Suche nach Aliens: 13 brisante Fragen & Antworten

1. Mit der Gründung des SETI Instituts (Search for Extraterrestrial Intelligence) wurde die Suche nach Außerirdischen 1984 auf ein neues Level gehoben. Ist man heute, 35 Jahre später, eher mehr oder eher weniger von der Existenz Außerirdischer überzeugt?

Der anfängliche Optimismus ist sicherlich abgeflacht, aber neue Technologien ermöglichen effizientere Untersuchungen. Die Hoffnung bleibt also. Allgemein hat sich mittlerweile die Forschung auf die Suche nach sogenannten Exoplaneten, also Planeten, welche Voraussetzungen für Leben vorweisen, ausgeweitet.

2. Was waren bisher die wichtigsten Meilensteine dieser Forschungsarbeit? Gab es Breakthroughs? Was waren Rückschläge?

Das SETI trägt zum Beispiel maßgeblich zur Untersuchung von Pulsaren bei. Das sind extrem dichte Neutronensterne, die, einfach gesagt, blinken. Man kann sich Pulsare wie Leuchttürme im Universum vorstellen, welche ein regelmäßiges Lichtsignal aussenden. Genau für derartige Signale sind die Instrumente am SETI ausgelegt. Rückschläge sind leider im Sponsoring zu verzeichnen. Immer öfter muss auf Crowdfunding zurückgegriffen werden.

3. Welches sind die wichtigsten Instrumente bei der Suche nach extraterrestrischem Leben?

Neue, immer höher auflösende Teleskope wie zum Beispiel das James Webb Telescope, das 2021 in All geschickt werden soll. Sie erlauben uns heute, die Atmosphären von Planeten in fernen Galaxien zu untersuchen. Dabei wird die Transitmethode angewandt: Man nimmt Spektren von jenem Licht auf, welches von einem Stern durch die Atmosphäre eines Planeten hindurch zu uns gelangt. Dies liefert viele Informationen über die Zusammensetzung der Atmosphäre Dabei wird unter Anderem nach erdähnlichen CO2 Komponenten gesucht.

4. Aber ist es eigentlich nicht sehr kurz gegriffen, erdähnliche Bedingungen für Leben im All vorauszusetzen? Sehr wahrscheinlich könnte irgendwo im Universum „Leben“ doch etwas ganz anders bedeuten als auf der Erde.

Das stimmt. Es gibt auch mehrere unterschiedliche Ansätze in der Astrobiologie dazu. So gibt es zum Beispiel die Theorie, dass einfache Lebensformen – ich rede hierbei von komplexen Molekülen wie in unserer DNA oder Bakterien – auch auf Stickstoff basieren können im Gegensatz zu den meisten Lebensformen auf der Erde, die kohlenstoffbasiert sind. Man nimmt also nicht unbedingt erdähnliche Bedingungen als Voraussetzung an, aber irgendwo muss man mit der Suche anfangen, da sind diese bekannten Bedingungen naheliegend.

5. Klingt natürlich erst einmal total absurd (und nach Aluhut), aber ich frage trotzdem: Könnte extraterrestrisches Leben bereits unter uns sein und wir bemerken es nicht, weil uns die Fähigkeiten oder die Vorstellungskraft fehlen, sie zu erkennen?

Naja, es ist schwierig etwas auszuschließen, das sich unserer Vorstellungskraft oder unseren Forschungsinstrumenten entzieht. Aber wie gesagt, ich gehe nicht davon aus. Vielmehr ist das ein sehr relevantes Problem für die Suche nach Spuren von einfachen Biomarkern oder DNA-Stücken in unserem Sonnensystem. Es ist wie nach einer Nadel im Heuhaufen zu suchen, ohne zu wissen wie die Nadel ausschaut oder aus was sie besteht.

6. Die Breakthrough Initiative: Listen will jetzt weltweit Wissenschaftler und auch Laien einbinden, um riesige Datensätze zweier Weltraumteleskope auszuwerten. Wird so das Tor für irrtümliche Interpretationen nicht sperrangelweit geöffnet?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Laien, besonders auch in der Astronomie, haben seit jeher dazu beigetragen den Wissenschaftlern unter die Arme zu greifen und aufzuzeigen, wo es sich lohnen könnte, genauer hinzuschauen. Es ist also ein Fingerzeig, welcher durchaus relevante Ergebnisse mit sich bringen kann. Laien und Amateurastronomen, haben nämlich den enormen Vorteil, unabhängig, schnell und flexibel, verschiedene Methoden oder Beobachtungen anzuwenden.

