INN-Sight

Ich schreibe gerne. Und ich schreibe viel. Das mache ich aber nicht, weil ich meine eigenen Worte so gerne lese, sondern weil ich meine Stimme so ungern höre. Denn sobald man mir das Mikrofon in die Hand gibt, fühle ich mich unwohl. Zumindest war das bisher so, denn bisher habe ich immer gedacht, in der Öffentlichkeit sollte man dialektfrei sprechen. Doch, liebe Tiroler: Dieser Ansicht bin ich nicht mehr, im Gegenteil.

Mit allen Aufgaben, die ich in meiner Heimat voller Stolz erfülle, habe ich festgestellt, dass unser Dialekt etwas ist, das uns zu einer eingeschworenen Gemeinschaft macht – und dass ich mich, obwohl ich halb deutsch bin, über das Tirolerische definiere. Da ist halt etwas „hetzig“, da ist das Wort für jede Gelegenheit eben „lei“ und wenn wir Tiroler loslegen, dann kracht’s gewaltig in der Aussprache – aber so sind wir, und wir wissen, wer wir sind!

Sprache ist ein wichtiges Stück Identität, vielleicht sogar das erste, das entlarvende, das prägendste. Denn Kleidung, Verhalten oder Wohnort kann man wechseln, aber eine Sprachfärbung lässt sich kaum verleugnen. Und das muss auch nicht sein, nicht in unserem Fall, denn das Tirolerische ist die phonetisch gewordene Herzlichkeit, die in Vokabular komprimierte Alpenwelt, schroff und kantig zum einen, warm, witzig und urig zum anderen. Und wer ohne Dialekt aufgewachsen ist, wird nie einen lernen. Deswegen, liebe Nicht-Tiroler, sprecht mal folgenden Satz aus: „Teifl, geschtan beim oibredln hots mi orschlings augringlt!!“. Schwierig? Klar. Das können auch nur wir.

Tags

Autor: Alexandra Nagiller , 18.04.2016