Champions for the Sea: Kärntner Ozean-Bezwinger

Wenn Julian Kircher von seinem Sport erzählt, ist seine Begeisterung nicht zu bremsen. Und sein Optimismus schon gar nicht. Und genau den braucht er jetzt - dringender denn je. Denn der Ossiacher hat ein gefährliches Segel-Vorhaben initiiert: Er will im Herbst 2021 an der härtesten Hochseeregatta „The Ocean Race“ teilnehmen.

Kaiserin der Ozeane

Zum ersten Mal also soll eine Rennyacht unter österreichischer Flagge die Wellen bezwingen und die Welt umsegeln. Aber mit anmelden und Startgeld hinblättern ist es bei diesem lebensgefährlichem Bewerb nicht getan. „Es gibt acht Boote und für die muss man sich bewerben. Für unser Schiff waren 20 Bewerber am Start. Unser Konzept hat überzeugt“, erzählt der mehrfache Staatsmeister, Matchracer und Ligasegler und verrät: „Österreich hat einen besonderen Charme, den man gut in einer emotionalen Geschichte verpacken kann. Man kennt uns von erfolgreichen Olympia-Teilnahmen. Das dürfte die Veranstalter auch gereizt haben.“ Aus welchen Gründen auch immer – Fakt ist, die Austrianer haben den Zuschlag für das Wunschboot bekommen, die Kaufsumme bezahlt und es auch schon im Heimathafen Portopiccolo in Triest auf den geschichtsträchtigen Namen „Sisi“ getauft.

Rundum-Training

Kurz nach der Taufe musste sich die neue Kaiserin der Ozeane auch schon beweisen – und das leuchtend blau lackierte Boot überzeugte bei der weltgrößten Regatta Barcolana und beim Rolex Middle Sea Race auf Anhieb. „Regatten wie diese waren und sind für uns eine gute Möglichkeit, Erfahrungen mit dem Schiff zu sammeln“, erklärt Julian Kircher. Bis es dann tatsächlich im Herbst 2021 ans Eingemachte gehen kann, hat die 30-köpfige Crew aber noch jede Menge Arbeit vor sich. „Neben dem körperlichen Training wie Muskelaufbau, stehen auch Medizin-Kurse, Apnoetauchen und Schlafforschung auf dem Programm. „Passiert etwas, müssen wir wissen, wie wir uns selbst helfen. Es kann schon passieren, dass wir eine OP via Video-Anweisung durchführen müssen, während die Kollegen draußen von meterhohen, eiskalten Wellen abgewatscht werden.“ Und Medizinwissen ist wirklich notwendig, immerhin beträgt die durchschnittliche Rettungsdauer im gefährlichsten Abschnitt, dem Southern Ocean, 55 Stunden. In diesem Bereich tummeln sich - abgesehen von den Ocean Racern - nur Kriegsschiffe, die den Sportlern zur Hilfe kommen können.

Suche nach Sponsoren

Neben dem Training steht auch die Sponsorensuche ganz oben auf der To-do-Liste der aus fünf Nationen stammenden AORP-Mitglieder. Ein paar Unterstützer sind schon an Bord, weil sie von dem aufregenden Projekt, das ein Binnenland-Team auf die Beine stellt, fasziniert sind. „Wir brauchen etwa zehn Millionen Euro, damit wir im Herbst 2021 mitmachen können“, rechnet Kircher vor und ist auch hier optimistisch: „Es melden sich ganz viele kleinere Firmen und Private, die uns mit bis zu 20.000 Euro unterstützen möchten.“

Österreichische Seele

Ganz wichtig dabei ist für Kircher die „österreichische Seele des Teams“. „Wir möchten uns nicht reinreden und uns Legionäre aufs Auge drücken lassen, um mit allen Mitteln zu gewinnen. Wir wissen, dass wir gut sind. Und wenn wir auch nicht als Sieger in den Zielhafen einfahren, das gute Mittelfeld ist uns sicher.“

Aktiver Umweltschutz

Teil des Projektes ist auch die Förderung des Nachhaltigkeitsgedankens bei Kindern und Jugendlichen. Dazu wird an Schulen auf die Müllproblematik in den Meeren aufmerksam gemacht. „Die Ocean Race-Veranstalter sagen: Wir haben eine Spielwiese, wenn wir diese nicht schützen, haben unsere Kinder keine mehr. Wir Sportler haben eine irrsinnige Vorbildfunktion, die wir nutzen müssen“, appelliert Kircher und sagt abschließend: „Unser Ziel: ganz viele ‚champions fort the sea‘ zu machen!“

Facts

The Ocean Race: Die härteste Offshore-Regatta findet seit 1973 alle drei Jahre statt. Der Bewerb dauert neun Monate und wird in zehn Etappen gesegelt. Der längste und gefährlichste Abschnitt verläuft durch den Southern Ocean und dauert bis zu 30 Tage. Je nachdem, welchen Weg die Segler wählen, werden zwischen 45.000 und 80.000 Kilometer zurückgelegt.

„Sisi“: Die Rennyacht des Austrian Ocean Race Projects, die Volvo Ocean 65, ist 21 Meter lang, 5,2 Meter breit und wiegt zwölf Tonnen (inkl. Ersatzteile). Sie hat bereits an zwei Ocean Race teilgenommen.

Die Crew: Das Sailing Team um Julian Kircher besteht aus den beiden Halbkärntnern Konstantin und Oliver Kobale (alle Union Yacht Club Wörthersee), Raphael Hussl, Gerwin Jansen, Linda Fahrni, Anna Luschan und Maja Siegenthaler.

Weitere Infos: www.ocean-racing.at

Hier der erste Blick auf das heimische Sailing-Team:

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 11.11.2019