Guido Maria Kretschmer: Wehrt euch gegen Belästigung!

Sie könnten sich mit Ihrer enormen Popularität für viele Organisationen einsetzen, warum ausgerechnet für Stand Up?

Die Trainingsprogramm Stand Up von L’Oréal Paris und und Hollaback! behandelt einfach ein Thema, das hochaktuell ist und auch wichtiger denn je. Gerade der Lockdown ist eine gute Zeit, um darüber nachzudenken, was passiert, wenn wir alle wieder aufeinander losgelassen werden. Viele Frauen erleben Belästigung in der Öffentlichkeit. Das sind diese kleinen oder auch großen Übergriffe, die jeden Tag passieren. Verletzungen, Beleidigungen, einfach Aufdringlichkeiten. Es ist unendlich wichtig, dass Frauen früh lernen, auch Männer natürlich, Stopp zu sagen. Und auch, wo Respekt vor der Privatsphäre zu gelten hat. Genauso wichtig ist es aber auch, dass wir als Gesellschaft für solche Situationen sensibilisiert werden und einschreiten, wenn Übergriffe passieren. Deshalb ist das ein Thema, bei dem ich natürlich sofort dabei bin. Ich finde es großartig von L’Oréal Paris, dass sie diese Initiative unterstützen. Wir sitzen im gleichen Boot, kümmern uns um Schönheit und Beauty. Gerade wir zeigen, dass es berechtigt ist, sich schön zu machen und zu sein, wer man sein möchte und trotzdem niemand das Recht hat, dich dafür anzugehen.

Ohne Frauen wäre es eine grausame Welt, das wäre der Untergang. Wenn ich mich entscheiden müsste, noch ein Mann oder noch eine Frau, dann würde ich definitiv eher auf den Mann verzichten.

Haben Sie selbst schon Erfahrung mit Belästigung machen müssen?

Ja. Ich bin, als ich jung war, belästigt worden. Auch von Älteren, weil ich niedlich war und jung und da ist es mir passiert, dass ich dachte: „Der hält mich aber lange fest“ oder jemand berührt einen zu lange und man spürt: „Ok jetzt reichts.“ Man mag aber auch nicht Nein sagen. Diese Momente kenne ich. Und wenn man jung ist, dann traut man sich oftmals nicht, etwas zu sagen. Besonders in der Modebranche mit Models und Fotografen und allen möglichen Leuten erlebt man das schon leider sehr oft. Auch mit Kunden, wenn die dann denken: „Ich habe gebucht und kann machen, was ich will.“ Und diese Kunden gehen dann zum Beispiel nicht raus, wenn sich die Models umziehen. Da habe ich schon oft sagen müssen: „Entschuldige bitte, wir ziehen uns gerade um und die Models sind gleich nackt oder haben nur wenig Wäsche an.“ Da bleiben manche stumpf dabei stehen. Das ist auch eine Art von Übergriffigkeit. 

Porträt von Guido Maria Kretschmer, lächelnd mit Brille

Stand Up empfiehlt Zeugen von Belästigung die 5Ds- Methode:  Distract, Delegate, Document, Direct, Delay - unten auf deutsch beschrieben. Haben Sie die Methode schon anwenden müssen?

Ich würde nicht sagen, dass ich nur mit den klassischen 5Ds umgehe, denn ich bekomme auch viel Nähe von Menschen, die ich nicht kenne. Das hat auch mit meinem prominenten Status zu tun. Ich muss das bei mir persönlich also etwas anders betrachten. Bei Stand Up geht es mehr um dieses wirklich überhaupt nicht gewollte, absolut grenzüberschreitende Verhalten. Dafür sind diese Interventionsmaßnahmen sehr hilfreich. Für mich wäre die größte Schwierigkeit sicher die Dokumentierung mit Hilfe eines Fotos oder Videos. Davor habe ich großen Respekt, da ich glaube, dass es auch etwas beim Täter auslösen kann, wenn er entdeckt, dass er gefilmt oder fotografiert wird. Ich finde die Idee großartig und richtig, aber für mich persönlich wäre das die schwierigste Sache. Obwohl man das natürlich auch sehr dezent machen kann.

Designer Guido Maria Kretschmer auf einem Sessel in einem chicen Altbau

Generell sind die 5Ds aber tolle Möglichkeiten auch den Personen im Umfeld etwas an die Hand zu geben, um direkt reagieren zu können, weil viele in einer solchen Situation auch oftmals hilflos sind, aber dennoch helfen wollen. L’Oréal Paris und Hollaback! tragen damit auf jeden Fall einen großen Teil dazu bei die Öffentlichkeit zu einem sichereren Ort zu machen.

Wer Ihre Sendung Shopping Queen sieht, bekommt den Eindruck, dass Sie ein großer Menschenfreund sind. Frauen haben aber einen besonderen Platz in Ihrem Herzen, wie kommt das?

Ich glaube, weil ich frauensozialisiert bin. Ich habe Frauen so viel zu verdanken. Ich habe immer tolle Frauen kennengelernt, auch früher schon. Durch meine Mutter, Oma, Tanten, Schwestern, die ich sehr liebte. Auch Lehrerinnen, die ich mochte. Ich war immer gerne mit Frauen zusammen und dass ich da immer genau hinhöre, hat auch damit etwas zu tun, dass ich mein Leben danach ausgerichtet habe. Eine weibliche Energie kann ich gut haben. Ohne Frauen wäre es eine grausame Welt, das wäre der Untergang. Wenn ich mich entscheiden müsste, noch ein Mann oder noch eine Frau, dann würde ich definitiv „Frau“ sagen und eher auf den Mann verzichten. Ich finde, Frauen sind einfach gute Freundinnen und gute Mütter. Frauenthemen sind auch meine Themen und daher bin ich sehr dankbar, Teil der „Stand Up“ Initiative von L’Oréal Paris und Hollaback! sein zu können. Frauen haben mir mein ganzes Leben lang viel gegeben und ich freue mich, wenn ich etwas zurückgeben und sie unterstützen kann – in allen Bereichen.

Von links: Schauspielerin Natalia Wörner, Guido Maria Kretschmer, Moderatorin Janin Ullmann

Trainingsprogramm zur Prävention von Belästigung in der Öffentlichkeit

Wer Zeuge von Belästigung wird, findet hier das Training. Ein Auszug daraus sind die 5Ds. 

Grafik: Methode 5Ds, kurz vorgestellt
Autor: Andrea Schröder, 09.03.2021