"Gordon's Café der Nächstenliebe" startet wieder

Unfassbar traurig ist der Villacher Gordon Kelz nicht nur wegen der Ausnahmesituation, unter der wir alle seit Wochen leiden, sondern auch weil sein Herzensprojekt, der "Caffé sospeso", mit dem Lockdown in Zwangspause geschickt worden ist. Der Draustädter hat vor knapp vier Jahren in der Gelatieria Italiana by Luis in seiner Heimatstadt das erste "Gordon's Café der Nächstenliebe" eröffnet, im Laufe der Zeit kamen weitere Standorte in Klagenfurt, St. Veit und Spittal dazu. Nach mehrwöchiger Pause kann man ab 15. Mai in allen Lokalen wieder den "schwebenden Kaffee" bestellen. Auch die beteiligten Gastronome bereiten sich auf den Neustart der Aktion vor und haben bei Kelz bereits neue Tischfolder bestellt, um die Werbetrommeln für den "Seelentröster" zu rühren.

Gemeinschaft

"Wenn man liest, dass ein signifikanter Anstieg von psychischen Problemen in Österreich seit dem Beginn der Pandeie zu verzeichnen ist, so sieht man wie dringend jede Hilfe für diese Mitmenschen gebraucht wird", sagt Kelz. Depressive Symptome haben sich vervielfacht, Schlafstörungen und Angstsymptome vermehren sich. "Natürlich bin ich nicht so vermessen zu behaupten, dass ein spendierter Kaffee hier Wunder bewirken kann, aber ich bin sehr wohl überzeugt, dass für solche gefährdeten Personen ein Kaffeehaus-Besuch eine eklatante Veränderung in ihrem sonstigen Angewohnheiten bringen kann. Nicht der Kaffee, die Kugel Eis oder das Stück Kuchen an sich, aber die Veränderung der Umgebung, das Zusammensein mit Menschen, selbst die Gerüche und die Laute können sich positiv auswirken. Und genau darauf zielt die Aktion ab, dass die Menschen nicht in ihren Zimmern vereinsamen", betont Kelz.

Caffé sospeso

Konkret funktioniert das so: Ein Gast kann im „Gordon's Café der Nächstenliebe“ neben seinem konsumierten Kaffee auch noch weitere bezahlen, die er aber nicht trinkt, sondern Bedürftigen spendet. Auf einer sichtbaren Tafel werden die Freigetränke (oder Eiskugeln, Kuchenstücke, etc.) aufgelistet. „So können finanziell schwache Menschen und Obdachlose nicht nur den Kaffee genießen, den sie sich sonst nicht aus eigener Tasche leisten könnten, sondern kommen auch mal aus ihrer gewohnten Umgebung heraus und lernen vielleicht sogar neue Leute kennen“, erzählt der Initiator.

Author: Mirela Nowak-Karijasevic , 07.05.2020