Zurück auf die Schulbank: Manfred Haimbuchner

Die komplette Serie können Sie in der aktuellen Ausgabe der CHEFINFO nachlesen.

Der promovierte Jurist kritisiert, dass Lehrer keine echten Sanktionsmöglichkeiten mehr haben und würde sich mehr Ethik-Unterricht wünschen.

Wenn Sie eine Matura­klasse auf die Zeit nach der Schule vorbereiten müssten, was wäre die wichtigste Botschaft?

„Jetzt beginnt das richtige Leben“ – dieser Satz wäre meine Kernaussage, aber ohne, dass ich damit ausdrücken will, dass es Schüler immer leicht haben. Aber die Arbeitswelt oder der Alltag von Studenten unterscheidet sich doch von der Schulzeit.

Was waren die prägendsten Momente in Ihrer Schulzeit?

Im Gymnasium in der Schauerstraße in Wels gab es mit den Lehrkräften immer wieder Diskussionen über Jörg Haider, die sehr kritisch und negativ geprägt waren. Das hat mich dazu gebracht, mich intensiv mit Politik auseinanderzusetzen. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass ich meine Professoren sehr geschätzt habe. Ich bin wirklich gerne in die Schule gegangen.

Was für ein Bild von Österreich hatten Sie während Ihrer Schulzeit? Hat sich unser Land seither zum Guten oder Schlechten verändert?

Das Bild von Österreich hat sich seit meiner Schulzeit schon sehr geändert. Wir hatten damals mit dem Schilling eine stabile und sichere Währung, eine niedrige Arbeitslosigkeit und sehr wenige Migranten. Was mich erschreckt, ist die Zunahme der Armut im Land, die oft erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.

Sie sind heute Jurist und Landesrat, was war Ihr erster Berufswunsch?

Eigentlich hat mich Rechtswissenschaft schon immer interessiert, weil sie für mich keine trockene Materie ist, sondern Zusammenhänge wie die Verfassung verständlich macht. Ich bin aber auch technisch interessiert und hätte mir durchaus vorstellen können, eine HTL für Hoch- und Tiefbau zu absolvieren und vielleicht Baumeister zu werden.

Warum haben Politiker und Lehrer an Image und Respekt eingebüßt?

Die Politik ist an ihrem schlechten Ruf großteils selbst schuld. Es gab in der ­Vergangenheit Misswirtschaft und so viele ­Verfehlungen. Die Politiker entfernen sich vom Normalbürger, aber das ist auch im benachbarten Ausland so. Den Lehrern fehlen Sanktionsmöglichkeiten und das wird von Schülern oft ausgenützt. Es kann ja nicht sein, dass ein Handy nicht abgenommen werden darf, wenn der Unterricht damit gestört wird.

Die Zahl der Migranten in Klassen ist teilweise hoch, wie kann dieses Problem aus Ihrer Sicht gelöst werden?

Ideal wäre eine Quoten­regelung von 25 bis 30 Prozent, eine solche Obergrenze lässt sich aber nicht in allen Schulen verwirklichen. Ich bin dafür, dass Kinder mit Migrationshintergrund erst am Regelunterricht teilnehmen können, wenn sie über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen. Das wäre gegenüber den in Österreich geborenen Schülern fair und für die Lehrkräfte eine Erleichterung. Eltern, die sich der sprachlichen Integration verweigern, sollten auch mit Sanktionen wie Kürzung der Sozialleistungen rechnen müssen.

Sollte es neue Unterrichts­gegenstände geben?

Mehr Ethik-Unterricht wäre sicher notwendig und auch zielführend, weil er wichtige und richtige Werte der Gesellschaft vermittelt. Generell gilt für mich der Leitsatz, dass in den Pflichtschulen grundlegendes Wissen wie Sprache, Schreiben und Rechnen vermittelt werden soll.

Welche Note geben Sie dem heimischen Bildungssystem?

Eine sehr gute. Mich stört das dauernde Herumdoktern am Schulsystem. Ich bin aber für eine Veränderung der Organis­ation. Das Schulwesen sollte föderalisiert und einem Mitglied der Landesregierung unterstellt werden, der Kompetenzdschungel mit vielen Proporz-Posten muss verschwinden.

Wie stehen Sie zur Abschaffung der Betragensnote und hatten Sie selbst einmal eine schlechte?

Nein, ich war immer ein braver Schüler. Generell sollte das Verhalten in der Schule mit einer Note bewertet werden. Eine Abschaffung wäre ein falsches Signal und würde die Autorität der Lehrer untergraben.

Wordrap

Latein
Ist eine wichtige Basis für viele Wissenschaften und zum Lernen romanischer Sprachen.

Gymnasium
Sollte als Schulform unbedingt beibehalten werden.

Leistung
Fleiß und ordentliche Umgangsformen sind wichtige Tugenden.

Wohlfühlfaktor in der Landesregierung?
Im Vergleich zur Stimmung im Nationalrat sehr gut. Inhaltliche Arbeit wird geschätzt.

Landesschulrat?
Ein Relikt aus Zeiten der Proporzwirtschaft. Sollte meiner Meinung nach aufgelöst werden.

Zur Person

Manfred Haimbuchner (36) ist Jurist und Landesrat. Er besuchte die Volksschule Steinhaus von 1985 bis 1989. Dann absolvierte er das Bundesgymnasium Schauerstraße in Wels, wo er 1997 maturierte. Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften an der Johannes
Kepler Universität Linz (Dr. iur. 2006).

Autor: Gerlinde Vierziger, 27.02.2015