Ruder-Challenge: Allein übers Meer

Ein Mann verbringt 40 Tage allein auf dem Atlantischen Ozean, kämpft in einem Ruderboot gegen Wellen, Wind und Wetter. Klingt nach einem Hollywood Blockbuster? Nicht für Wolfgang „Dewey“ Fankhauser. Als erster Österreicher der Geschichte geht er im Dezember beim härtesten Ruderrennen der Welt an den Start. 4.800 Kilometer und an die 1,5 Millionen Armschläge liegen zwischen dem Ausgangspunkt in La Gomera und dem Ziel auf der Karibikinsel Antigua. Dazwischen ist der 38-Jährige völlig auf sich gestellt. Wunde Handflächen, Seekrankheit, Halluzinationen – auf all das stellt sich Dewey ein. „Nach ein paar Tagen auf dem Wasser hört man Stimmen und sieht Kreaturen auftauchen“, kennt der Extremsportler die Erzählungen von früheren Teilnehmern. 2015 saß er selbst auf einem Begleitboot, schwor sich, für kein Geld der Welt teilzunehmen. Am Ende überwog der Reiz des Abenteuers – und er meldete sich für die „Talisker Whiskey Atlantic Challenge“ an.

Aussteiger

Gesegelt ist er die Strecke bereits – sie nun mit dem Ruderboot zurückzulegen, sein absoluter Traum. Traum. Für den der Restaurantleiter des Latschenwirts jede freie Minute trainiert. „Die Leidenschaft habe ich wohl von meinem Opa, der war Bootsbauer“, erzählt der begeisterte Wassersportler. Schon als Kind lernte Fankhauser surfen, wanderte später für zwei Jahre nach Spanien aus und umsegelte mit einem Freund die Welt. „Unser erster Versuch scheiterte, wir mussten mit dem Heli gerettet werden. Am Ende sind wir ein Jahr durch die Karibik gereist.“ Wann genau er diesmal im Paradies landen wird, ist unklar. „Die Schnellsten schaffen die Strecke in 30 Tagen, manche sind 90 unterwegs“, klärt der Salzburger auf.

Grenzgänger

Weihnachten und Silvester wird er in jedem Fall allein am Ruder seines Bootes verbringen. Geschlafen wird zwischendurch maximal zwei Stunden in der 30 Grad heißen Kabine, ein Kübel ersetzt die Toilette. „Auf dem Meer bist du selbst dein größter Gegner. Du musst dich immer wieder neu überwinden. Die ersten 14 Tage werden die schlimmsten, wenn man trotz Seekrankheit weitermachen muss. Danach fangen die Halluzinationen an.“ Bei diesen Horrorgeschichten sei die Frage erlaubt: Warum in aller Welt setzt man sich derartigen Strapazen freiwillig aus? „Um es mir selbst zu beweisen“, sagt Fankhauser. 94.000,– Euro kostet ihn dieses Abenteuer, einen Großteil finanziert der sympathische Salzburger aus Sponsorgeldern. Und der 38-Jährige möchte am Ende der Reise etwas zurückgeben, so spendet er den Erlös aus dem Verkauf seines Bootes an die Kinderkrebshilfe. „Ich will keinen Gewinn aus der Sache ziehen. Mir geht es um die Erfahrung.“

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Autor: Simone Reitmeier, 03.10.2019