Craft-Biere: Top-Auswahl in OÖ

Laut der Braubilanz für das Jahr 2014, erhoben vom Verband der Brauereien Österreichs, trinken Herr und Frau Österreicher pro Kopf rund 105 Liter Bier pro Jahr. Unter den 1.000 Bieren die in Österreich derzeit gebraut werden, sind tendenziell immer mehr Craft-Biere, oder Spezialitätenbiere, wie sie oft genannt werden.

In Oberösterreich stammen diese nicht zwingend aus kleinen, familiären Brauereien. Im Land ob der Enns haben sich auch die namhaften Bierhersteller auf das Experimentieren verlagert. "Es geht letztlich nicht um Brauereigröße und Ausstoß, sondern um die Kunst und Kreativität des Brauhandwerks“, erklärt Jutta Kaufmann-Kerschbaumm Geschäftsführerin des Verbandes der Brauereien Österreich.

Breite Craft-Palette in OÖ

Eine "kleine Brauerei" ist die Brauerei Kaltenböck aus Attersee. Die Brüder Volker und Herwig Kaltenböck brauen dort per Hand das legendäre "Hoangartenbier", das auf regionale Rohstoffe setzt und das ganze Jahr hergestellt wird. Wechselnde Saisonbiere komplettieren das Sortiment.

In der Stiftsbrauerei Schlägl wendet man sich seit März 2014 in der "Kleinen Braueri" solchen Spezialbieren zu. In dieser "Spielwiese" kann der Braumeister neuen Ideen nachgehen, oder alte Bierrezepte wieder aufleben lassen. Daraus sind etwa das Abtei-Bier entstanden, dessen Aroma an Gewürznelken und Honig erinnert, und das nur in limitierter Auflage erschienen ist. Oder auch das Bio Roggen Bier, das mit einer Note von Hopfen, Pflaume und Rosine überrascht.

In der Freistädter Braucommune setzt man auf den Black Bock, ein dunkles, kastanienbraunes Saisonbier, das ebenfalls in limitierter Auflage hergestellt wurde - "so lange der Vorrat reicht".Mit 7,1 Volumsprozent zählt es zu den stärkeren Bock-Sorten und erinnert im Geschmack leicht an Bitterschokolade.

Stichwort: IPA

India Pale Ale ist ein helles, starkes Ale, aus England und Schottland, das - vor allem im frühen 19. Jahrhundert - für den Export in die Kolonien haltbar gemacht werden musste. Dazu wurde das Bier mit einem ungewöhnlich hohen Alkohol- und Hopfengehalt versehen. Vor dem Genuss wurde es daher in den Kronkolonien oft mit der selben Menge Wasser verdünnt.

Ein solches Starkbier kommt heute auch aus dem Innviertel. Dort vertreibt Rieder Bier das India Pale Ale, dem ein blumig-fruchtige Geschmack zueigen ist und das an Maracuja, Zitrus, Pfirsich und Ananas erinnert. Dem experimentellen Kontingent sind auch das Honig- und das Kürbiskernbier, die durch ihre regionalen Zutaten bestechen.

Eine Sonderstellung nimmt das Engelszeller Trappistenbier ein, das mit Hilfe der Mühlviertler Brauerei Hofstetten hergestellt wird. Es ist erste Bier im deutschsprachigen Raum, das das Gütesiegel "Authentic Trappist Product" tragen darf. Die drei blonden Biere, Gregorius, Benno und Nivard, tragen die Namen von ehemaligen Obersten und Äbten des Klosters. Besondere Zutat ist der klostereigene Honig, der für die Bierherstellung verwendet wird.

Was macht eigentlich ein Craft-Bier aus?

Die Bezeichnung "Craft" kommt aus dem Englischen und bedeutet dort so viel wie Handwerk oder Kunst. Macht Sinn, denn Craft Biere werden nicht zu Unrecht als "Kreativbiere" bezeichnet. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Namensgebung oder im Etikett von etablierten Biersorten, sie sind auch im Umgang mit Ressourcen und im Brauprozess experimenteller und innovativer.

Begonnen hat der Trend zum Kreativbier in den USA, wo Jack McAuliffe in seiner damals revolutionären Mikrobrauerei "New Albion Brewery" die ersten Craft Biere herstellte. Der Trend schappte schnell über den Atlantik nach England über, wo - vor allem in der Gegend rund um Bristol - kleine regionale Brauereien ihr Bier nach traditionellen Rezepten mit regionalen Zutaten herstellen.

Wer die oberösterreichischen Kreativbiere probieren möchte, ist mit einem Besuch im "Biertempel" am Hofberg in der Linzer Altstadt gut beraten. Dort finden sich, neben einem internationalen Sortiment an Spezialbieren aus kleineren Brauereien, auch die oberösterreichischen Bierspezialitäten.

Autor: Gerlinde Vierziger, 18.03.2015