Salzburg: Bücher gegen Corona-Langweile

Bücher Stierle-Inhaber Markus Renk bietet in der Corona-Krise einen umfangreichen Buch-Lieferservice über seinen Onlineshop an. Wir haben nachgefragt, ob das Angebot von den Salzburgern angenommen wird, welche Bücher er Leseratten empfehlen würde und wie es um den Buchhandel generell steht.

Weekend: Herr Renk, Bücher Stierle liefert in Zeiten von Corona Lesestoff direkt nach Hause. Wie wird das Angebot von den Salzburgern angenommen?

Renk: Unser Online-Shop ist aktuell gut besucht und wir freuen uns über die zahlreichen Buch-Bestellungen der Salzburger, darunter sind auch viele Neukunden. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen, ist das eine große Motivation für das gesamte Team und wir geben jeden Tag unser Bestes. Wir merken, dass „buy local“ bei den Österreichern derzeit stark im Fokus steht.

Weekend: Welche Orte umfasst Ihr Liefergebiet und wie lange muss man auf ein Buch warten?

Renk: Grundsätzlich decken wir ganz Österreich ab, das Gros der Bestellungen kommt aber von den Salzburgern. Teilweise bringen wir die Bücher sogar selbst mit dem Fahrrad – das überrascht und freut viele unserer Kunden ganz besonders. In normalen Zeiten können wir rund 80 Prozent innerhalb eines Tages liefern. Aktuell dauert es manchmal aufgrund der schwierigen Situation etwas länger. Wir bemühen uns aber, alle Bestellungen so rasch wie möglich zuzustellen.

Weekend: Kann das komplette Sortiment geordert werden und entstehen für den Käufer Versandkosten?

Renk: Wir sind nach wie vor komplett lieferfähig und in unserem Online-Shop stehen rund sechs Millionen Bücher zur Auswahl. Für Leseratten entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir liefern in ganz Österreich portofrei.

Weekend: Wie steht es um den Buchhandel generell in der aktuellen Krise? Ist man in Sachen Digitalisierung gut gerüstet?

Renk: Der Buchhandel war die erste Branche, die mit der Digitalisierung konfrontiert wurde. Das hat den großen Vorteil, dass wir nun sehr gut aufgestellt sind. Jeder kleine Buchladen hat die Möglichkeit, mit amerikanischen Riesen mitzuhalten. Hilfreich ist natürlich auch, dass Online-Giganten sich aktuell auf lebensnotwendige Lieferungen konzentrieren und Bücher demnach hinten anstellen. Würde es nur die großen Monopolisten und keine lokalen Anbieter geben, sehe es im Moment mit der Versorgung von neuem Lesestoff schlecht aus.

Weekend: Wie viel Umsatzverlust kann durch den Online-Shop kompensiert werden?

Renk: Mit viel Einsatz und extrem großem Aufwand gelingt es uns, fehlende Umsätze aus dem Ladenverkauf bestmöglich über Internetverkäufe wettzumachen. Durch die wirtschaftlich schlechteren Rahmenbedingungen rechnen wir damit, etwa 60 Prozent des Umsatzes kompensieren zu können. Über diese Möglichkeit sind wir sehr glücklich.

Weekend: Was ist Ihr persönliches Lieblingsbuch?

Renk: Das fragen Sie einen Buchhändler? (grinst) Ich habe natürlich mehrere Lieblinge, meistens nenne ich aber folgende: Friedrich Dürrenmatts „Das Versprechen“, „Im Namen der Rose“ von Umberto Eco und „Der Meister des siebten Siegels“ von Johannes Soyener.

Weekend: Und wie verbringen Sie persönlich Ihre Freizeit zu Hause?

Renk: Normal sehr gerne lesend, derzeit heißt es aber rund um die Uhr arbeiten, um sich auf die aktuelle Situation einzustellen.

Markus Renk
Der Tiroler kaufte 2015 die jahrhundertealte „Wagnersche Buchhandlung“ in Innsbruck von der Thalia-Kette zurück und ist seit Anfang 2020 auch Inhaber von Bücher Stierle in der Salzburger Altstadt. Zuvor war er 30 Jahre beim Tyrolia-Verlag tätig und arbeitete sich dort vom Lehrling zum Vorstandsmitglied nach oben.

Hier geht's zum Online-Shop von Bücher Stierle: www.buecher-stierle.at​

Autor: Simone Reitmeier , 27.03.2020