7. Finanziert wird die Initiative von einem russisch-israelischen Milliardär. Auch das SETI ist, wie Sie bereits sagten, von Sponsoren abhängig. Braucht die Suche nach extraterrestrischem Leben mehr Mäzene?

Ja. Die öffentliche Hand fördert tendenziell nur Forschung, bei der ein Durchbruch in naher Zukunft absehbar ist. Das lässt sich im Fall von SETI nur schwer vorhersagen.

8. Es gibt im Prinzip zwei Szenarien, was Aliens betrifft: Lasst sie uns aktiv suchen und mit ihnen in Kontakt treten– oder: bloß nicht, weil sie vermutlich eine Gefahr für die Menschheit darstellen. Welche Haltung überwiegt in der Forschung derzeit, und wie denken Sie darüber?

Aktiv wird momentan hauptsächlich nach sogenannten Biomarkern – Spuren von einfachen Lebensformen, wie etwa gewisse Moleküle – oder eben Exoplaneten gesucht, bzw. die Signale untersucht, die aus dem All zur Erde gelangen. Ich denke, falls wir auf irgendeine Art von intelligenten Lebensformen treffen sollten, zufällig oder gewollt, erübrigt sich die Frage sehr schnell, da wir uns nur sehr schwer „verstecken“ können.

9. Welche Versuche der Kontaktaufnahme werden aktuell durchgeführt?

Ein erster „shot in the dark“ wurde bereits 1977 mit den beiden Voyager Sonden unternommen, welche Informationen über unseren Standort und Lebensform über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus tragen sollen.

10. Was sagt Ihnen Ihr Gefühl, und wie ist der Stand der Forschung hierzu: Wurden wir bereits entdeckt?

Davon gehe ich nicht aus, dazu gibt es momentan keinerlei forschungsrelevante Hinweise. Es ist im großen und ganzen doch recht unwahrscheinlich, dass es in unserer nächsten Umgebung intelligentes Leben gibt, da für Leben wie wir es kennen, sehr viele Parameter in einem Sonnensystem zusammenpassen müssen.

11. Fallen von den Forschungen nach Leben im Universum auch ganz konkrete Erkenntnisse für unseren Planeten hier und heute ab?

Je mehr wir über die Entwicklung von anderen Lebensformen lernen, desto besser verstehen wir hoffentlich auch irgendwann, wie Menschen auf der Erde entstehen konnten. Jegliche Forschung im Universum kann dazu beitragen, unseren eigenen Heimatplaneten besser zu verstehen, was schlussendlich wichtig ist, um Thematiken wie den Klimawandel behandeln zu können. Manchmal muss man sehr weit wegschauen, um sein eigenes Zuhause aus einer neuen Perspektive besser kennenzulernen.

12. Haben Sie bestimmte Vorlieben bei der Darstellung von Aliens? Welche Vorstellung finden Sie besonders originell oder auch abwegig?

Ich persönlich bin ein großer Star Trek Fan. Besonders den diplomatischen Umgang mit fremden Lebensformen und Kulturen, der dort aufgezeigt wird, finde ich sehr spannend. Insofern erscheint mir zwar jegliche Darstellung von „grünen Marsmännchen“ abwegig, aber sich mit fremden Kulturen und andersartigen Leben auseinanderzusetzen kann, denk ich, nie schaden.

13. Welche Rolle spielt das Österreichische Weltraum Forum bei der Suche nach intelligenten Lebensformen im Universum?

Wir haben uns mit unserer Analogforschung und unseren Mars Missions Simulationen darauf spezialisiert zu testen, wie wir mit Hilfe von Satellitendaten, Robotik und AstronautInnen effizient Spuren von Leben auf fremden Planeten suchen können. Dieser Ablauf und die jeweiligen Aufgaben der verschiedenen Experimente werden dabei in einer sogenannten „Explorations Cascade“ abgebildet. Damit wollen wir sichergehen, dass wir keine Spuren von Leben übersehen. Mit unserer 13. Mission AMADEE-20 im Oktober in Israel sammeln wir weitere wichtige Erkenntnisse auf den Gebieten der astronautischen Raumfahrt und der Astrobiologie. Da sich unsere Analogforschung aber eben auf die Vorbereitung auf der Erde für zukünftige astronautische Missionen fokusiert, erwarten wir nicht auf fremde Lebensformen zu stoßen.

Autor: Andrea Schröder, 12.10.2020