Der lange Weg zur Familie

Birgit ist 34. Den Wunsch, Mutter zu werden, hatte sie eigentlich schon immer. Doch irgendwie will es mit dem Nachwuchs nicht so recht funktionieren. Dabei hätten sie und ihr Mann eigentlich alles, was es für eine glückliche Familie braucht. Die Ausbildungen sind abgeschlossen, das Haus bietet ausreichend Platz und ein kleiner Garten lädt zum Spielen ein. Die Sehnsucht nach einer eigenen, kleinen Familie ist groß und so wird alles versucht, um schwanger zu werden. Zahlreiche Arzttermine später steht fest: Auf natürlichem Weg wird es mit dem Baby nichts mehr. Die Möglichkeiten sind ausgeschöpft und es bleiben nur noch drei Optionen: kinderlos bleiben, ein Pflegekind aufnehmen oder eines adoptieren.

Sensibles Thema. So wie Birgit geht es vielen Frauen in Österreich. Neben der psychischen Belastung, die ein unerfüllter Kinderwunsch mit sich bringt, wurden über die Jahre viel Zeit und Geld investiert. Wenn die Paare dann in der Adoptionsberatung von ­Jutta Eigner sitzen, haben sie meist schon einen langen Weg hinter sich. Oftmals leider zu lange. „Die Altersgrenze für Adoptionen beträgt 45 Jahre. Wenn man bedenkt, dass die Wartezeit aktuell zwischen sechs und sieben Jahren liegt, ist es für viele Frauen um die vierzig leider oft schon zu spät“, erklärt die Familienberaterin. Sie rät deshalb, sich frühzeitig mit dem Thema Adoption auseinanderzusetzen und diese Option stets im Auge zu behalten.

Lange Wartezeit. Warum dauert es aber überhaupt so lange, bis man ein Kind adoptieren kann? Der Grund lässt sich ganz einfach in den Zahlen finden. Im Jahr 2018 fanden in der Steiermark 20 Adoptionen statt. Rund die Hälfte davon entfiel auf Säuglinge aus anonymen Geburten. Adoptiert werden übrigens nur Babys, für Kleinkinder oder ältere Kinder sucht man in der Regel Pflegefamilien. Es gibt daher viel mehr potenzielle Adoptiveltern als Kinder. Wer sich für eine Adoption entscheidet, macht außerdem einen langen Bewerbungsprozess durch: Alle Kriterien werden genau überprüft, es gibt Gespräche mit dem ärztlichen Dienst und Sozialarbeitern. Auch ein Seminar bei der Adoptionsberatung von affido muss absolviert werden. Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wird man auf die Warteliste genommen.

Mutter-Vater-Kind? Seit einigen Jahren können sich übrigens auch gleichgeschlechtliche Paare und Einzelpersonen für eine Adoption bewerben. Die Chancen auf ein Baby stehen hier nicht deutlich schlechter. „Die leiblichen Mütter (selten sind es Elternpaare) können zwar nicht mitentscheiden, wer das Kind bekommt, sie können aber Wünsche für ihr Kind äußern und tun das manchmal“, erklärt Jutta Eigner. So wünschen sich manche, dass das Kind im Grünen aufwachsen soll oder in der Stadt, dass es Geschwister gibt oder das Kind von einem Adoptiveltern-Paar aufgezogen werden soll. Das kann die Wartezeit für Single-Mütter oder Väter ein wenig verlängern.

Alternative Ausland. Bleibt noch die Möglichkeit zur Auslandsadoption. Je nach Land kann die Wartezeit hier etwas kürzer sein. Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass die Kinder bei der Vermittlung um einiges älter sind als im Inland. Die Zulassungskriterien sind dabei aber nicht weniger streng: Neben der Überprüfung in Österreich werden die übrigen Schritte gemeinsam mit den Behörden der steirischen Landesregierung und dem jeweiligen Land durchgeführt. Im Gegensatz zu Inlandsadoptionen können dabei erhebliche Kosten für Reise, Aufenthalt, Übersetzungen und dergleichen entstehen. Egal für welche Form man sich letzten Endes entscheidet: Für das Wunschkind ist es den hoffnungsvollen Eltern wohl jede Mühe Wert.

Interessierte Paare können sich beim Pflegelternverein Steiermark beraten lassen. Infos dazu gibt es unter www.affido.at

Autor: Elisabeth Stolzer , 05.06.2020