Marilyn Manson - ein "gemachtes" Monster?

Marilyn Manson - alias Brian Hugh Warner - vereinte den Namen der Schönheit Marilyn Monroe mit dem des Massenmörders Charles Manson. Seine Aussage: Gut und Böse seien einfach zwei Seiten derselben Medaille.

Allerdings dürfte seine Kunstfigur auf der Bühne - verglichen zu den Anschuldigungen von mehreren Frauen (darunter die bekannte US-Schauspielerin Evan Rachel Wood oder Games of Thrones-Star Esme Bianco) - noch ziemlich harmlos sein.

Schwere Vorwürfe

Vergewaltigung, Blutritzereien, Nazi-Messer? Fünf Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen Marilyn Manson und schildern drastische Details. Er habe ihnen das Leben zur Hölle gemacht, sie kontrolliert, manipuliert, vergewaltigt, gefoltert und unter Drogen gesetzt. Hinzu seien noch Essens - und Schlafentzug gekommen.

Missbrauch mit System?

Wood etwa empört sich in diesem Zusammenhang auch über die Plattenlabels. Bekanntlich missbrauche ein Mann niemals nur allein, sondern müsse zumindest auf insgeheime Akzeptanz hoffen können, ist sie überzeugt und geht in die Offensive: „Ich will öffentlich machen, dass viele in der Industrie ihn gewähren lassen und ihn gedeckt haben. Ich schließe mich den vielen Opfern an, die nicht mehr länger schweigen wollen!“

Aktion prominenter Frauen

Mit letzterer Äußerung kündigte Wood eine im Hintergrund offenbar gut koordinierte Aktion an. Denn fast zeitgleich mit ihrem Post veröffentlichten vier weitere Frauen ihre detaillierten Vorwürfe auf Instagram.

Rachel Evan Wood findet gegenüber Marilyn Manson deutliche Worte | Credit: Javier Rojas / Zuma / picturedesk.com

Erschütternde Details

Die Details, die Esme Bianco in den Gerichtsakten nennt, gehen unter die Haut. So wirft sie Manson unter anderen vor, sie mit einer Axt durchs Haus gejagt, mit einem „Nazi-Messer“ beim Sex geschnitten und Nacktfotos von ihr ohne ihre Erlaubnis weitergeschickt zu haben. Am Ende sei sie aus dem Haus geflüchtet, während Manson schlief. Seitdem leidet die Schauspielerin laut eigenen Aussagen unter einem posttraumatischen Stresssyndrom sowie an Depressionen und Panikattacken, die ihrer Karriere und geistigen Gesundheit schwer geschadet haben sollen.

Esme Bianco schildert drastische Details | Credit: ANGELA WEISS / AFP / picturedesk.com

Firmen reagieren - Manson unter Druck

Angesichts der verstörenden Vorwürfe trennte sich Mansons Plattenfirma von ihm: Loma Vista Recordings teilte vor wenigen Tagen per Twitter mit, es werde sein jüngstes Album nicht weiter vertreiben und mit dem Künstler nicht mehr zusammenarbeiten. Eine massive Front gegen Manson, der sich nun genötigt sah, auf Instagram die Anschuldigungen als „schreckliche Verzerrungen der Realität“ zurückzuweisen. Seine intimen Beziehungen hätten immer auf völligem Konsens mit gleichgesinnten Partnern beruht.

Nur einen Tag später trennte sich auch die Künstleragentur CAA von dem Musiker, und auch aus bereits aufgezeichneten Folgen von „American Gods“ und „Creepshow“ wird Manson nachträglich herausgeschnitten.

Alles, nur nicht sexy

Für die aufgeschreckte Öffentlichkeit einmal mehr ein deutliches Ausrufezeichen, dass künstlerische Freiheit in der Musikindustrie nicht alles rechtfertigt und billigen sollte, schon gar nicht, wenn es sich um so schwerwiegende Ereignisse wie Missbrauch oder Ausbeutung von Mädchen und Frauen handelt. Wild und sexy geht auch anders.

In diesem Sinne:

Time is up!

Autor: Carmen Giuliani, 13.05.2021