OÖ-Serie: Zurück auf die Schulbank

Die komplette Serie können Sie in der aktuellen Ausgabe der CHEFINFO nachlesen.

Unserer Politiker-Klasse wird generell kein gutes Zeugnis ausgestellt. Aber: Wie waren sie wirklich in der Schule? Was hat sie damals geprägt und welche Dinge würden sie heute am Bildungssystem ändern? Wo benötigt Politik Nachhilfe? CHEFINFO begleitete oberösterreichische Spitzenpolitiker auf eine Zeitreise in ihre alten Schulen.

Landeshauptmann Josef Pühringer gibt dem Bildungssystem gute Noten. Dafür würde er schlechte Lehrer gerne schneller loswerden. Und als ehemaliger Schüler, der gelegentlich selbst Nachhilfestoff pauken musste, will er das jetzige Beurteilungssystem ändern.

Interview: "Die Schule ist besser als ihr Ruf"

Herr Landeshauptmann, was für ein Schüler waren Sie?
Ein eher durchschnittlicher Schüler. Meine Stärken lagen in Geisteswissenschaften wie Deutsch, Geschichte, Religion, Musik. Etwas schwächer war ich in den naturwissenschaftlichen Fächern.

Benötigten Sie Nachhilfe?
Ab und zu ja. In der Regel bin ich aber ohne Nachhilfe über die Runden gekommen.

Was hätten Sie als 14-jähriger Schüler jenem Menschen geantwortet, der prophezeit hätte, Ihr Bild als Landeshauptmann würde einst in allen Schulen hängen?
Pühringer: Ich hätte gesagt: Du hast einen Vogel.

Wollten Sie denn nicht immer schon Landeshauptmann werden?
Pühringer: Meine ersten Berufswünsche waren Briefträger und Pfarrer. Briefträger, weil ich mit dem Herrn Bauer einen Briefträger in Traun kannte, der ein so freundlicher und netter Mensch war. Auf der anderen Seite war ich in der Unterstufe im Petrinum und die Kap­läne dort haben mich begeistert.

Sie maturierten in Religion. Warum?
Pühringer: Wir sind geprägt von sichtbaren Dimensionen, wir brauchen aber auch Tiefe im Leben. Religion schenkt diese Tiefe. Es muss alles im Leben irgendwann ein Ziel haben und das kann nicht im Begreiflichen des Menschen liegen, sondern muss Mysterium bleiben.

Was wurde Ihnen in der Schule vermittelt, wofür Sie heute noch dankbar sind?
Pühringer: Ich denke an verschiedene Lehrerpersönlichkeiten zurück wie Hofrat Dr. Bruno Schilling, an Professor Dr. Josef Mayr-Kern und den unvergessenen Dr. Alois Sonnleitner. Sie betonten, jederzeit die Auswirkungen unseres Tuns in Betracht zu ziehen. Uns wurde damals sehr eindringlich der lateinische Satz „quidquid agis, prudenter agas et respice finem“ vermittelt: Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende.

Ist Latein notwendig?
Pühringer: Zum Teil ja. Latein ist eine Frage der Bildung im Hinblick auf Sprachvertiefung. Die deutsche Grammatik lernt man zum Beispiel am besten, indem man Latein lernt. Aber natürlich haben die lebenden Fremdsprachen heute eine andere Bedeutung.

Ist Politik lernfähig?
Pühringer: Ja, davon bin ich überzeugt. Natürlich ist das gegenseitige Blockieren insbesondere in der Bundespolitik unbefriedigend. Andererseits kenne ich viele Politiker, die bereit sind anzupacken. Jetzt sind wir in einer Phase, wo wir auf Bundesebene mit der Steuerreform und anderen Reformen beweisen müssen, dass wir etwas weiterbringen und lernfähig sind. Wenn wir versagen, rollen wir der Opposition den Teppich aus.

Welche Note geben Sie dem Bildungssystem?
Pühringer: Ein „Gut“. Die Schule ist besser als ihr Ruf. Wir dürfen eines nicht vergessen: Wir rühmen uns in der Wirtschaft, dass wir die besten Produkte haben, die international gefragt sind. Das machen alles Menschen, die dieses Bildungssystem hervorgebracht hat.

Was muss sich ändern?
Pühringer: Wichtig sind mir vor allem Inhalte: In der Volksschule muss weit mehr der Fokus auf die Grundkulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen gelegt werden. In der Oberstufe bin ich für mehr Wahlfreiheit. Es muss nicht jeder in jedem Fach hinaufkommen.

Sind Lehrer schuld, wenn viele Pflichtschulabgänger nicht sinnerfassend lesen können, wie der PISA-Test zeigt?
Pühringer: Das ist bedauerlich, wenn das wirklich der Fall ist. Ich bin keiner, der dem Verein des Lehrer-Bashings angehört. Lehrer leisten in aller Regel gute Arbeit. Ein Problem haben wir allerdings, dass man Lehrer, die das Geschäft nicht gut machen – die gibt es wie in jedem anderen Beruf auch –, ganz schwer wieder aus dem System herausbringt.

Wordrap

Meine schlimmsten Schulerlebnisse?
Physiktests.

Wer sagte zu Ihnen: „Aus dem Josef wird nie etwas …“?
Das habe ich nie gehört.

Was möchten Sie unbedingt noch lernen?
Ich lerne jeden Tag etwas Neues.

Sind Privatschulen besser als öffentliche?
Nein, aber sie stehen für ein bestimmtes Werteangebot.

Bekannte Mitschüler?
Dompfarrer Max Strasser, Kämmerer Markus Rubasch vom Stift Schlägl.

Zur Person

Josef Pühringer (65) ist seit 1995 Landeshauptmann in OÖ. Nach der Volksschule in Traun besuchte der ÖVP-Politiker die Unterstufe im Petrinum in Linz und danach das Stifter Gymnasium, wo er auch maturierte. Pühringer war neben seinem Jus-Studium als Religionslehrer tätig.

Autor: Gerlinde Vierziger, 23.02.2015