Ein Leben für die Imster Fasnacht

„Schau, da ist der Luis“, ruft ein junger Mann von der anderen Straßenseite herüber. Man kennt ihn eben in Imst, den Luis Schlierenzauer. Viele Jahre war er die gute Seele der Fasnacht und auch heute noch kommen die Leute zu ihm, wenn sie was brauchen. Seine ehrenamtliche Tätigkeit für diese traditionelle Veranstaltung, die nur alle vier Jahre über die Bühne geht, wird auch heute noch von allen geschätzt. Er habe viel bewegt in seiner aktiven Zeit, sagt der ehemalige Obmann der Imster Fasnacht, der schon als kleiner Bub dabei war: „Jeder, der die Tradition schätzt und lebt, für den ist die Fasnacht, die im Dezember 2012 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, das Größte was es gibt“, sagt Luis Schlierenzauer und erzählt von seinen facettenreichen Aufgaben: „Das hat im kleinen angefangen bis zu großen Erledigungen, um die ich mich gekümmert habe. Wenn es was zum Reparieren gegeben oder wenn einer der Mitglieder etwas benötigt hat, war ich stets zur Stelle, um zu helfen. Das war für mich selbstverständlich. So ist es auch vorgekommen, dass zwei Burschen zur Probe der „Buabenfasnacht“ mit Turnschuhen dahergekommen sind. Es sind aber ‚Hafelen“ oder grobe schwarze Schuhe vorgeschrieben. Auf meine Frage, warum sie die falschen Schuhe anhaben, sagten sie mir, dass dazu das Geld in der Familie fehle. Da habe ich gleich am nächsten Tag die richtigen Treter besorgt und die beiden waren überglücklich“, so Luis.

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Glücksbote

Eine große Freude hat er auch den behinderten Menschen bereitet, für die er extra ein Podium bauen ließ, damit sie beim Schemenlauf dabei sein konnten. Diese schöne Geste wird dank Luis Schlierenzauer bis heute beibehalten. Ebenso setzte er sich für einen älteren Klienten der Lebenshilfe Landeck ein, der ein „richtiger Fan“ der Fasnacht ist: „Ich habe ihm einen Brief geschrieben und Karten dazugelegt. Er ist dann gekommen, auf der Tribüne gestanden und hat sich gefreut wie ein kleines Kind. Wochen später hat er mir Zeichnungen von der Fasnacht geschickt“, erzählt Luis, der nicht nur Menschen glücklich gemacht, sondern auch praktische Änderungen eingeführt hat. So hat er sich dafür eingesetzt, dass geschlossene Kassen verwendet werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Apropos: Auch alle Verhandlungen mit Feuerwehr, Polizei und Gemeinde und den Masterplan für die unterschiedlichsten Wetterbedingungen nahm er auf seine Kappe: „Wenn es schneit, darf kein Split auf der Straße liegen, weil die Mitwirkenden ausrutschen könnten. Das habe ich immer genau kontrolliert,“ sagt Luis.

Preisgekrönt

Zudem hat er viel beigetragen, dass die acht großen Fasnachts-Veranstaltungen von Tirol und Südtirol bei verschiedenen Ausstellungen präsent waren und jeder eine Koje bekommen hat. Im Zuge seiner vielfältigen Aufgaben gab es jede Menge organisatorische Arbeiten zu erledigen. So managte Luis Schlierenzauer auch das ganze Drumherum, als die Imster Fasnacht mit dem Tiroler Museumspreis ausgezeichnet wurde: „Wir haben auch ein kleines Museum, genannt das Haus der Fasnacht, das ich geleitet habe und das von allen, sogar von den Imstern selber, belächelt wurde. Ich habe damals gesagt, wir gewinnen den Preis und so war es dann auch“, sagt Luis schmunzelnd. Ernst wurde es, wenn eine wahre Flut von Aufgaben zu erledigen waren: “Beim Schemenlauf gehen tausend Männer mit. Da musste ich schauen, dass alle Mitwirkenden zu Mittag und am Abend ein Essen und am Nachmittag eine Jause bekommen haben. Das war ganz schön viel Arbeit, so viele Leute in den umliegenden Gasthäusern unterzubringen“, so Luis Schlierenzauer, der 2012 für gleich drei Filmteams, die live gesendet haben, organisatorisch den Dreh heraushatte. Dass er auch mal selbst in Szene gesetzt wurde, dafür sorgte der Honorarkonsul Kanay aus Sapporo, ein angesehener Gast der Fasnacht: „ Er hat mich nach Japan eingeladen und in Tokio habe ich einen Vortrag über die Fasnacht gehalten“, sagt Luis nicht ohne Stolz. Und das darf er auch sein. Schließlich hat er neben seinen ganzen ehrenamtlichen Aufgaben auch noch das Sponsoring, das Einholen von Offerten und die Verhandlungen mit einem Verlag für ein Buch über die Fasnacht übernommen, bei dem 13 Autoren, er ist einer davon, mitgewirkt haben. Zweieinhalb Jahre war er tagtäglich damit beschäftigt. Nun im Ruhestand ist zwar seine Arbeit weniger geworden, aber sein Bekanntheitsgrad rund um den Schemenlauf ist ungebrochen: Ob bei den „Rollern, Schellern, Bären oder bei der Hex’nmusig“ – seine Erfahrung und Hilfsbereitschaft ist immer noch von unschätzbaren Wert für die Imster Fasnacht.

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Autor: Conny Pipal , 19.04.2018