Business Talk: Corona-Krisenmanager Landeshauptmann Thomas Stelzer im Interview

Weekend: Bei den Kosten für die Krisenbewältigung gibt es noch viele Unsicherheitsfaktoren. Wann wird es einen endgültigen Kassasturz geben?

Thomas Stelzer: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise lassen sich noch schwer abschätzen. Dass diese Pandemie unser Landesbudget aber enorm beanspruchen wird, ist jetzt schon klar. Trotzdem müssen wir weiterhin kräftig helfen, das ist auch die Aufgabe der öffentlichen Hand, in einer Krisensituation da zu sein.

weekend: Die voestalpine hat schon vor dem Corona-Shutdown relativ schlechte Ergebnisse eingefahren – muss man sich Sorgen um den Standort machen?

Thomas Stelzer: Auch wenn wir herausfordernde Zeiten erleben – unser Bundesland muss und wird weiterhin ein starker Standort sein. Daher haben wir auch den Prozess für einen Oberösterreich-Plan gestartet. Oberösterreich wieder stark machen bedeutet für uns, den Menschen sichere und attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten und unseren Betrieben bestmögliche Rahmenbedingungen, damit sie wettbewerbsfähig bleiben und sich weiterentwickeln können.Wir sind von diesen Prüfungen nicht ausgenommen, weil wir am Schluss ja für die ordnungsgemäße Durchführung geradestehen müssen. Aber ich möchte schon betonen, dass bei uns sehr wenige Kundenbeschwerden landen, dass es zu lange dauern würde. Natürlich war es sehr schwierig, weil ja Haftungs- und Garantievoraussetzungen immer wieder geändert wurden und wir oftmals mehrere Anläufe mit den Kunden machen mussten. Ich glaube, manchmal trifft uns der Ärger, der bei Kunden hinsichtlich der Bürokratie in Richtung der Haftungs- und Garantiegesellschaften entsteht. Man muss aber auch sagen, dass mit einer derartigen Menge an Anträgen in so kurzer Zeit niemand gerechnet hat Da muss man erst einmal auch das eigene System danach ausrichten.

weekend: Wie wird das Land Oberösterreich der Tourismus- und Gastrowirtschaft unter die Arme greifen. Mit welchen Maßnahmen lässt sich der Inlandstourismus effizient ankurbeln?

Thomas Stelzer: Eine zentrale Maßnahme in unserem 580 Millionen Oberösterreich-Paket ist das Hilfspaket für den Tourismus. Damit werden nicht nur insgesamt 29.000 Betriebe aus den unterschiedlichsten Branchen in den 215 Tourismusgemeinden Oberösterreichs entlastet, sondern es bekommen zudem die 19 oberösterreichischen Tourismusverbände Planungssicherheit und darüber hinaus werden auch noch oberösterreichische Gemeinden unterstützt.ir sind sehr gut im Krisenmanagement und haben uns schon früher zwar nicht über eine Pandemie aber doch über unterschiedlichste Krisenszenarien Gedanken gemacht. Wir haben es innerhalb einer Woche geschafft, 96 Prozent der Mitarbeiter mit Home office-Plätzen auszustatten. Ein Weg zum Erfolg ist ein enges Team, das dann sehr transparent an alle Mitarbeiter und die Führungskräfte kommuniziert. Natürlich hat es anfänglich Bereiche gegeben, in denen Nachbesserungsbedarf bestanden hat – aber wir sind hier sehr gut unterwegs.

"Der Tourismus ist ein zentraler Punkt in unserem 580-Millionen-Paket für Oberösterreich" - Landeshautpmann Thomas Stelzer (ÖVP).


​weekend: Ist der hart erworbene Status Oberösterreichs als aufstrebendes Kunst- und Kultur-Bundesland in Gefahr?

Thomas Stelzer: Wir haben Ende April ein erstes Maßnahmenpaket geschnürt, mit dem Ziel, Kunst und Kultur bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen. Schon damals war klar, dass die Herausforderungen, vor die uns die Corona Krise stellt, es notwendig machen, alle Maßnahmen laufend zu evaluieren und, wo notwendig, zu adaptieren. Aus diesem Grund haben wir nun ein zweites Maßnahmenpaket für Kulturschaffende geschnürt, welches einen Sonderfördertopf, Verbesserungen im Härtefallfonds und die Unterstützung von Ferialjobs für Kulturbetriebe vorsieht. Damit setzen wir weitere Schritte, um das Ziel, Kunst und Kultur über die Krise hinweg zu unterstützen, bestmöglich zu erreichen.

weekend: Wie bereitet man sich auf eine allfällige zweite Welle vor? Hält unser Land einen zweiten Lockdown überhaupt aus?

Thomas Stelzer: Wir haben die gesundheitlichen Folgen der Corona-Krise bisher gut in den Griff bekommen und sehen, dass wir mit der Krankheit umgehen können, dass wir sie in einer Größenordnung halten, die uns nicht überfordert. Damit das auch so bleibt, brauchen wir ein konsequentes „Kontaktpersonen-Management“ und ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Hausverstand. Dieses Zusammenspiel funktioniert ganz gut, das zeigt auch die positive Entwicklung der Infektionszahlen der letzten Wochen. Ich will nicht sagen, dass der Führungsstil von Frauen und Männern generell stark unterschiedlich ist, sondern in hohem Maß durch Persönlichkeitsmerkmale geprägt wird. So rein geschlechtsspezifisch würde ich das nicht sehen.

Autor: Lukas Steinberger-Weiß , 01.07.2020