Die Grande Nation wird zur Festung

In Zusammenarbeit mit dem von Anschlägen ­gezeichneten Frankreich stellt die UEFA bei der diesjährigen Europameisterschaft alles dem Thema „Sicherheit gegen den Terror“ unter. Dafür wird tief in die Tasche ­gegriffen. Laut Thomas Giordano, Medienvertreter der UEFA, sollen alleine für das Sicherheitsbudget 38 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Das ist bei geschätzten Investitionskosten von 130 Millionen Euro ein beacht­licher Anteil. Die Verantwortlichen dürften die Anschläge vom 13. November letzten Jahres, die auch das Ländermatch zwischen Frankreich und Deutschland zum Ziel hatten, noch vor Augen haben und wollen alles dafür tun, dass die EM als buntes und vor allem gewaltloses Fußballfest abläuft. EM-Chef Jacques Lambert versicherte im Vorfeld: „Wir nehmen das Thema sehr ernst.“

Sicherheit in privater Hand

Gegenüber der letzten Europameisterschaft 2012, welche damals in Polen und der Ukraine stattfand, gibt es dieses Jahr ein Plus von 30 Prozent an Sicherheitspersonal. Das bedeutet: Alleine von der UEFA werden rund 10.000 private Sicherheitsleute die 2,5 Millionen Zuschauer in den zehn übers ganze Land verteilten Spielorten betreuen. Drei Jahre wurde von den Verantwortlichen am Sicherheitskonzept gearbeitet. Die Arbeitsaufteilung zwischen Veranstalter und Land ist klar: Alles, was innerhalb der Sta­dien abläuft, unterliegt der UEFA, alle Sicherheitseinrichtungen außerhalb der Arenen den französischen Behörden.

Wer darf was?

Doch zu was genau sind diese UEFA-Securitys befähigt, und was sind ihre Aufgaben? Das extra ausgebildete Sicherheitspersonal innerhalb der Austragungs­orte ist für den reibungslosen Ablauf und die Sicherheit zuständig. Dazu gehört unter anderem eine Leibesvisitation, das Kontrollieren der Eintrittskarten, das Entfernen von Objekten, aber auch das Verweisen aus dem Stadion bei Fehlverhalten, um nur ­einige Kompetenzen zu nennen. Ablauf. Geht es nach Herrn Giordano, wird es, wie bei den von der UEFA organisierten Events üblich, zwei Sicherheitschecks geben. Zeitliche Verzögerungen beim Betreten des Stadions erwartet man aufgrund des zusätzlichen Personals zwar nicht, doch empfiehlt er den Fußballfans, rechtzeitig in die Arenen zu kommen. Um dies attrak­tiver zu machen, wird vor den Spielen ein hochwertiges Rahmenprogramm geboten. Die Möglichkeit, auf riesigen Bildschirmen bei früher stattfindenden Matches mitfiebern zu können, scheint dabei besonders verlockend.

Alltag

Während der Vorbereitung stehen fast täglich Übungen von Feuerwehr, Polizei und Rettung am Tagesplan. Nur so ist die von Präsident François Hollande zugesagte „maximale Sicherheit“ gegeben. Und während der EM werden neben den Stadien auch die Unterkünfte der 24 Nationalmannschaften und die Hotels der offiziellen Vertreter im Fokus von Gendarmerie, Militär und Polizei stehen. Die zahlreichen europäischen Fußballfreunde innerhalb der Fan-Zonen und Bars der Grande Nation werden sich an die Präsenz von schwer bewaffneten Patrouillen gewöhnen müssen. Ein Straßenbild, das mittlerweile schon zum Alltag in den Großstädten Frankreichs gehört.

Party

Als Tourist kann dies durchaus beängstigend sein. Daran sollte man sich besser nicht stören und die Franzosen als Vorbild nehmen. Sie haben mit dem Gefühl der Bedrohung leben gelernt. Das traditionelle Gläschen Rotwein lässt sich sowieso niemand mies machen und schon gar nicht verbieten. Im Gegenteil: Demonstrative Lebenslust wird zur Schau gestellt. So wurde eine Pariser Fan-Zone für 90.000 Menschen direkt beim Eiffelturm geplant. Bürgermeisterin Anne Hidalgo spricht von einer „Party von riesigem Ausmaß“. Gleichzeitig ist ihr Vertrauen in die Sicherheitseinrichtungen groß. Kontrollen werden zwar als ärgerlich, doch als notwendiges Übel hingenommen. Auch Benjamin Franklin wusste schon: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!“

Je suis

Es bleibt für Frankreich zu hoffen, dass diese Europameisterschaft 2016 im Zeichen der Liebe steht und als Fest der freundschaftlichen Begegnungen in ausschließlich freudvoller Erinnerung bleibt.

Autor: Marcel Ertl, 23.05.2016