Geldmaschine Abnehmen: Der Diät-Schmäh

Der Sommer bringt es mit sich, dass viele von uns kritisch auf ihre Figur blicken. "Ich glaub, die Badehose ist eingegangen" oder "Oh Gott, bitte lösch sofort dieses Foto!", sind typische Aussagen, die wir in den Mund nehmen, bevor wir den Entschluss fassen: Jetzt wird abgenommen, aber schnell!

Studienschummelei

Das weiß auch die Industrie, die im verzweifelten Diätfieber ein riesiges Marktpotenzial erkannt hat und dieses seit Jahren effektiv nutzt. Immer öfter wird dafür auch mit wissenschaftlichen Studien geworben. So liest man "Neue Studie: Richtig essen – schlank für immer!", "Große Diät-Studie: viel Fleisch als beste Abnehm-Methode" oder aber: "Schoko lässt Kilos purzeln". Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es auch! Zwei Journalisten, Peter Onneken und Diana Löbl, konstruierten vor Jahren eine Studie, die bewies: Schokolade hilft beim Abnehmen. Nach Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift ging diese Sensation um die Welt, bevor die Journalisten den Fake auflösten: Das Institut existierte gar nicht. Messungen wurden einfach so dargestellt, dass die behauptete Aussage bestätigt wurde. Investition: mikrige 100 Dollar!

Werbelügen

Aber auch auf Lebensmittel-Verpackungen im Supermarkt prangern oft dubiose Versprechen, obwohl die Health-Claims-Verordnung der EU strenge Regeln bei nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben vorsieht. Katrin Mittl vom Verein der Konsumenteninformation erklärt: "Anders als Arzneimittel müssen Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel kein behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen, ehe sie auf den Markt kommen. Der Hersteller oder Importeur ist für die Sicherheit seiner Produkte verantwortlich. Die Kontrolle erfolgt aber erst nach dem Markteintritt, und zwar nur stichprobenmäßig." So passiert es, dass z. B. der Joghurtdrink Activia jahrelang mit einem "flachen Bauch" werben konnte, bis der unseriöse Werbeslogan schlussendlich entfernt werden musste.

Zuckerarm, aber fettig

Und auch Angaben wie "zuckerarm" oder "fettarm" bieten allen Grund zur Vorsicht: "Unbedingt die Nährwerttabelle anschauen! Ein zuckerarmes Produkt kann jede Menge Fett enthalten oder umgekehrt", so Mittl. "Bei Light-Produkten wird gerne der Fettanteil reduziert, dafür aber der Zucker- oder Salzgehalt erhöht sowie Zusatzstoffe eingesetzt, damit es auch gut schmeckt."

Der Portionen-Trick

Ebenfalls ein beliebter Trick auf "Schlankmacher"- Produkten ist der Portionsschwindel: Kalorien- und Nährwertangaben werden häufig auf unrealistisch kleine Portionen "schlankgerechnet". Wie groß eine Portion ist, können die Hersteller nämlich selbst bestimmen. So wird auf einer handelsüblichen Mozzarella-Packung damit geworben, dass eine Portion lediglich 74 kcal hat. Das gilt allerdings nur, wenn man das Mozzarella-Stück viertelt: Fraglich, ob man davon tatsächlich auch satt wird?

Tipps für schlaue Verbraucher

Studien skeptisch betrachten: Tatsächlich sind Studien, mit denen Wissenschafter die Wirkung von Ernährung auf die Gesundheit bzw. das Gewicht beweisen wollen, nur unter sehr bestimmten Bedingungen aussagekräftig und relativ leicht zu manipulieren.

Floskeln erkennen: Lassen Sie sich von Behauptungen wie „klinisch getestet“ oder „wissenschaftlich erwiesen“ nicht in die Irre führen. Ersteres beinhaltet nicht einmal das Ergebnis: Wenn ein Abnehmprodukt klinisch getestet wurde und das Ergebnis nicht aufscheint, war es womöglich nicht sehr gut.

Sich informieren: Auf www.lebensmittel-check.at finden Sie die aktuellen Aufreger im Supermarkt.

Dubiose Abnehmpulver

Katrin Mittl vom Verein für Konsumenteninformation zeigt auf, woran man unseriöse Produkte erkennt:

  • unrealistische Versprechen bei der Gewichtsreduktion (4 kg und mehr pro Woche)
  • wiederholte Hinweise auf die Herkunft des Produktes aus exotischen Regionen, wie z. B. Regenwald, Himalaya
  • angebliche persönliche Erfahrungsberichte als Beleg für die Wirksamkeit, aber keine nachvollziehbaren Daten aus kontrollierten Studien
  • No-go: Die Expertin empfiehlt, auf keinen Fall Schlankheitsmittel aus dem Internet zu bestellen, da diese wegen mangelnder Kontrollen gesundheitsgefährdete Substanzen enthalten können
Autor: Tamara Hörmann, 18.07.2017