Glaubensfragen: Das sind die Gurus der Stars

Und – woran glaubst du? Früher war das eindeutig zu beantworten: an Gott natürlich! An welchen? Diese Frage stellte sich – zumindest im europäischen und amerikanischen Kulturkreis – erst gar nicht. Heute ist die Glaubenswelt bunt gemischt: Da fighten indische Gurus, lustvolle Gottheiten, jüdische Zahlenmystiker und okkulte Voodoo-Priester um das ewige Seelenheil. Allen voran, wie so oft bei Lifestyle-Trends: Stars, Prominente und Menschen auf dem besten Weg dorthin. Was macht den Reiz des Überirdischen aus? Und wer sind die geistigen Idole unserer Idole? Weekend Magazin begab sich auf spirituelle Spurensuche.

Flower Power & Sektentum

Mit den Hippies, Love & Peace und der Auflehnung gegen das Establishment erlebten vor allem indisch an­gehauchte Gemeinschaften, Wicca-Kult und Co. einen Höhenflug. Für die New-Age-Bewegung waren die USA, im Speziellen Kalifornien, ein ­besonders fruchtbarer Boden, wie der Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen, Dr. German Müller, bestätigt. In den 80ern war dann alles außerirdische en vogue – man denke an Nina Hagen und ihre skurrilen UFO-Begegnungen. Seit Mitte der Nullerjahre schwappt aus Hollywood eine neue Welle der Spiritualität nach Europa. Die Stars sind auf ihrer Sinnsuche weitaus kreativer als Ottilie Normalbürgerin.

Schwarze Magie

Wieder aufgeflammt ist der bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts begründete Glaubens-Kult „Ordo Templi Orientis“, kurz O.T.O., oder auf Deutsch „Orden des östlichen Tempels“. Zu den illustren Anhängern zählen heute Beyonce samt Gatte

Jay-Z

, Toms Cruise’s Adoptivtöchterchen Isabella (nix da mit Scientology!) oder die unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommene Peaches Geldof. Peaches hatte sogar ein Tattoo mit dem Namen der Sekte am Unterarm. Die Rituale des O.T.O. waren ­ursprünglich freimaurerisch, diese wurden durch den ­britischen Okkultist und ­Sex-Magier Aleister Crowley komplett überarbeitet und beinhalten nunmehr Crowleys „Buch des Gesetzes“. Leitspruch der Sekte: „Man tue, was man wolle.“ In erster Line bedeutet das nach Sekten-Kodex, bewusstseinserweiternde Drogen einzuwerfen und hemmungslose Sexualpraktiken zu zelebrieren.

Fleischeslust

Ganz in der Tradition der alten Blumenkinder-Tempel steht auch die Orgonite Society: Hier dreht sich alles um den leiblichen Genuss – mehr oder weniger. Die Antwort auf Blockaden, Neurosen oder generellen Weltverdruss ist hier Sex. Klingt nach dem Lifestyle der Bonobo-Schimpansen? Kann sein, doch auch die führen bekanntlich ein friedvolles, glückliches Leben. Der Glaube der zweifelhaften Gemeinschaft stützt sich auf eine These des österreichischen Sexualforschers Wilhelm Reich aus den 1950ern: Neurosen entstehen aufgrund einer aufgestauten Libido. Und die will entstaut werden. Sex-Guru „Osho“, ­eigentlich Bhagwan („der Erleuchtete“) Shree Rajesh und seines Zeichens Philosoph, begründete die Orgonite Society.

In den 1970ern folgten ihm mehr als 2.000 Mitglieder, 1984 erlangte die Glaubensgemeinschaft durch ein heimtückisches Salmonellen-Attentat mit 750 Opfern in Oregon traurige Berühmtheit. Heute scheint Orgonite vor allem auf Hollywoods Teenies eine Anziehungskraft zu haben: Die Smith-Kids Willow und Jaden zählen ebenso zu den Anhängern der Lehre des mittlerweile verstorbenen Sex-Gurus wie Kendall und Kylie Jenner. Erkennungszeichen der Osho-Freaks: selbstgebaute Glas­pyramiden und Bücher mit dem Namen ihres geistigen Führers.

