Achtsamer im Alltag durch Journaling

Das Angebot an unterschiedlichsten Schreibworkshops für Erwachsene belegt die positive Wirkung einiger zu Papier gebrachter Zeilen für die Psyche und den allgemeinen Drang nach kreativer Beschäftigung. Relativ neu im Wortschatz der Hobby-Schreiber hat sich seit geraumer Zeit aber ein Begriff vor allen anderen etabliert: Journaling. Wie viele aktuelle Trends aus den USA ist auch das Schreiben einer Art Tagebuch nach Vorlage zu uns herübergeschwappt. Wir haben uns angesehen, was es damit auf sich hat, und liefern Tipps, wie der Trend eine Bereicherung für einen achtsamen Alltag werden kann.

Routinen schaffen. Wer sich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt, dem ist das regelmäßige Abhalten einfacher Alltagsdinge nach Plan sicher schon begegnet. Ob Morgen- oder Abendroutine, es ist weithin bekannt, dass das Etablieren einiger Fixpunkte im Tagesablauf zu höherer Produktivität und geistiger Gesundheit beitragen kann. Dazu zählt auch das Schreiben einer Art Tagebuch, dem Journal. Es fungiert als emotionales Vehikel, das schwierige Gefühle oder Wünsche kanalisiert und zu persönlichem Wachstum und mehr Klarheit führen soll. Im Vordergrund steht für viele dabei auch der Wunsch nach geistiger Selbstoptimierung und Produktivitätssteigerung.

Achtsamkeitsübung. Vorgefertigte Journals findet man derweilen schon in jedem Buchgeschäft. Dabei gibt es solche, die nach täglichem Muster Bullet Points zum Abarbeiten bieten, die man dann Tag für Tag anreichert. Affirmationen, Dankbarkeitsübungen und kleine Alltagsreflexionen finden darin ebenso Platz wie schlaue Zitate, die zum Blick über den Tellerrand anhalten sollen. In Wirklichkeit kann aber jedes Notizbuch oder einfach ein Blatt Papier dabei helfen, den eigenen Geist vom lästigen Alltagslärm zu befreien. Die Devise: hinsetzen und drauflosschreiben, am besten in ruhiger Atmosphäre und zu einer Tageszeit, die man ganz sich selbst widmet. So wird aus der Schreibübung schnell eine Achtsamkeitsübung, die man zu Hause ganz leicht umsetzen kann.

Selbstwert steigern. Schlussendlich trägt die Beschäftigung mit der eigenen Lebensrealität auf täglicher Basis im oftmals hektischen Alltag dazu bei, ein Selbstbild zu entwerfen, das im klaren Kontrast zur einer übermäßig negativ-selbstkritischen eigenen Stimme im Kopf stehen kann. Wer sich einen Gefallen tun will, formuliert Pläne, Wünsche und Ziele ebenso auf regelmäßiger Basis und hält diese im Journal fest. Das Tagebuch für Erwachsene hat durchaus seine Berechtigung und steht in klarem Gegensatz zur digitalen Schnelllebigkeit und der ständigen Reizüberflutung der neuen Medien. Interessant, dass sich eben dieser Trend über die Plattform Instagram rasant verbreitet hat und das Besitzen eines Journals schon fast zum guten Ton einer analogen Parallelrealität gehört.

7 Tipps zum Journaling

1. Festen Ablauf schaffen. Ob beim Kaffee am Morgen oder als letztes To-do am Abend: Das Schreiben eines Journals soll und darf ruhig zur Gewohnheit werden. Als Routine nimmt es einen festen Platz im Tagesablauf ein.

2. Kurz und knackig. Wer sich vornimmt, täglich einen kleinen Roman zu schreiben, wird wahrscheinlich post Corona schnell wieder von der neuen Routine abkommen. Stichwörter und kurze Reflexionen sind mindestens so wertvoll wie ausformulierte Sätze.

3.Nicht werten. Idealerweise ist das Journal ein persönlicher Gegenstand, der ausschließlich der Selbstreflexion dient. Daher die Feder fließen lassen und aufschreiben, was beim Nachdenken aufkommt, ohne zu urteilen.

4. Bullet Points. Eine gute Idee für Einsteiger kann das Erstellen von täglichen Listen sein: „Heute bin ich dankbar für“, „Mein Tag wäre noch besser gewesen mit“, „Drei Dinge, die mich heute zum Nachdenken gebracht haben“.

5. Schönes Zubehör. Dem Schreibfrust sagt man schnell den Kampf an, indem man sich mit einem neuen Block oder einem besonders schönen Schreibgegenstand für das Journal belohnt.

6. Intentionen setzen. Ob guter, schlechter oder mittelmäßiger Tag: Das Journal hilft dabei, bewusste Absichten für den Tag zu integrieren, Ziele schneller zu erreichen und insgesamt mehr für sich selbst und andere beizutragen. „Heute möchte ich für XY von Nutzen sein“ kann als Erinnerung dienen, den eigenen Lebensweg mit Zielstrebigkeit zu verfolgen.

7. Gemeinsam schreiben. Wer Ziele und Träume mit dem Partner oder der Partnerin festhalten will, setzt sich an ein gemeinsames Beziehungsjournal. Dabei kann man sich auch vergegenwärtigen, was gerade gut läuft und wo man noch Aufholbedarf hat.

Autor: Teresa Frank , 09.06.2020