Bedrohung für das Gesundheitssystem

Müssen sich auch Privatkliniken für die Coronakrise rüsten oder trifft das ausschließlich die öffentlichen Krankenhäuser?
Günter Nebel: Die Corona-Epidemie ist eine Bedrohung, aber auch eine Herausforderung für große Teile unserer Bevölkerung. Die richtige Versorgung der Erkrankten steht dabei im Vordergrund. Doch so wichtig einerseits auch alle Corona-Maßnahmen in Bezug auf den Schutz unserer Bevölkerung sind, so wichtig ist es auf der anderen Seite, die medizinische Gesamtversorgung für unsere Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Dies könnte sonst mittelfristig zu einem gefährlichen Rückstau in unserem Gesundheitssystem führen, was wiederum viele Opfer mit sich bringen kann.

Wie bereitet sich die Sanlas Holding auf Coronapatienten vor?
Günter Nebel: Eine ausreichende Versorgung des medizinischen Personals und der Patienten mit Corona-Testungen sowie mit entsprechenden Schutz- und Hygieneartikel wie Masken, Anzüge und Schutzbrillen ist von größter Wichtigkeit. Ebenso ist eine klare Trennung zwischen Corona-Erkrankten und Nicht-Corona-Erkrankten, da sie zu einer Risikopatientengruppe gehören, notwendig.

Ist ein vermehrter Patientenandrang in den Privatkliniken zu bemerken, da in den öffentlichen Krankenhäusern und Kliniken ja manche Eingriffe derzeit aufgrund der Coronakrise verschoben werden?
Günter Nebel: Die Privatklinik Leech hat zurzeit keinen großen Ansturm von Patienten, da es nicht gestattet ist, Operationen durchzuführen, die nicht akutmedizinisch vertretbar sind und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden können. Dies gilt auch für öffentliche Krankenanstalten, was in weiterer Folge zu einem beachtlichen Rückstau von Patienten führen könnte. Wie viele Patienten dadurch in eine akutere Erkrankung übergleiten, sei offen. Somit ist die Versorgung dieser Patienten in Österreich zugunsten der Corona-Krise aufgeschoben, was wiederum dazu führt, dass die meisten Privatkliniken und Rehabilitationseinrichtungen ihren Betrieb drastisch einschränken mussten. In psychiatrischen und sozialpsychiatrischen Rehabilitationseinrichtungen wurde die Nachsorge-Behandlung als nicht erforderlich eingestuft, ohne dies weiter kommentieren zu wollen. In anderen Rehabilitationskliniken wird nur die postakute Rehabilitation als Anschlussheilverfahren aus dem Akutspitalsbereich gestattet. Die Bezahlung bzw. die wirtschaftliche Abwicklung sind aber teilweise ungeklärt. Daher wurde ein Großteil der Privatkliniken und Rehabilitationseinrichtungen ruhend gestellt. In der Privatklinik Lassnitzhöhe führen wir derzeit nur die Versorgung postakuter orthopädischer und neurologischer Fälle aufgrund ihrer Erfordernis weiter.

Wie wird es für die Privatkliniken in dieser Zeit weitergehen?
Günter Nebel: Über die gesamten wirtschaftlichen Fragen hat sich bis jetzt niemand Gedanken gemacht. Es wäre zielführend, für die zu versorgenden Patienten eine rasche Klärung der Kostenübernahme zu finden, sodass die Gesundheitseinrichtungen für alle zugänglich sein können und die realen Kosten der Privat- und Rehabilitationskliniken bei eingeschränktem Betrieb abgedeckt werden können. Weiter wäre es wichtig, ein wirtschaftliches Maßnahmenpaket zu schnüren, um die Privatkliniken und Rehabilitationseinrichtungen, die für die längerfristige medizinische Versorgung eine nachhaltig essenzielle Rolle spielen, aufrechtzuerhalten.

Author: Patrick Deutsch , 03.04.2020