Zurück auf die Schulbank: Maria Buchmayr

Die komplette Serie können Sie in der aktuellen Ausgabe der CHEFINFO nachlesen.

Im Interview spricht Buchmayr über politische Prägung, Schule ohne Hausübung und wie sich Schulen finanzieren sollten.

Wo sind Sie zur Schule gegangen und welche Schülerin waren Sie?

ch bin in die HBLA Auhof gegangen, damals hieß sie Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe. Heute heißt sie HLW – Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe. Das waren meine schönsten fünf Schuljahre. Sogar die Matura war ein entspanntes Erlebnis. Ich war nicht die Strebsamste, bin aber ohne Probleme durchgekommen. Wir hatten eine tolle Klassengemeinschaft und ich hatte gute Freundinnen. Ich bin wirklich jeden Tag gern in die Schule gegangen.

Haben Sie in Ihrer Schulzeit Freundschaften geknüpft, die bis heute geblieben sind bzw. hatten Sie prominente Schulkolleginnen?

Ich treffe mich mit meinen Freundinnen aus der Schulzeit noch regelmäßig. Eine arbeitet heute im Sozialbereich, mit ihr bin ich beruflich immer wieder in Kontakt.

Haben Sie in der Schule schon erste politische Erfahrungen gesammelt?

1986 war die furchtbare Linzer Luft ein Thema. Da sind die Studierenden von der Uni zu uns herübergekommen und haben uns aufgefordert, mit ihnen demonstrieren zu gehen. Da bin ich dann mitgegangen. Dann hat sich tatsächlich einiges getan auf politischer Ebene mit dem Luftsanierungsprogramm. Und ich habe gesehen: Ich kann mich engagieren, etwas bewegen und verändern. Wir stehen da gemeinsam für ein Anliegen, das war schon beeindruckend. Das war für mich der Einstieg in die Politik, wenn auch noch nicht parteipolitisch.

Was haben Sie in der Schule für Ihr Leben gelernt?

Das Zusammengehörigkeits­gefühl. Die gegenseitige Solidarität in der Klassengemeinschaft und das Erlebnis, dass jemand anders denkt als ich und trotzdem zu meinen Freunden zählt.

Angela Merkel hat gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Gehört er auch zu Österreich?

Wir leben in Österreich Religionsfreiheit, der Islam gehört somit zu Österreich. Pauschale Vorurteile helfen uns da nicht weiter. Man darf den Islam als Religion nicht politisch instrumentalisieren. Klar gibt es Probleme, es gibt aber schon viele Präventions-maßnahmen. Der hohe Migrantenanteil in vielen städtischen Klassen ist sicher ein Problem. Aber nicht, weil die Kinder Migrationshintergrund haben, sondern die Sprache nicht können. Da gilt es, von frühester Kindheit an anzusetzen. Migration sehe ich als Chance, das Schulsystem muss damit umgehen können.

Was würden Sie einer heutigen Maturaklasse als wichtigsten Satz für das Leben mitgeben?

Buchmayr: Lernen hört nie auf! Immer offen bleiben, sich weiterentwickeln. Es muss einem bewusst sein, wenn man maturiert, auch wenn man nicht studiert, dass das nicht das letzte Mal Lernen war.

Halten Sie die Ganztagsschule für sinnvoll?

Ja, das ist eine langjährige Forderung der Grünen. Nämlich im Hinblick darauf, die Familie zu entlasten und die Familienzeit aufzuwerten. Man könnte auch sagen, eine Schule ohne Hausübung. Denn wenn die Kinder in der Schule qualitativ und umfassend betreut werden und auch ihre Aufgaben dort zur Gänze erledigen können, dann bleibt den Kindern zu Hause die notwendige Zeit für Erholung und Freizeit.

Schulen jammern, dass sie finanziell ausgehungert werden. Wie sollen sie sich finanzieren?

Schulen und Bildung sind klare Kernaufgaben der öffentlichen Hand. Bildung ins Private auszulagern, ist nicht der richtige Weg. Wenn dem Gesetzgeber ein Bereich wichtig ist, muss er dafür auch die notwendigen Geldmittel zur Verfügung stellen. Wenn der Staat an der Bildung spart, ist das ein Riesenschritt zurück.

In welchem Fach würden Sie unseren Politikern Nachhilfe verordnen?

In der Fähigkeit zuhören zu können. Das fehlende Hinhören ist wohl eine der Ursachen für Politikfrust.

Wordrap

Lieblingsfach
Turnen, Geographie (habe ich auch studiert), Ernährungslehre.

Lieblingslehrer
Unser Klassenvorstand, weil er immer zu uns gestanden ist.

Erster Ferialjob
Briefträgerin bei der Post.

Erster Berufswunsch
Lehrerin, als sehr kleines Kind. Nach der Matura aber kein spezieller Berufswunsch, für relativ viel offen.

Ist Politik lernfähig?
Politik muss lernfähig sein, anders geht es gar nicht. Das ist die Voraussetzung dafür, wenn man etwas bewegen will.

Zur Person

Maria Buchmayr (45) ist Linzerin. Nach der Matura an der HBLA Auhof studierte sie Geographie und arbeitete an der JKU. Zu-nächst war sie Gemeinderätin in Linz, ab 2009 Landtags-Abgeordnete. Im Mai 2013 löste sie Rudi Anschober als Landessprecherin ab. Buchmayr hat drei erwachsene Kinder.

Autor: Gerlinde Vierziger, 26.02.2015