Zurück auf die Schulbank: Reinhold Entholzer

Die komplette Serie können Sie in der aktuellen Ausgabe der CHEFINFO nachlesen.

Reinhold Entholzer spricht im Interiew über politische Prägung, eine Schule von Allen für Alle und warum er die Verländerung der Lehrer für falsch hält.

Herr Landesrat, welche schulische Laufbahn haben Sie hinter sich und welcher Schüler waren Sie?

Ich ging in die Volksschule in ­meinem Heimatort Peuerbach, wir hatten unter anderem den Direktor als Lehrer, der mit dem Telefon im Klassenzimmer saß. Dann ging ich in das fünf Klassen dauernde Internat im Stiftsgymnasium Wilhering und schließlich in Salzburg in die HTL. Meine Mutter war immer sehr dahinter, dass mein Bruder und ich eine weiterbildende Schule besuchen. Sie fragte daher nach der 4. Klasse Volksschule den Lehrer, ob ich fürs Gymnasium geeignet sei. Der glaubte nicht, dass das gescheit sei. Ich tat als Schüler nur das Nötigste. Meine Mutter meinte jedenfalls: „Das bringen wir hin“ und so brachten wir das hin.

Haben sich in Ihrer Schulzeit auch Freundschaften gebildet, die bis heute geblieben sind bzw. hatten Sie prominente Mitschüler?

Es gibt noch viele Freunde von damals. Auch wenn man sich lange nicht ge­sehen hat, schließt man sofort wieder an alte Zeiten an. Vor allem, weil ich auch Internatsschüler war, also Schul- und Freizeit mit meinen Mitschülern verbrachte. Es gab einige bekannte Mitschüler, etwa Josef Ertl vom „Kurier“, Primarius Josef Hochreiter von den Barmherzigen Schwestern, Martin Wögerer, der Leiter der Abteilung Brücken- und Tunnelbau des Landes OÖ, oder Mario Mühlböck, der Bürgermeister von Wilhering.

Haben Sie sich während der Schulzeit eigentlich politisiert bzw. hat Sie die Schule politisch geprägt?

Eher nicht, die politische Prägung und auch die berufliche waren bei mir fami­liär bedingt. Zudem war der eine Großvater Mitbegründer der Raiffeisenbank in Peuerbach, der andere war Bahnhofsvorstand im Ort. Ich kam daher schon schnell mit dem öffentlichen Verkehr in Berührung, zudem war ich als Schüler selbst viel unterwegs, pendelte am Wochenende von Wilhering oder Salzburg nach Hause. 1979 begann ich bei den ÖBB zu arbeiten und besuchte 1986 aus rein privatem Interesse die Gewerkschaftsschule, da stand keinerlei politisches Kalkül oder gar das Liebäugeln mit einer politischen Karriere dahinter. Im Ort redete man mich dann an, ob ich nicht Interesse hätte, in der SPÖ mitzuarbeiten, so kam ich 1991 in den Gemeinderat von Steegen und damit begann meine politische Laufbahn.

Das Bildungssystem steht ständig in der Kritik. Wie würde für Sie persönlich die ideale Schule aussehen?

Ich denke da auch an meine Geschichte. Dadurch, dass es in meinem Heimatort damals keine Alternativen gab, musste ich ins Internat. Man war nur am Wochenende bei seinen Freunden zuhause. Das Internat ist zwar auch eine Form von Ganztagsschule, aber so würde ich mir das nicht vorstellen. Ich kann dem Konzept etwas abgewinnen, dass es eine Schule für Alle gibt, denn dann kümmern sich auch Alle darum. Das stärkt die Verbindung der Kinder zueinander und die Verbindung zum Heimatort. Bei mir war die Mutter immer stark dahinter, dass ich auch etwas lerne. Eine Schule sollte aber auch jenen Chancen bieten, die nicht über so einen Background verfügen. Es ist aber immer noch so, dass aus Akademikerhaushalten 43 % der Kinder wieder Akademiker werden, aus Haushalten mit Pflichtschulabschluss nur 10 %.

Was halten Sie von der „Verländerungsdebatte“, also dass die Länder alle Lehrer verwalten sollten?

Das macht für mich keinen Sinn. Wenn wir neun schulautonome Apparate haben, müssten wir etwa die Matura neunmal nostrifizieren. Das sollte daher weiterhin ­Bundesangelegenheit bleiben.

Gibt es einen Gegenstand, den Ihrer Meinung nach Politiker noch lernen müssten?

Der ehemalige Bundeskanzler ­Bruno Kreisky meinte einst: „Lernen Sie Geschichte.“ Historisches Wissen kann nie schaden. Doch meist lehrt uns das Leben mehr als die Schule. Daher heißt es neugierig bleiben und offen Neues betrachten, das ist eine Form des lebenslangen Lernens.

Wordrap

Lieblingsfach
Musik und Turnen.

Lieblingslehrer
Hatte ich überall, in Wilhering einen jungen Pater in Deutsch, der mir den Zugang zur Literatur eröffnet hat.

Meistgehasster Lehrer

Gehasst habe ich keinen, es gab aber einige „schrullige“ Lehrer.

Wie hielten Sie es mit dem Lernen?
Ich habe meinen Eltern zu erklären versucht, dass ich für das Leben lerne.

Mussten Ihre Eltern oft vorsprechen?
Meine Mutter ging immer zum Elternsprechtag, und damals war es üblich, dass der Lehrer recht bekam.

Zur Person

Reinhold Entholzer (56) wurde in Steegen geboren, wo er heute noch lebt. 1979 begann er in der Bauabteilung der ÖBB. 1991 stieg er als Gemeinderat in die Politik ein. Seit 2013 ist er SPÖ-Landesvorsitzender und seit Jänner 2014 Landeshauptmann- Stv. Sein Bruder Walter ist seit 1997 ÖVP-Landtagsabgeordneter.

Autor: Gerlinde Vierziger, 27.02.2015