Gedanken zum Muttertag: Ein Leben lang Mama

Die Mama von zwei kleinen Kindern

Mama, Maa-maa, MAMAAA! Als ich zum ersten Mal Mutter wurde, hätte ich niemals gedacht, dass dieses wunderbare, kleine Wesen, dieses, schönste Kind der Welt es ­jemals schaffen würde, mich zur Weißglut zu bringen. Ich war demütig und dankbar. Die Heldin des Kreißsaals hatte einen gesunden Buben zur Welt gebracht. Alles würde gut, ich war schließlich bestens vorbereitet. Abbaubare Biowindeln, Cranio-Sacral-Behandlung, Pekip-Kurs, Elternratgeber von Jesper Juul bis Remo Largo: Alles da! Und natürlich würde ich alles anders machen als meine Eltern. Sechs Jahre sind vergangen. Zwei Wunder, 2 und 6 Jahre alt, haben mich verändert. Ich höre mich Sätze sagen wie: „Setz’ dir bitte eine Haube auf“ oder „Bevor du das Gemüse nicht probierst, gibt es kein Eis“.

Ein Zahnarztbesuch fühlt sich an wie ein Wellness-Kurzurlaub. (Man kann schließlich ungestört auf die Toilette und auch noch Zeitung ­lesen). Arbeitstage, gekrönt mit einem Mittagessen (selbst gewählt und sogar noch warm zu mir genommen) sind ein Genuss. In den 2.300 Nächten meines Mama-Daseins habe ich vielleicht 100-mal länger als fünf Stunden am Stück geschlafen. Trotzanfälle des Zweijährigen, am liebsten vor großem Publikum, stehe ich mittlerweile tapfer durch – man lernt dazu. Auch bei den Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Zahnpflege werden meine Argumente immer besser. Ehrlich: Manchmal sehne ich mich nach dem alten Leben, dem alten Sex, der alten Freiheit. Ich beneide meine kinderlosen Freunde, die spontan ans Meer fahren, sonntags gemütlich vorm Fernseher abhängen und ordentlich gewürztes Essen kochen, ihr Geld in Reisen und Kleidung investieren anstatt Babysitter und Logopäden zu bezahlen Und dann krabbeln da viel zu früh am Morgen zwei Menschlein zu mir ins Bett, flüstern Mama, ­rufen Maa-maa, schreien MAMAAA. Ich schau sie an, drück sie ganz fest und denk mir: Was für ein Glückskind ich doch bin!

Andrea Burchhart

Die Mama von drei erwachsenen Kindern

Ich kann mich gut erinnern: Mein ältester Sohn war gerade einmal sechs Wochen alt. Beim Wickeln strampelte er fest mit seinen Froschbeinchen in der Luft und beobachtete gespannt, wo in seinem Gesichtsfeld die Füße auftauchten. Und ich dachte: Auf diesen Füßen wird mein Sohn eines Tages in die Welt hinaus marschieren und mich zurücklassen.

Keine leichte Aufgabe. Gut, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen man es üben kann: wenn das Kind in den Kindergarten kommt. Zum ersten Mal bei Freunden übernachtet. Die beste Freundin vergöttert. Oder grauenhafte Musik hört. Ja, auch in Geschmacksdingen sollte man dem Nachwuchs Autonomie zugestehen. Oft beobachte ich, wie Mütter abwertend, beleidigt oder ängstlich reagieren, sobald ihr Kind etwas anders machen oder haben möchte als sie selbst. Auch das ist eine Form des Klammerns, die auf Dauer nicht gut gehen kann.

Heute sind meine Kinder zwischen 18 und 26 Jahre alt, einen großen Teil des Ablöseprozesses haben wir schon hinter uns. Meine Jüngste leiht sich noch immer gern Kleidung und Lebensweisheiten bei mir aus. Manches gibt sie zurück, manches behält sie. Die Jungs besuchen mich, oder wir unternehmen etwas. Klar, ich würde sie gern öfter sehen. Die Menschen auf dieser Welt, mit denen ich am liebsten zusammen bin, sind meine Kinder. Doch nie würde ich die Leine, die ich über viele Jahre hinweg ­immer lockerer gelassen und schließlich losgelassen habe, wieder in die Hand nehmen. Wie eine Boje im Meer bin ich für sie da, man kann mich ansteuern und sein Boot so lange man möchte an mir festmachen. Aber die Aufgabe des Boots ist es nun einmal, unterwegs zu sein zu neuen Horizonten. Die Boje ­dagegen ist immer an ihrem Platz.

Wie anstrengend es mit drei Kleinkindern war, habe ich nicht vergessen. Die Mahnung an Jungmamas, „genießt die Zeit, sie geht so schnell vorbei!“, finde ich eher zynisch. Was gibt es an Wutausbrüchen im Supermarkt, chaotischen Kinderzimmern und durchwachten Nächten zu genießen? Ich möchte ihnen viel lieber zurufen: „Haltet durch, das Beste kommt noch!“

Andrea Schröder

Alle Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe.

Autor: Ute Daniela Rossbacher, 29.04.2015