Aufschwung unterstützen

Weekend: Herr Landeshauptmann, die letzten Wochen waren sehr fordernd für Vorarlberg. Wie nehmen Sie die Krise wahr?
Markus Wallner:
Diese Krise ist etwas vollkommen Neues, weil sie praktisch alles umfasst – von der Wirtschaft und Gesellschaft bis tief in das persönliche Leben eines jedes einzelnen Menschen. Angesichts dieser Tatsache muss man feststellen, dass das Krisenmanagement in weiten Teilen sehr gut funktioniert hat. Die systemrelevanten Bereiche haben sehr gut funktioniert, Vorarlberg hat sehr schnell in den Krisenmodus umgeschaltet. Was Vorarlberg bisher schon immer ausgezeichnet hat, das nützt uns jetzt: Die kurzen Wege. Die schnellen und klaren Entscheidungen. Und das hervorragende Engagement der Menschen. All das ist entscheidend. Denn jene Regionen, die schneller durch die Krise kommen, die werden auch schneller wieder aufstehen. Ich bin mir sicher, dass wir Vorarlberger da dazugehören werden.

Weekend: Lässt sich denn schon ein Weg zurück in die Normalität skizzieren?
Markus Wallner:
Das ist zur Stunde nur schwer zu beantworten. Was die Bedrohung unserer Gesundheit durch den Virus betrifft, würde ich sagen, dass wir vorerst über den Berg sind. Wir hoffen alle, dass keine zweite Infektionswelle eintritt. Es ist allerdings klar: Solange kein Impfstoff da ist, werden wir uns an gewisse Einschränkungen gewöhnen müssen. Wir werden da nur langsam zur Normalität zurückkehren können. Das wird leider dauern. Klar ist, dass wir jedenfalls alles tun, um Arbeitsplätze und Existenzen zu retten.

Weekend: Wie bereitet man sich auf eine mögliche zweite Welle vor?
Markus Wallner:
Jetzt gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen, um im Falle künftiger Krisenereignisse bestmöglich vorbereitet zu sein und noch rascher und konsequenter handeln zu können. Was ist, wenn der Virus wieder auftaucht? Es geht um eine künftige Pandemieplanung und Pandemiesicherheit. Deshalb haben wir einen Fünf-Punkte-Plan für Vorarlbergs Weg aus der Corona- Krise. Dieser wird gerade erarbeitet und umfasst einen Corona Krisenplan II, Konjunktur- und Beschäftigungspaket für Vorarlberg, eine mittelfristige Finanzplanung, die Unterstützungen des Landes Vorarlberg auf einen Blick und Zukunftsprojekte und neue Weichenstellungen.

Weekend: Zukunftsprojekte und neue Weichenstellungen – Sie sehen also auch Chancen?
Markus Wallner:
Ja! Denn die Corona-Krise hat in vielen Bereichen dazu geführt, dass neue Strategien erarbeitet wurden, die auch beim Wiederaufschwung großes Potential beinhalten; z.B. im Bereich der Digitalisierung, in der Bildung oder auch bei der regionalen Versorgung mit Lebensmitteln aus der Region. Diese Zukunftsprojekte wollen wir weiter vorantreiben.

Weekend: Wie haben Sie die Krise persönlich erlebt?
Markus Wallner:
Die Situation war und ist natürlich sehr herausfordernd und wir waren praktisch rund um die Uhr im Einsatz, auch am Wochenende. Dadurch hatte ich natürlich auch viel weniger Kontakt zu meiner Familie, als üblich. Auch für Zeit in der Natur ist da leider wenig Raum geblieben. Die erste Tour auf die Bazora nach dem „Lockdown“ habe ich deshalb noch sehr gut in Erinnerung, wie man sich vorstellen kann.

Zur Person: MARKUS WALLNER

  • Geboren: 20. Juli 1967 in Bludenz
  • Familienstand: verheiratet, drei Kinder
  • Hobbys: Bergsteigen, Radtouren, Skitouren
  • Werdegang: Gymnasium in Feldkirch, danach Studium Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Innsbruck. Seine politische Laufbahn begann als Referent von Landeshauptmann Herbert Sausgruber. Er war Geschäftsführer der ÖVP Vorarlberg, Landtagsabgeordneter und Klubobmann, bevor er 2006 als Landesstatthalter in die Landesregierung kam. 2011 folgte er Herbert Sausgruber als Landeshauptmann nach. Nach 2014 erfolgte im Herbst 2019 mit großer Mehrheit seine erneute Wiederwahl.
Autor: Claudia Weiss , 03.06.2020