Food Festivals - In aller Munde

Es grillt und brutzelt an jeder Ecke: Was in London, New York oder Berlin längst zum Alltag gehört, hält nun auch bei uns Einzug: Food Festivals. Regelmäßig sorgen neue Veranstaltungen auf Facebook für Furore. Anfang Mai war das „1. Cevapcici Festival“ im Grazer Augarten Gesprächsthema Nummer 1, mehr als 1.200 Menschen wollten daran teilnehmen. Nur: Die Veranstaltung war frei erfunden, die Enttäuschung bei den Besuchern riesig. Was macht uns eigentlich so verrückt nach dem Essen?

Gaumenfreuden. Im aktuellen Foodreport des Zukunftsinstituts kommt man dem Phänomen auf die Spur: „Die Konsumenten wollen Lebensmittel nicht mehr nur verbrauchen, sondern erleben“, heißt es dort. Der Geschmack spielt zwar weiterhin eine große Rolle, Produzenten und Herstellung rücken aber zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit. Diesem Bedürfnis kommen Food Festivals nach: Als Gast kann man hier direkt mit dem Koch in Verbindung treten und ihm ganz genau auf die Finger schauen. Dazu kommt die gemeinschaftliche Komponente: „In einer Welt, die immer stärker individualisiert ist, sehnt man sich wieder mehr nach dem Gemeinschaftserleben. Food Festivals bieten dazu die ideale Gelegenheit“, erklärt Wolfgang Reiter, Co-Autor des Foodreports.

Ausflugsziel. Besonders stark ist der Hype in Wien: Neben Pizza und Burger findet hier erstmals ein Kebab-Festival statt. Den Veranstaltern geht es zum einen darum, neue Varianten des beliebten Fast Foods vorzustellen, zum anderen sind die Events aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In den letzten Jahren hat sich daher ein regelrechter „Food-Tourismus“ entwickelt. Davon profitiert auch die Steiermark: In Graz widmet man gleich eine ganze Woche der Kulinarik. Beim Food Festival (12.-18. August) steht weniger das „Fast Food“, sondern vielmehr der exklusive Genuss im Vordergrund. Neben ausgewählten Dinner mit Spitzenköchen, kulinarischen Rundgängen und Workshops wird einiges geboten. Höhepunkt ist wieder die „Lange Tafel des Genusses“: 700 Gäste speisen hier mitten in der Grazer Innenstadt. Die Karten dafür sind bereits seit Monaten ausverkauft. Und auch bei den anderen Veranstaltungen heißt es schnell sein: Die Nachfrage nach den Genussmomenten ist riesig.

Total lokal. Aber auch in den steirischen Regionen gibt es viel zu genießen: Vom Mulbratlfest in Weiz (26. August), bis hin zum Schokoladefest in Leoben (30. September) oder dem Saiblingsfest in Bad Aussee (traditionell Ende Juni) steht hier vor allem der Kontakt mit den lokalen Produzenten im Vordergrund. Dabei darf natürlich auch der steirische Wein nicht fehlen: „Wein ermöglicht es, die lokale Kultur zu erleben. Dazu braucht es gesamtheitliche Angebote, die die Bandbreite von der Lese bis zum Verkosten abdecken“, heißt es dazu vonseiten des Steiermark Tourismus. Man darf also gespannt sein, welche kulinarischen Veranstaltungen sich in Zukunft noch daraus entwickeln werden.

Interview mit Trendforscher Dr. Wolfgang Reiter

Was sind denn die Food Trends 2017?
Wolfgang Reiter: Trends sind nicht saisonal, sondern meist längerfristige Entwicklungen. Der Trend zu regionalem Essen hält etwa schon seit einigen Jahren an. Auch Produkte, die uns das Kochen erleichtern, nehmen zu. Denken Sie an die vorgeschnittenen Salate im Supermarkt. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken.
Wer bestimmt eigentlich, welche Trends auf den Markt kommen?
Wolfgang Reiter: Die Lebensmittelproduzenten beobachten allgemeine Entwicklungen und orientieren sich daran bei der Produktentwicklung. Zum Beispiel am Levante-Trend. Das sind Gerichte aus Syrien, dem Libanon oder Israel. Das Essen dort ist entspannter, weniger formell. Das gefällt den Leuten und die Produzenten greifen das dann auf.
Burger, Pizza, Pommes: Warum gibt es so viel Fast Food bei den Festivals?
Wolfgang Reiter: Man muss unterscheiden: Die Produkte auf den Festivals werden per Hand zubereitet, sind meist qualitätsvoll und regional. Das ist nicht mehr Fast Food, das ist "Fast Good".

Author: Elisabeth Stolzer , 24.07.2017