. Wie wichtig so ein Konzept ist, hat die „Adria-­Tour“ von Tennisstar Novak Djokovic schmerzlich unter Beweis gestellt. Nach der Turnierserie, bei der nicht auf Zuschauer und Clubbesuche verzichtet wurde, lieferten Grigor Dimitrow, Borna Coric, Viktor Troicki und Djokovic selbst positive Corona-Tests ab. Solche Hiobsbotschaften sollen im Formel-1-Zirkus um jeden Preis verhindert werden. Bis zu 12.000 Corona-Tests sollen rund um die beiden Rennen durchgeführt werden.

„Der ,Adria Cup‘ hat 
bewiesen, wie wichtig ein detailliertes Präventionskonzept ist, um einen Ausbruch zu verhindern bzw. im Keim zu ersticken.“ Rudolf Anschober, Bundesminister für
 Gesundheit

#WeRaceAsOne

Auch die Formel 1 kann sich der aktuellen Rassismusdebatte nicht entziehen und hat für die Rennen in Österreich meh­rere Aktionen geplant, um die Unterstützung für die weltweiten Anti-Rassismus-­Proteste zum Ausdruck zu bringen. Außerdem soll eine Taskforce eingesetzt werden, die sich damit beschäftigen soll, wie die Diversität gefördert und mehr Chancen für soziale Minderheiten geschaffen werden könnten.

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Autor: Patrick Deutsch , 06.07.2020