Corona in Pregarten: Gerüchteküche versus Faktenfutter

Am Freitag, 13. März wurde der Kindergarten in der Gutauerstraße in Pregarten behördlich geschlossen. Grund: Eine Mutter wurde positiv auf Covid-19 getestet. Daraufhin wollten einige Mütter ihre Kinder in den zweiten Kindergarten geben, was Bürgermeister Anton Scheuwimmer jedoch verhinderte: "Damit es im zweiten Kindergarten nicht zu weiteren Infizierungen kommt, konnten wir die Mütter überzeugen, andere Wege für die Betreuung ihrer Kinder zu finden."

Fake oder Fakt

Innerhalb kürzester Zeit brodelte die Gerüchteküche. Angeblich seien in Pregarten an einem Tag acht bis neun Menschen positiv auf Corona getesten worden. "Absoluter Blödsinn", sagt Scheuwimmer, der die Bezirkshauptfrau angerufen hat, um dem nachzugehen. An dem Tag, wo das Gerücht aufgetaucht ist, gab es im ganzen Bezirk Freistadt nur einen bestätigten Fall und der war nicht in Pregarten - so die Erkenntnis.

Derzeit gibt es im Bezirk Freistadt 57 bestätigte Fälle von Corona-Infizierten (Stand: Donnerstag, 26. März, 8:30 Uhr). In welchen Gemeinden die Erkrankten zuhause sind, gibt das Land OÖ in ihrer Übersicht leider nicht bekannt. Im heutigen Interview teilt Scheuwimmer aber gegenüber Weekend mit: "Es gibt aktuell zwei bestätigte Covid-19-Fälle in Pregarten." Der Bürgermeister wird zwar über die Anzahl der Covid19-Infizierten in Pregarten informiert, aber "Namen kriege ich keine". Aus Datenschutzgründen halte man sich namentlich zurück.

Uneinsichtig

Herumgesprochen hat sich in Pregarten auch, dass eine "Corona-Party" gefeiert wurde. Und ja - wie andererorts auch, gab es in der Stadt Pregarten zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen Anfang letzter Woche einige wenige, die sich nicht daran gehalten haben. Das berichtet der Bürgermeister heute im Interview: Eine Gruppe Jugendlicher feierte an der Aist beim Biotop Fuchsschweif eine "Corona-Party". Ein Erwachsener sei zu ihnen hingegangen und habe gesagt: "Wissts ihr nicht, dass das nicht erlaubt ist?!" Daraufhin folgten blöde Bemerkungen, aber die Gruppe löste sich auf. Dosen und Flaschen wurden liegen gelassen. Auch an einem Spielplatz haben sich ein paar Pregartner versammelt und gemeinsam Alkohol getrunken. Damit haben sie nicht nur gegen das Versammlungsverbot verstoßen, sondern auch gegen das Spielplatzverbot, das die Stadt Pregarten verhängt hat. "In Ballungszentren wie Wien verstehe ich es, dass man Spielplätze offen hält und diese unter Einhaltung des Abstands besuchen darf. Aber wir haben so viel große Freiräume in Pregarten - deswegen bleiben sie bei uns geschlossen", erklärt Scheuwimmer. Auf die "Corona-Partys" hat der Bürgermeister sofort reagiert. Die Exekutive war daraufhin verstärkt unterwegs, was sofort Wirkung gezeigt hat. Bislang wurden keine Verstöße mehr gemeldet oder Beschwerden eingereicht, so Scheuwimmer.

Nachbarschaftshilfe

Dass sich aber auch manch ältere Personen nicht "einsperren" lassen und ihren Einkauf noch selbst erledigen wollen, konnte ich selbst als Pregartnerin bei Besorgungen für Familienmitglieder vergangene Woche feststellen. Mittlerweile werden aber die Nachbarschaftshilfe-Initiativen, wie etwa das Angebot der Jungen ÖVP in Pregarten, sehr gut angenommen: "Das Interesse ist groß und wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Einige sind erstaunt, wie prompt das funktioniert und loben die Freundlichkeit der jungen Menschen, die sie unterstützen", sagt Anton Scheuwimmer. Auch der Bauernmarkt in der Bruckmühle hat sich auf diese Ausnahmesituation eingestellt und bietet eine kostenlose Zustellung seiner Produkte nach Hause an. Und im Gegensatz zu anderen Städten und Gemeinden in Oberösterreich war und ist das Altstoffsammelzentrum (ASZ) in Pregarten aus hygienischen Gründen geöffnet, mittlerweile mit reduzierten Öffnungszeiten. "Während beispielsweise in Linz der Müll von der Müllabfuhr abgeholt wird, haben wir in Pregarten das sogenannte Bringsystem", erklärt der Bürgermeister. Mehr als 95 Prozent der Pregartner müssen ihren Müll ins ASZ bringen. In dieser Krisenzeit gilt jedoch der Appell, nur den notwendigen Restmüll zu entsorgen und nicht einen großen Frühjahrsputz zu machen oder alte Möbel vorbeizubringen.

Autor: Conny Engl , 26.03.2020