Diese Adventbräuche l(i)eben die Kärntner

Der Duft von Glühwein, Weihnachtsbratwurst und Weihrauch hat das südlichste Bundesland fest im Griff. Die Straßen und Plätze, Schaufenster und Hauseingänge sind festlich geschmückt. Es ist unübersehbar: Das Fest der Liebe rückt immer näher. Die Wartezeit aufs Christkind versüßt man sich in Kärnten mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen. Einer der Wege führt ganz sicher auf einen der vielen heimischen Adventmärkte, die stimmungsvolle Stunden für Groß und Klein versprechen. Zwischen den Bergen und den Seen verbinden die Christkindlmärkte Tradition und Moderne auf eine besonders schöne Weise. Jeder Markt hält einen besonderen Schatz - Kinderadvent, Stiller Advent, Adventwandern - für seine Besucher parat. Doch auch abseits der Märkte halten die Kärntner ihre Adventbräuche am Leben.

Barbaratag

Am 4. Dezember, noch vor dem Sonnenaufgang, werden Zweige von Obstbäumen (Kirsche oder Apfel) oder einer Forsythie abgeschnitten und in eine mit Wasser befüllte Vase gestellt. Die Barbarazweige sollen bis zum Heiligen Abend blühen - dieses Wunder der Natur soll das Wunder der Heiligen Nacht verdeutlichen. Weiters werden den blühenden Zweigen prophetenhafte Eigenschaften nachgesagt: Sie sollen eine anstehende Hochzeit voraussagen. Unverheiratete Mädchen gaben früher jedem Zweig einen eigenen Namen und jener Zweig, der zu blühen begann, war der künftige Ehemann. Blühen die Zweige nicht, ist Geduld bis zum nächsten Jahr gefragt.

Zottelige Gesellen

Rund um den 5. Dezember treiben sich die zotteligen und gruseligen Krampusse in Kärnten herum und ziehen mittlerweile Schaulustige aus dem gesamten Alpe-Adria-Raum an. Einen der größten und schönsten Krampusläufe des Alpenraumes mit rund 50.000 Besuchern und einer Laufstrecke von 1,5 Kilometern kann man in Klagenfurt am 23. November erleben. „Mystik und Brauchtum“ gibt es auch beim traditionellen Villacher Perchtenlauf am 29. November. Die schönsten Exemplare soll es übrigens in Oberdrauburg und in Feistritz im Rosental geben.

Heiliger Nikolaus

Besonders „lukrativ“ ist der 6. Dezember für Kinder. Am Vorabend stellen sie Schuhe oder Stiefel vor die Tür, damit diese vom Heiligen auf seiner Reise durch die Nacht mit Schokolade, Nüssen, Mandarinen und Lebkuchen gefüllt werden.

Lichtermesse

Der besondere Gottesdienst - die Rorate - wird in einigen Gemeinden in der Adventzeit sehr früh und meist nur bei Kerzenschein ohne elektrisches Licht gefeiert. Die besondere Atmosphäre dieser Messe bringt die Sehnsucht nach der Ankunft Gottes in der Welt zum Ausdruck und soll auf Weihnachten einstimmen. Vielerorts werden die Kirchenbesucher im Anschluss an die Messe zur Agape, einem gemeinsamen Frühstück, eingeladen.

Gesundheit

Die schlimmen Geister des Winters vertreiben die Bauernburschen des Gegendtals mit dem „Klöckeln“, einem Brauch aus dem germanischen Heidenglauben. An den ersten drei Donnerstagen im Advent ziehen die „Klöckler“ lärmend und mit Glockenläuten von Haus zu Haus und wünschen Glück und Gesundheit für das kommende Jahr. Um Einlass in die Heime zu bekommen, bedienen sie sich besonderer Waffen - althergebrachte Verse und Gesänge sollen die Türen öffnen. Während einer deftigen Jause und eines Schnapserls erklingt das Klöcklerlied. Wird ein Haus übersehen, bleibt das erhoffte Glück im nächsten Jahr aus. Das letzte Haus muss vor Mitternacht besucht werden. „Klöckeln“ wurde vom mittelhochdeutschen „klocken“ oder „klöcken“ übernommen und bedeutet „klopfen“ oder „pochen“.

Messerscharf

„Der Tag der Scherenschleifer“ ist ein seltener Brauch. Das „Roateln“, ein uralter Abwehr- und Bindezauber, wird vor allem im Lavanttal und im Görtschitztal am Leben erhalten. Alles, was eine Schneide hat, wird vor Weihnachten geschärft. Am Heiligen Abend werden die Messer und Scheren unter einen weiß gedeckten Tisch, dessen Beine mit eisernen Ketten umwickelt sind und auf dem köstlicher Reindling und eine Schale mit Weihwasser liegen, verstaut. Bis zum Neujahrstag bleibt der Tisch so stehen. Es soll Glück bringen und für eine ertragreiche Ernte sorgen.

Genussreich

Das Kletzenbrot gehört in allen Kärntner Regionen zur Vorweihnachtszeit dazu wie der Weihrauch und die Krampusse. Birnen waren früher für die Bauern wichtige Vitaminquellen. Die damals einzige Möglichkeit, die Früchte haltbar zu machen, war es sie zu trocknen. Zu Brot verarbeitet, wurden die Kletzen also auch im Winter zu treuen kulinarischen Begleitern der Bauern - bis heute.

Herbergsuche

Neun Tage vor Weihnachten beginnt in Globasnitz ein besonderer Brauch: In einer Prozession wird eine Marienstatue jeden Tag in ein anderes Haus gebracht, dort bleibt sie dann für eine Nacht. Auf dem Weg zum neuen Haus wird gebetet und gesungen. Jenes Haus, dass die Statue am 24. De- zember erreicht, dient als Herberge bis Maria Lichtmess am 2. Februar.

Abtauchen

Beim Christbaumversenken am letzten Sonntag vor Weihnachten wird aller im See verunglückten Menschen gedacht. Dieser Brauch lebt am Wörthersee, Ossiacher See, Silbersee, Aichwaldsee, Millstätter See und Klopeiner See.

Weitere Infos finden Sie hier.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 11.11.2019