Christian Schützinger: Das Land entdecken

Weekend: „Urlaub daheim“ ist heuer das Stichwort. Wie setzt Vorarlberg Tourismus hier an?
Christian Schützinger:
Es war uns immer wichtig, über Vorarlberg gut zu informieren. Deshalb haben wir nach dem plötzlichen Saisonende Mitte März unter „Vorarlberg für daheim“ Angebote, Geschichten und Fotos auf der Website veröffentlicht, um das Land auch digital erlebbar zu machen. Als klar war, dass die Betriebe im Laufe des Mai aufsperren können, haben wir die zweite Phase gestartet. Mit „Vorarlberg erwacht“ wollten wir vor allem unsere Stammgäste über die Öffnungsschritte informieren. Jetzt, in der dritten Phase, regen wir die Menschen an, Vorarlberg zu entdecken.

Weekend: Was spricht sie an?
Christian Schützinger:
Vorarlberg ist ein kleines Land, das für seine landschaftliche und kulturelle Vielfalt geschätzt wird. Damit spielen wir in unserer Kommunikation: Einheimische wollen wir anregen, das Land „anders zu entdecken“, indem sie auf die Dinge, die vor der Haustür liegen, einen anderen, bewussteren Blick werfen. Österreichweit gilt Vorarlberg oft als Exot, deshalb geht es bei vielen Menschen aus den anderen Bundesländern darum, unser Land erstmals kennenzulernen, ganz „neu zu entdecken“. Seit klar ist, dass die Grenzen wieder öffnen, richten wir uns an die Stammgäste aus Süddeutschland und der Ostschweiz. Viele haben gebucht und wollen Vorarlberg auch diesen Sommer „wiederentdecken“.

Weekend: Wie stehen die Chancen, dass Gäste aus den anderen Bundesländern nach Vorarlberg kommen?
Christian Schützinger:
Die Chancen stehen gut, vor allem bei jenen, die im Sommerm in Österreich bleiben wollen. Es gibt Nachfragen aus ganz Österreich. Für viele ist Vorarlberg noch eine unbekannte Region. Für Menschen, die offen sind und sich für eine etwas andere Kultur innerhalb Österreichs interessieren, ist Vorarlberg ein attraktives Reiseziel.

Weekend: Wo macht der Vorarlberger Tourismusdirektor heuer Urlaub?
Christian Schützinger:
Ganz ehrlich: Wir verbringen unseren Sommerurlaub immer in Vorarlberg. Bis zu den Festspielen konnte ich ohnehin nie weg. Im August ist es wunderschön, die Zeit am See und in den Bergen zu verbringen, und mit Kindern ist es praktisch und abwechslungsreich. Ich sehe das ganze Jahr über viel im Land, aber ich komme erst im Sommer dazu, die Dinge richtig auszuprobieren. Es ist immer eine tolle Möglichkeit, Neues gemeinsam mit der Familie zu genießen – anders zu entdecken. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich viel unterwegs bin. Ich bin froh, wenn ich in Vorarlberg sein und mich erholen kann.

Weekend: Was bietet Vorarlberg seinen Gästen nach den Absagen der Großevents kulturell?
Christian Schützinger:
Auch wenn die Bregenzer Festspiele fast zur Gänze abgesagt sind und die Schubertiade nur sehr eingeschränkt stattfinden kann, so wird es dennoch einen vielfältigen Kultursommer geben. Die Festtage im Festspielhaus oder die Veranstaltungen von „Kultur im Jetzt“ möchte ich mir nicht entgehen lassen. Dazu gehört zum Beispiel das neue Corona-gerechte Format „Vorarlberger Kulturpicknick“, das unterschiedlichste Künstler aus dem Land und dem Bodenseeraum in kleinem Rahmen auf die Bühne bringt. Das Programm bringt einen zudem in alle Teile des Landes. Es wäre schön, wenn die Idee 2020 überdauert und sich weiterentwickelt.

Zur Person: Mag. CHRISTIAN SCHÜTZINGER

  • Landestourismusdirektor
  • Geschäftsführer der Vorarlberg Tourismus GmbH
  • www.vorarlberg.travel
  • geb. 1965 in Abtenau, Salzburg
  • verheiratet, zwei Kinder
  • studierte Publizistik und Sportwissenschaften an der Universität Salzburg, seit 2003 Landestourismusdirektor und Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus GmbH
  • Hobbys: Skifahren und Skitouren, Bergwandern, Mountainbiking
Autor: Claudia Weiss , 27.06.2020