Online-Handel als Chance für Kärntner Kaufleute

Weekend: Treibt die Bequemlichkeit die Kunden ins Netz?
Markus Miklautsch: Natürlich spielt die Bequemlichkeit beim Online-Einkauf eine Rolle. Aber auch die Notwendigkeit wird immer größer, weil man viele Produkte nicht mehr im stationären Handel findet.

Weekend: Sehr zu Ihrem unternehmerischen Glück?
Markus Miklautsch: Ja. Bei „Stilmelange“ haben wir rund 1.800 Produkte, unser Hauptprodukt sind Türgriffe. Das gefragteste Produkt ist aber ein bestimmtes Scharnier. Warum? Weil Kunden zum Teil nicht wissen, wo sie Kastenscharniere herbekommen – und bestellen sie bei uns.

Weekend: Wie ist es um die Online-­Affinität der Kärntner Händler bestellt?
Markus Miklautsch: Es ist eine spannende Situation. Im Rahmen des „Top of Webshop“- Awards habe ich einen Einblick bekommen. Immerhin gab es im Vorjahr 45 Einreichungen. Viele Händler nehmen das Thema sehr ernst, andere nutzen es als Marketing-Gag oder um sich gegen Amazon zu wehren.

Weekend: Ist Amazon der Böse, der den heimischen Händlern das Geschäft wegnimmt und im Gegenzug kaum Abgaben leistet?
Markus Miklautsch: Ich selbst bin großer Nutznieser des Amazon-Angebots und werde von deren Experten gecoacht. Sie zahlen genau das, was ihnen vorgeschrieben wird. Es ist eine Frage der Politik, der EU-Regulierung, nicht Amazons Schuld. Und der Online-Handel im Allgemeinen ist nicht der Böse, sondern eine Chance für jeden Händler, seine Prozesse zu optimieren, zu wachsen und Geld zu verdienen mit Dingen, die sich über den stationären Handel nicht mehr verkaufen lassen. Ich finde es sehr schade, dass es keine oder kaum Kärntner Produkte über Amazon zu kaufen gibt.

Weekend: Die Händler sollen mutiger sein und dem Internet mehr vertrauen?
Markus Miklautsch: Erstens: Wer im Jahr 2017 noch kein Vertrauen ins Internet hat, sollte sein Smartphone entsorgen. Zweitens: Ja, man muss mutig sein, Zeit investieren, ein Produkt identifizieren, eine ordentliche Marketingstrategie planen. Wir optimieren unsere Marketingstrategie fast wöchentlich. Aber: Jetzt können die Kärntner noch vom Image des Bundeslandes, des Wörthersees und der Berge profitieren.Die Prozesse sind natürlich eine große Herausforderungen. Da geht es um Datenarbeit, Analyse, Aufarbeitung. Man muss sich bewegen, auf Messen fahren. Aber es lohnt sich, wenn man dann genau das Produkt identifiziert, das durch die Decke fährt. Oft muss man ja nichts Neues erfinden, sondern etwas Vorhandenes besser präsentieren.

Weekend:Welche Produkte sind online gefragt?
Markus Miklautsch: Elektronik, Bücher und Mode sind die gefragtesten Produkte online.

Weekend: Lebensmittellieferungen von Supermärkten sind derzeit ein Trend. Wird dieser sich auch in Kärnten durchsetzen?
Markus Miklautsch: Ich glaube, dass Lebensmittellieferungen in unserer Region nicht allzu gefragt sein werden, weil es von der Topologie her einfach nicht notwendig ist. Gut gehen könnte es bei Getränken und anderen schweren Produkten, weil die Menschen sich das Schleppen ersparen wollen. Spannend ist dieses Thema jedoch in großen Städten wie etwa Dortmund. Vor allem wenn man bedenkt, wie sich die Arbeitszeiten der Menschen geändert haben, die ja kaum noch zu den regulären Öffnungszeiten einkaufen gehen können. Das heißt, gerade was die Lebensmittel angeht, wird der stationäre Handel in Kärnten überleben. Alles andere - von Mode bis Einrichtungsgegenständen - wird man online erwerben.

Tipp

Am 16. November geht im Casineum Velden (ab 15 Uhr) die 2. NEXT Commerce, eine Online-Handels-Konferenz über die Bühne. Auf dem Programm stehen Vorträge und Workshops im Bereich Online-Handel und Social Media mit namhaften Experten von Google & Co. Weitere Infos finden sie unter www.edvart.at

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 07.09.2017