Kärntner Frauenpower

Von der Glasermeisterin über die Kunstschmiedin bis zur Bäckermeisterin: 13 Kärntner Unternehmerinnen wurden für die Auszeichnung „Un-typisch Frau: Meisterinnen in Männerbranchen“ nominiert.

Karrieremöglichkeiten

Das Handwerk ist nicht nur vielseitig und bunt, sondern auch die stärkste Branche der Kärntner Wirtschaft: Über 15.000 Betriebe beschäftigen rund 55.000 Menschen in Kärnten und bilden die Hälfte aller Lehrlinge aus. „Der Bevölkerung ist es aber oft nicht bewusst, was unsere Betriebe alles leisten“, sagt Klaus Peter Kronlechner, Obmann der WK-Sparte Gewerbe und Handwerk. „Das war auch die Idee hinter dieser Auszeichnung: Wir wollten einerseits zeigen, was in den Handwerksbetrieben steckt – und andererseits, dass das Handwerk auch tolle Karrieremöglichkeiten für Frauen bietet.“

Auf die Baustelle, nicht ins Büro!

Stellvertretend für all diese Frauen wurden nun 13 Unternehmerinnen für die Auszeichnung „Un-typisch Frau: Meisterinnen in Männerbranchen“ von der WK-Sparte Gewerbe und Handwerk und der Raiffeisen Landesbank Kärnten nominiert. So zum Beispiel Evelyn Franta-Binz, die vor über 20 Jahren als erste Rauchfangkehrerin in Oberkärnten für staunende Blicke sorgte. Oder Glasermeisterin Brigitte Franc-Niederdorfer, die ihrem Vater bereits mit 14 Jahren erklärte: „Ich möchte zuhause lernen, aber ich gehe nicht ins Büro, ich will auf die Baustelle!“ Und sie ließen sich auch nicht von Hürden abbringen – wie Judith Prisse, die zunächst keine Lehrstelle als Hafnerin fand und erst über Umwege zum Handwerk kam.

„Ich möchte Häuser bauen.“

Leicht viel es der Jury nicht, unter den 13 Unternehmerinnen die eine auszuwählen, die nun ausgezeichnet wurde. „Wir haben drei Jurysitzungen gebraucht, bis wir uns endlich einig waren“, erzählt Kronlechner. „Denn jede von ihnen hätte diese Auszeichnung verdient.“

Mit Tränen in den Augen bedankte sich Silke Leschanz bei der Jury: „Ich bin überwältigt, vielen Dank!“ Über ihren Werdegang spricht sie mit Begeisterung: Während ihre Freundinnen noch mit Puppen spielten, setzte Silke Leschanz bereits einen Ziegel auf den anderen. Fünf Jahre alt war sie, als sie ihre erste Mauer errichtete. „Ich habe damals schon gewusst, was ich beruflich machen will. Ich habe zu meinen Eltern immer gesagt: Ich möchte Häuser bauen. Die dachten zuerst, das würde wieder vorbei gehen“, lacht sie. Denn für das Häuserbauen hatte sich in der Familie bisher noch niemand ernsthaft interessiert. Aber Silke Leschanz sollte Recht behalten: Nach dem HTL-Abschluss folgte mit 29 Jahren die Baumeister-Urkunde. Seitdem hat sie viele Häuser geplant und gebaut – und noch immer brennt sie für ihren Beruf. „Es ist ein sehr kreativer Beruf und einfach das Schönste auf der ganzen Welt“, sagte sie.

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Autor: Melanie Lipic-Tscheppe, 20.09.2015