Kabbala und Liebe

Madonna

trat den Hype um die jüdische Zahlenmystik los, Stars wie Mila Kunis und Ashton Kutcher folgten ihr. Das Erkennungszeichen der Kabbala-Jünger: ein rotes Armbändchen. Viele Stars auf der Suche nach dem Sinn des Lebens landen schlussendlich bei der jüdischen Geheimlehre, es gilt als chic, seine Spiritualität auf diese Weise zu erleben. Doch die Sinnsuche ist nur ein netter Nebenaspekt. Hinter vorgehaltener Hand gelten andere Nebenaspekte wie der lässige Lebensstil als besonders attraktiv für Hollywood-Stars.

Geldmaschine Glückseligkeit

Einer der einflussreichsten Hollywood-Gurus ist der Inder Deepak Chopra: Für Lady Gaga ist er die „einflussreichste Person in ihrem Leben“, auch Donna Karan, Oprah Winfrey, Demi Moore und Russell Brand zählen zu seinen Anhängern. Chopra verheißt Glückseligkeit – vor allem für sein Konto. Auf seiner Website finden sich von ayurvedischen Tees, Diätprogrammen, Meditation-Kurse bis zu Kurse für angehende Yoga­lehrer alles. Neben Romanen über Buddha, Jesus und Mohammed veröffentlichte der Wellness-Guru rund 60 Ratgeber für alle Lebenslagen. Spirituell, versteht sich. Auch der King of Pop Michael Jackson war ein glühender Verehrer, sprach noch zwei Tage vor seinem Tod auf den Anrufbeantworter des Gurus. Der indische Quantenmystiker verdient bis zu 75.000 US-Dollar pro Vortrag. Seine Anhänger sehen in ihm den Heilsbringer. Chopra hat in den USA Kult-Status. Ein Star-Guru für die Stars.

Sinnsuche

Warum suchen verstärkt jene, die ohnehin ­alles haben, krampfhaft nach dem Sinn, sind dafür bereit, selbst ernannten Gurus Unsummen in den unheiligen Rachen zu werfen? Antworten auf die Fragen ‚Was tut mir gut?‘ oder ‚Wie bekomme ich Unterstützung mein Level zu halten?‘ werden auch in obskuren Bewegungen gefunden. Dr. German Müller von der Bundesstelle für Sektenfragen meint: „Die Angebote nach dem Motto ‚mit uns wirst du noch schöner, noch reicher, noch leistungsfähiger, noch erfolgreicher‘ sind für Menschen, die unter permanentem Erwartungsdruck stehen, besonders reizvoll.“ Puls 4 So­ciety-Expertin Silvia Schneider ergänzt: „Stars wissen in der Masse der Ja-Sager nicht, wem sie wirklich vertrauen können. In diesem Fall können Grundregeln einer Religion helfen, um für das eigene Handeln eine klare Linie zu definieren.“ Die Gurus oder Gemeinschaften profitieren dabei vom öffentlichen Bekenntnis Prominenter. Sie werden durch Stars bekannt und allein dadurch attraktiv, dass eben das Idol jenen ­Lebensstil praktiziert.

Auf Promi-Fang

Doch nicht alle Sekten und Glaubens-Gruppierungen können sich über so regen Promi-Zulauf freuen. Andere suchen fast schon verzweifelt nach prominenten Aushängeschildern. So die UFO-Sekte „Raelianer“, benannt nach ihrem Gründer Rael: Ihr Versuch,

Gisèle Bündchen

für sich zu gewinnen, ging allerdings ­gewaltig schief. Die schöne Brasilianerin erteilte der ­Sekte, die auch schon ein Baby geklont haben will, eine klare Absage. Schade eigentlich – so hätte eine Sekte wirklich einmal mehr Schönheit in die Welt gebracht.

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01.04.2015