Burgenländer in Wien: Rapids Mario Pavelic im Talk

Weekend: Du lebst und arbeitest seit Jahren in Wien. Dürfen wir dich trotzdem noch als einen von uns Burgenländern vereinnahmen?
Mario Pavelic: Ich habe ja immerhin meine Kindheit dort verbracht und bis 15 in der AKA Burgenland, dann bei Neusiedl gespielt. Dann in die Stadt zu ziehen, war natürlich eine große Umstellung für mich. Dort zu leben, ist etwas ganz Anderes. Ich komme aber nach wie vor gerne ins Burgenland und genieße die Zeit dort sehr.

Weekend: 2009 kam dann der Wechsel zu Rapid, erst zu den Amateuren, dann zu den Profis. Seit du bei den Hütteldorfern werkst, war und ist der jetzige Cheftrainer Zoran Barisic ein ständiger Wegbegleiter von dir. Wie viel hast du ihm zu verdanken?
Pavelic: Sehr viel! Ganz zu Beginn hat Barisic eine Art Individualtraining mit mir durchgeführt. Danach war er mein Trainer bei den Amateuren und jetzt ist er bei den Profis mein Chef. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir die Chance gegeben hat. Er kann gerade mit jungen Spielern sehr gut umgehen.

Weekend: Dein Vertrag läuft noch bis 2017, mit der Verlängerung scheinst du's nicht gar so eilig zu haben. Hast du Abwanderungsgelüste?
Pavelic (lacht): Im Fußball kann's sehr schnell gehen, das wissen wir alle. Fakt ist aber, dass Rapid eine tolle Adresse ist, ich finde, die beste in Österreich. Ich fühle mich hier wohl und will meine Leistungen bringen. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Vielleicht spiele ich ja auch ewig bei Rapid.

Weekend: Und das Ausland?
Pavelic: Das ist natürlich für jeden jungen Spieler ein Traum, vor allem die besten Ligen Spanien, England oder Deutschland. Aber bei Rapid geht's mir gut. Und ich freue mich schon sehr auf das neue Stadion.

Weekend: Apropos! Man könnte ein bisserl die Befürchtung hegen, dass mit Eröffnung des neuen Stadions Rapid eine völlig neue Mannschaft stellen muss. Petsos ist fix weg, Kainz ziemlich wahrscheinlich, Schobesberger und Schaub womöglich auch, vielleicht auch du.
Pavelic: ich bin überzeugt, dass Rapid in der neuen Saison eine starke Mannschaft haben wird. Der Klub hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass er Abgänge von wichtigen Stützen gut kompensieren kann. Ich mache mir keine Sorgen, sondern blicke optimistisch in die Zukunft.

Weekend: Zunächst noch ein schneller Blick in die Vergangenheit: Wie schwierig war es für euch Spieler, das "Debakel von Valencia" aus den Köpfen zu kriegen?
Pavelic: Natürlich war das nicht einfach – man verliert ja nicht jeden Tag 0:4 und ein paar Tage später 0:6. Aber man muss auch festhalten, dass Valencia eine absolute Top-Mannschaft ist. Wir haben uns vielleicht ein bisschen mehr erwartet, weil's bei Valencia in der Meisterschaft damals nicht so rund gelaufen ist. Und so viele Tore hätten wir nicht bekommen dürfen. Aber wir haben die Angelegenheit analysiert und recht bald wieder abgehakt.

Weekend: Mit welcher Schulnote würdest die Saison 2015/16 bewerten, auch wenn's zum Meistertitel nicht gereicht hat?
Pavelic: Mir ist schon klar, dass Fußballmannschaften an Titeln gemessen werden. Das ist auch o.k. und gut so. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir eine sehr gute Saison spielen, eine tolle Europa-League-Gruppenphase hinter uns haben und im Grunde unsere Sache gut gemacht haben. Im Titelkampf war ein bisserl Pech dabei, ein paar Punkte haben wir unnötig liegengelassen.

Weekend: Du kannst mit dem Ball beeindruckende Tricks bewerkstelligen. Für einen Verteidiger eher ungewöhnlich.
Pavelic: Ich habe ja bis vor drei, vier Jahren mein ganzes Fußballer-Leben in der Offensive, als 10er oder 8er, verbracht. Vielleicht rühren daher meine technischen Fähigkeiten. Klar ist aber auch, dass ohne sehr gute Technik ein Verteidiger auch keine Chance im Profifußball hat.

Weekend: Ist dir die Umstellung von Offensiv- auf Defensiv-Waffe schwer gefallen?
Pavelic: Tatsächlich habe ich mir früher nicht vorstellen können, jemals als Verteidiger zu spielen. Ich war immer der Meinung, dass es doch viel schöner ist, Tore zu schießen und vorzubereiten. Aber im modernen Fußball ist gerade bei den Außenverteidigern Offensiv-Power sehr gefragt. Das Spiel mit einem guten Pass öffnen oder die Kollegen in der Offensive unterstützen, sollte man schon können. Darin bin ich wahrscheinlich ganz gut. Mir ist aber auch klar, dass ich mich im Defensiv-Verhalten verbessern muss.

Autor: Manfred Vasik , 11.05.2016