Meghan, Johnny und Co.: Hetzjagd der Boulevardpresse

Es waren ehrliche und harte Worte, die Prinz Harry und Herzogin Meghan im Interview mit Talkmasterin Oprah mit der ganzen Welt teilten. Anschuldigungen an den Palast, Rassismus-Vorwürfe, Selbstmordgedanken – von Minute zu Minute wurde es schlimmer. Nun wird stark darüber diskutiert, welche Partei denn die Schuld trage: Sind es die Royals oder doch Harry und Meghan? Eine Frage, die mit großer Wahrscheinlichkeit nie wirklich geklärt werden kann. Eines kann aber seit der gestrigen Ausstrahlung im europäischen Raum nicht mehr verleugnet werden, nämlich die große Rolle der britischen Boulevardpresse in dieser Krise. Das Ziel von Zeitungen wie "Express", "Daily Mail" oder "Sun": Meghan Markle. Während anfänglich noch positiv über die amerikanische Schauspielerin berichtet wurde, wendete sich das Blatt in der britischen "Yellow Press" recht schnell und Negativ-Schlagzeilen über die Herzogin standen an der Tagesordnung. Sie wurde unter anderem als "Duchess Difficult", "Princess Pushy" oder "Hurricane Meghan" bezeichnet. Doch diese Titel klingen noch harmlos, wenn man sie mit dem vergleicht, was dann geschah. Denn: der rassistische und sexistische Unterton in der Boulevardpresse wurde immer lauter. Ständig wurde auf Meghans Herkunft verwiesen, selbst ihre Mutter Doria Ragland, deren Eltern Afro-Amerikaner waren, wurde miteinbezogen. Das Rassismus-Problem gipfelte in einer Schlagzeile der Daily Mail, die lautete: "Meghan's seed will taunt our Royal Family". Übersetzt bedeutet das in etwa: "Die Nachkommen von Meghan werden die royale Familie verspotten."

Wie unfair wirklich über Meghan berichtet wurde, zeigt sich am besten in der unterschiedlichen Berichterstattung über die Herzogin von Sussex und ihrer Schwägerin Kate Middleton. Folgendes Beispiel fand sich im "Express":

Flucht vor der Presse

Kein Wunder also, dass die Situation für die 39-Jährige nicht nur untragbar, sondern, wie sie im Interview meint, auch "kaum zu überleben war". Denn der systematische Rufmord durch die Medien führte fast zu einem wirklichen Mord: nämlich Selbstmord. Bei Oprah gestand Meghan, dass sie Suzid ernsthaft in Erwägung zog, denn sie sah einfach keinen Ausweg mehr. Sie war überall und doch nirgends. Meghan dazu: "Zahlreiche Mitglieder der königlichen Familie rieten ihr, sich zurückzuziehen, um medial nicht ständig präsent zu sein. Doch obwohl sie sich bereits vollkommen aus dem sozialen Leben rausnahm und wochenlang nicht das Haus verließ, riss die Berichterstattung nicht ab." Ihre einzige Chance sah das Paar im Umzug in die USA, wie Prinz Harry bereits vor einer Woche in der "Late Late Show" von James Corden verriet. "Wir wissen alle, wie die britische Presse sein kann. Das hat meiner psychischen Gesundheit sehr geschadet. Es war toxisch. Also habe ich das getan, was jeder Ehemann und Vater tun würde: Ich musste meine Familie da rausholen", so der 36-Jährige.

Wieder nichts gelernt

In Amerika fanden die beiden gemeinsam mit ihrem Sohn Archie endlich Frieden. Und dass die Flucht aus England das einzig Richtige war, zeigt sich wieder einmal im reißerischen Journalsimus der britischen Presse nach Veröffentlichung des Interviews. Für den Boulevard ein gefundenes Fresse. Doch nach dem Gespräch mit Oprah steht nicht nur die "Yellow Press" im Kreuzfeuer, sondern auch das Königshaus. Denn dieses unternahm nichts gegen die mediale Hetzjagd auf Meghan. Das Paar betitelte dieses Nichtstun mit einer ungeschriebenen Regel zwischen den Royals und der Boulevardpresse: Für positive Berichte bekommen Journalisten Zugang zum königlichen Palast.

Aber auch andere Fälle von Promis zeigen, dass die Boulevardpresse und Paparazzis nicht nur nervenaufreibend, sondern wirklich gefährlich sein können:

Autor: Cornelia Scheucher, 09.03.2021