Kärnten Reportage: Nach dem Stupfer

Wer braucht eine Blutspende?

Das Neugeborene mit Blutgruppenunverträglichkeit, der Opa mit dem Magengeschwür, das Unfallopfer: Alle 90 Sekunden wird in Österreich eine Blutkonserve benötigt. Dass eine Blutspende Leben retten kann, wissen viele – zumindest aus der Werbung. Dass Blut aber das Notfallmedikament Nummer eins ist und durch nichts ersetzt werden kann – das wissen wenige. Uns hat interessiert, welchen Weg das Blut direkt nach der Spende geht. Was passiert, bis es beim Empfänger landet?

Kärntner Blut

Kanülen, Abnahmeröhrchen, Unterlagen und Fragebögen: Die Tour durch die Blutspendezentrale Kärnten beginnt im Blutabnahmeraum auf einer sehr bequemen Liege. „Eine Blutspende kostet Zeit und den ‚Stupfer‘ der Nadel. Sonst haben die Spender nur Vorteile: Sie tun etwas Gutes, und die Spende wird auf im Blut übertragbare Krankheiten wie etwa Hepatitis untersucht“, erklärt Albert Sima, der Ärztliche Leiter der Blutspendezentrale Kärnten. Auch zur Spendenfreude der Kärntner gibt der Mediziner, der schon seit 23 Jahren hier arbeitet, gerne Auskunft. Die Kärntner Blutspender müssten sich im Österreich-Vergleich nicht verstecken. So werden fleißig die Ärmel hochgekrempelt und zirka 11.000 Liter Blut pro Jahr gespendet. Die Freude über Neuspender und jeden Mehrfachspender ist aber groß – Blut wird immer gebraucht.

On Tour

Die Blutspendezentrale vom Roten Kreuz ist seit 1954 für die flächendeckende Versorgung von ganz Kärnten zuständig. Bei einer Spende werden 465 Milliliter Blut abgenommen. Schon von Anfang an gehen manuelle Arbeit und Hightech Hand in Hand. Mit Plastikpatscherl bekleidet geht für uns die Reise los – und zwar durch das ganze Gebäude. Vom Keller bis zum Dach wird das Blut getestet, verarbeitet und gelagert. „Die Verarbeitung und Testung der Blutkonserven verläuft parallel“, so Sima. Überall begegnet uns das gleiche Bild: professionelle Betriebsamkeit, hochkonzentriertes händisches Arbeiten oder Bedienen von Spezial-Maschinen.

Sicherheit

Nach drei Tagen intensiver Testung und Verarbeitung ist eine Spende dann frei gegeben oder ausgeschlossen. Die strengen Richtlinien schreibt das Blutsicherheitsgesetz vor. Bei Unsicherheiten, ob man als Spender infrage kommt, kann man sich online informieren oder einfach in der Blutspendezentrale anrufen. Blutspenden ist grundsätzlich ab 18 Jahren möglich. „Kärnten braucht Menschen mit Herz, die sich durch die freiwillige Blutspende unentgeltlich engagieren. Blutspender sind Helden des Alltags und Lebensretter“, so Sima zum Schluss. Ein guter Zeitpunkt, um mit dem Heldentum zu beginnen, wäre zum Beispiel der Weltblutspendetag am 14. Juni.

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Autor: Melanie Lipic-Tscheppe, 06.06.2017