OÖ: Der Weg zum eigenen Schrebergarten

Ein kleines Stückchen Garten mitten in der Stadt. Dieser Gedanke reizt viele Oberösterreicher, vor allem Linzer, die überlegen, sich einen Schrebergarten zuzulegen. Die Motive für den Wunsch nach einem Kleingarten sind aber vielfältig. Manche suchen den Rückzug, den Kontakt mit der Natur. Andere wollen sich mit Gleichgesinnten austauschen und kommen wegen der Geselligkeit. Bevor man sich einem Kleingartenverein anschließt, sollte man sich aber über die eigenen Wünsche klar sein - sonst läuft man Gefahr enttäuscht zu werden. Entweder durch einsilbige Nachbarn oder durch übergesellige Gartenfreunde.

In Oberösterreich umfasst die Geschichte der Kleingärten fast 100 Jahre. Schließlich kommt der Vater des heimischen Schrebergartenwesens, Franz Seraph Dinghofer, aus Ottensheim. Der ehemalige Bürgermeister von Linz (1907 bis 1918) hat in seiner Amtszeit die Kleingärten eingeführt, um die Bewohner der Landeshauptstadt während der Kriegsjahre mit den notwendigen Lebensmitteln versorgen zu können. Laut Landesverband gibt es heute 46 Vereine mit rund 3981 Mitgliedern, in Gesamt-Österreich sind es rund 38.000 Kleingärtner.

Seinen Namen hat der Schrebergarten vom Leipziger Arzt und Hochschullehrer Daniel Gottlob Moritz Schreber, der sich während der beginnenden Industrialisierung Deutschlands um das gesundheitliche Wohl der Kinder kümmerte. Dazu proklamierte er körperliche Arbeit und Ertüchtigung im Grünen, genauer gesagt in "Specialgärten",

Das Kleingarten-ABC

Aber was ist eigentlich ein Kleingarten? Das Bundesgesetz formuliert es so: "Kleingärten sind Grundstücke (Grundstücksteile) im Ausmaße von mehr als 120 m2 und höchstens 650 m2, die der nicht erwerbsmäßigen Nutzung oder der Erholung dienen." Kleingarten-Liebhaber würden es anders zum Ausdruck bringen, sie würden vermutlich von grünen Oasen und Blütenmeeren sprechen.

Wer einen Kleingarten sein Eigen nennen möchte, der muss als ersten Schritt mit dem gewünschten Kleingartenverein, sprich mit dem Obmann, Kontakt aufnehmen. In Oberösterreich entscheiden die meisten Vereine selbständig über Aufnahme neuer Mitglieder, bzw. verwalten bei großer Nachfrage die Wartelisten.

Bei Schrebergärten ist in fast allen Fällen mit eine Ablöse zu rechnen. Diese kann sehr hoch sein, etwa falls der Vorpächter eine Gartenhütte errichtet hat. Die Höhe der Pacht ist dagegen meist moderat. Bevor man sich für einen Garten entscheidet, sollte man auf jeden Fall überprüfen, ob Wasser, Strom und Kanal vorhanden sind, bzw. aufgeschlossen werden können.

Land der Statuten

Das Kleingarten-Universum ist sehr streng reglementiert, auch darüber sollte man sich klar sein, bevor man einen Schrebergarten pachtet. Es gibt zahlreiche Statuten, die auch strengstens eingefordert werden. Genau geprüft wird etwa, ob man die Ruhezeiten einhält und der Rasenmäher nicht zu Mittag oder am Wochenende lautstark durch den Rasen fräst. Verwilderte Gärten stoßen den meisten Gartennachbarn ebenfalls sehr sauer auf. Dafür kann man in vielen Fällen aber auf den Rat eines Gartenfachberaters und auf einen gemeinsamen Pool an Gartengeräten zurückgreifen.

Seinen Wohnsitz darf man in einem Schrebergarten übrigens nicht aufschlagen, das ist in Oberösterreich gesetzlich verboten - im Gegensatz zu anderen Bundesländern, wie etwa Wien. Eine gelegentliche Übernachtung unter dem Sternenzelt kratzt jedoch in den meisten Fällen niemand.

Autor: Gerlinde Vierziger, 17.03.2015