Businesstalk: Ein Kulturgut im Wandel

Weekend: Wie leicht (oder wie schwierig) ist es, heutzutage noch Bier zu verkaufen ­ im Hinblick auf gesunde Ernährung?
Thomas Santler: Die heimischen Brauereien sind in einer sehr guten Situation, der Markt ist stabil, aber er stagniert. Der Pro Kopf-Verbrauch liegt seit Jahren bei 104 Liter pro Jahr, was uns im Europavergleich den zweiten Platz einbringt. Wachstum schafft man also nur über Innovation. Und da sind wir mit der Marke Villacher Bier unter anderem mit dem "Freilich" und dem Bier in der Dose sehr gut gefahren. In der Schleppe Brauerei fokussieren wir uns auf Spezialbiere. Im Hinblick auf die gesunde Ernährung muss ich sagen: Ein kleines Bier (0,3 L) hat etwa 120 Kalorien - so viel wie ein Gläschen Prosecco.

Weekend: Wo kommt dann der Bierbauch her?
Thomas Santler: Es kommt darauf an, was man dazu isst. Grundsätzlich ist Bier ein gesundes, isotonisches Produkt, alle Inhaltsstoffe sind natürlich, es hat viele Vitamine.

Weekend: Wie kam es dazu, das Bier in der Dose anzubieten, wo doch diesem Gebinde ein schlechter Ruf anhaftet?
Thomas Santler: Den Ruf hat die Dose völlig zu unrecht. Die Materialien sind inzwischen so hochwertig, dass sie keinen Einfluss auf den Geschmack haben. Außerdem ist das Dosenbier bei vielen Gelegenheiten sehr praktisch – beim Wandern beispielweise.

Weekend:Für die Villacher Brauerei gibt es eine Standortgarantie bis 2020. Was ist danach?
Thomas Santler: Die Brau Union ist sehr bedacht auf Regionalität und die kann man dem Kunden nicht verkaufen, wenn die Produktion irgendwo anders angesiedelt ist. Außerdem gehe ich nicht davon aus, dass der Eigentümer so viel Geld investiert, um den Betrieb in wenigen Jahren zu schließen. Wir sind ein Teil von Villach und wollen und werden es auch bleiben.

Weekend: Was bedeutet das geplante generelle Rauchverbot für die Branche?

Thomas Santler: Ich hoffe ja, da das Gesetz in Mai in Kraft treten soll und zu dieser Zeit die Gastgärten bereits offen haben, dass die Auswirkungen nicht ganz so gravierend ausfallen und es sich bis zum Herbst beruhigt. Es wird der Gastronomie aber sicherlich einen Dämpfer verpassen.

Produktion: 312.000 Hektoliter, 270.000 davon Bier
Umsatz Vereinigte Kärntner Brauereien: 44 Millionen Euro
Marktanteil Kärnten: 40 %
Export: 12 %
Top-Produkt: Villacher Märzen in der 0,5L Flasche

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 04.10.2017