Salzburger Mundart: Stirbt der Dialekt in naher Zukunft aus?

Wenn aus dem „Schlag“ die „Sahne“ wird, „Kohle“ die „Marie“ ersetzt und man nicht mehr mit „Tschuidigung“, sondern mit „Sorry“ um Verzeihung bittet, dann könnte man meinen, das österreichische Deutsch sei dem Tode geweiht. So schlimm sei es aber nicht, beruhigt der Germanist Stephan Elspaß. Es scheint demnach keinen Verfall der österreichischen Sprache zu geben. Dass gewisse Dialektwörter von Anglizismen oder bundesdeutschen Wörtern verdrängt werden, kann aber nicht geleugnet werden. Das ist allerdings normal, denn „Sprache ist etwas, das sich mit seinem Gebrauch ständig wandelt“, so Elspaß.

Stadtphänomen. Eine gewisse Angst um die Sprache „made in Austria“ ist berechtigt, wenn man sich in Ballungsräumen umhört. „In größeren Städten wie Wien, Graz oder Salzburg ist bereits ein deutlicher Rückgang der Dialektverwendung zu beobachten“, informiert Sprachwissenschaftlerin Irmtraud Kaiser. Am Land in West- und Südösterreich werde die Mundart hingegen noch viel verwendet – eine bedrohte Art ist der Dialekt also noch nicht. Speziell in Salzburg-Stadt werden dialektale Wörter jedoch vermehrt durch hochsprachliche Begriffe ersetzt. Grund dafür ist einerseits der Einfluss der Medien, andererseits aber auch das Bedürfnis, überregional verstanden und als Dialektsprecher nicht stigmatisiert zu werden.

Image. Mit Ausnahme von Vorarlbergisch hat der heimische Slang in Großstädten und höheren sozialen Kreisen ein Image-Problem. „Dialektsprecher werden zwar häufig als sympathisch, freundlich und humorvoll wahrgenommen, allerdings auch als weniger intelligent“, erläutert Irmtraud Kaiser. Laut IMAS-Report (2014) sieht die Mehrheit der Österreicher den Dialekt jedoch als wichtigen Teil der Kultur, der mehr gepflegt werden sollte. Der Durchschnitts-Österreicher empfindet einen starken Dialekt nicht als seltsam und jeder zweite ist der Meinung, dass man Hochdeutsch zwar beherrschen, es aber deswegen nicht vermehrt sprechen sollte. Wörter wie „Sackerl“, „ratschen“ und „gschamig“ scheinen demnach nicht akut gefährdet zu sein.

Zukunft. Während deutsche Dialekte in absehbarer Zeit aussterben werden, da Kinder auch in ländlichen Regionen mit Hochdeutsch aufgezogen werden, sieht es in der Schweiz ganz anders aus. Hier erlernen sogar Kinder mit Migrationshintergrund die Mundart, um „dazuzugehören“. „Wie es in Österreich sein wird, ist noch nicht klar. Es könnte sein, dass sich aus Standardsprache und Mundart langfristig neue Dialekte formen“, sagt Stephan Elspaß. Der Germanist geht jedenfalls davon aus, dass es in Österreich auch in Zukunft regional klar unterscheidbare Dialekte geben wird.

Coolness. In den letzten Jahren erfuhr der Dialekt einen wahren Hype – allen voran im Musikbusiness. In Zeiten der Globalisierung wird die Mundart als authentisch begriffen und man fühlt sich wohl damit. Bands wie „Texta“ aus Linz und die Steirer Gruppe Seer schlugen genauso ein wie Volks-Rock'n'Roller Andreas Gabalier und Rapper Skero. Unter den zeitgenössischen Mundartdichtern sind Fritz Messner (Lungau), Peter Blaikner (Pinzgau) und Gerlinde Allmayer (Pinzgau) hervorzuheben. Künstler wie sie verleihen dem Dialekt einen gewissen Coolness-Faktor und bewahren ihn so vor dem Aussterben.

Best of Innergebirg

  • Schiaga: fast, beinahe
  • Gstiascht: niedlich, herzig
  • Schwoschz: schwarz
  • Floig: Fliege
  • Lassing: Frühling, Frühjahr
  • Roâ: Abhang
  • znaggst: neulich, vor kurzem
  • zualosn: zuhören
  • Mötz: Mädchen
  • Potznlippi: Mensch, der sich bekleckert.

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Autor: Simone Reitmeier , 11.09.2015