Boys' Day: Neue Berufsrolle

Kaum zu glauben, aber leider auch im 21. Jahrhundert noch bittere Realität: Tagesväter und Kindergartenpädagogen sind in Kärnten selten anzutreffen. Eine männliche Hebamme ist schon eine Sensation in der Alpenrepublik: In Österreich sind Männer erst seit 1995 zur Hebammen-Ausbildung zugelassen und erst vor knapp fünf Jahren schaffte ein Wiener als erster Mann die Aufnahmeprüfung an der Fachhochschule. Die Männerquoten bei Lehrkräften in Volksschulen (weniger als zehn Prozent) oder Pflegekräften (15 Prozent) im Gesundheitsbereich sind noch zu niedrig. Laut aktuellen Forschungsergebnissen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) werden in Österreich bis zum Jahr 2030 rund 24.000 Pflegekräfte mehr benötigt. 456.000 Menschen sind heute in Österreich auf Pflegeleistungen angewiesen, im Jahr 2050 werden es laut Expertenschätzungen schon 750.000 sein.

Klassische Rollen

Laut Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bilden die Berufe Metall-, Elektro- und KFZ-Technik seit Langem die Spitze der beliebtesten Lehrausbildungen bei männlichen Jugendlichen. Währenddessen liegen die Sparten Einzelhandels- und Bürokauffrau, Stylistin und „Soziales und Erziehung“ fest in Frauenhänden. Um auch junge Männer für diese vermeintlich weiblichen Berufssparten zu begeistern und Rollenbilder weiterzuentwickeln, veranstaltet das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz den jährlichen Boys‘ Day, der heuer am 14. November über die Bühne geht. Mehr als 400 Betriebe öffnen Ihre Pforten und bieten Burschen und jungen Männern einen Blick hinter die Kulissen der sogenannten „Frauen-Berufe“.

Vorurteile & Klischees

Neben dem niedrigen Gehaltsniveau, ist vor allem die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung der Grund, weshalb Männer die frauendominierten Berufssparten meiden. Wenn überhaupt, dann entscheiden sie sich erst auf dem zweiten oder dritten Ausbildungsweg dafür. Laut einer Umfrage der New York Times wären die meisten Männer sogar lieber arbeitslos, als typische „Frauen-Arbeit“ zu machen. Die Initiative Boys‘ Day möchte das ändern und ermutigt Burschen und junge Männer sich von stereotypen Rollenbildern zu lösen, ihre tatsächlichen Interessen so früh wie möglich zu entfalten und vermittelt ihnen ein erweitertes sozial orientiertes Männerbild. Dabei sind betriebliche Angebote zur gendersensiblen Berufsorientierung gefragt. Die Offensive bietet diese Möglichkeit und ist somit ein wichtiger Impulsgeber, um männlichen Jugendlichen auf dem Weg der Berufsfindung spannende und vielfältige Perspektiven in sozialen Berufen aufzuzeigen.

Landkarte

All jene, die Antworten rund um das Thema „Lehrberufe und die Chancen für Frauen und Männer“ suchen, können diese mit Hilfe des Online-Tools „GenderAT- las“ finden. Interessierte können sich hier auf einer virtuellen Landkarte Informationen zum Frauen- und Männeranteil verschiedener Lehrberufe, zu den Verdienstmöglichkeiten, zu den Lehrstellenangeboten in der Umgebung sowie weitere spannende Fakten heraussuchen. Die Landkarte kann online unter www.genderatlas.at abgerufen werden. Weitere Infos zuiesem Thema gibt es auch auf www.boysday.at

Girls' Day

Das Pendant zum Boys‘ Day ist der Girls‘ Day oder der Töchtertag, der jedes Jahr am vierten Donnerstag im April bundesweit über die Bühne geht. Der nächste ist am 23. April 2020. Einrichtungen bieten an diesem Tag interessierten Mädchen die Möglichkeit, in typische Männerberufe zu schnuppern und sich mit Frauen in leitenden Positionen auszutauschen. 2015 wurde mit dem Girls‘ Day MINI ein zusätzliches Angebot für Mädchen ab vier Jahren geschaffen.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 11.11.2019